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Leseprobe: Birgit Schwaner - Polyphems Garten

Vorm Eintreffen der Montage-Einheit der Zentralen Hirnputzstelle (ZH) - drei Arbeitsroboter, angeführt von einem Androiden mit dem verwirrenden Aussehen einer kleinen dreiäugigen, flatterhaarigen Greisin, wohl brandneues Modell, das den Trupp überwachte, wo er Papier übernahm oder noch eine Bildwand montierte -, ungefähr eine Stunde, ehe diese vier aus dem Lift gegenüber der Wohnungstür stapften und hopsten (die künstliche Alte), legte Ping seine letzten Buchfragmente unters Nest, das er den Spatzen gebaut: jeweils ein paar klein zusammengefaltete lose Seiten aus einem Taschenlexikon für Kybernetik, dem I-Ging und der einer Familienbibel entrissenen Offenbarung des Johannes. Mehr war ihm nicht übriggeblieben.

Dass Ping dann diese Reste den Spatzomaten seiner Nachbarin einspeicherte, Satz für Satz, und deren von ihm zuvor digitalisiertes Inneres mittels eines simplen Programms zum Generieren gedicht- oder - bei dem Material kaum verwunderlich - sogar orakelähnlicher Aussagen befähigte, steht auf einem anderen Blatt. (Das sich früh genug wendet - nur nicht eben jetzt.)

J-E-T-Z-T. Schlag auf Schlag mit dem letzten "T", klappen die Tierchen die Schnäbel zu - erst M1, dann M2, M3 -, schließen (verkappen) die Äuglein und versenken die Köpfchen im Flaum. Als hörten sie nicht die Sirenen und Nebelhörner aus den Lautsprechern dröhnen, neben der Bildwand. Werbeappell!!!
Werbeappell? O ja. Sagen wir mal, in dieser Stadt hat man Konsequenzen gezogen (und den Hebel perfekt geölt) - eine lautet: Werbung ist Pflicht.
Und zwar laut Gesetz; was Apparate verkünden:
"Nach Verordnung des Hauptamts, Abteilung ZH, sind alle Personen - unabhängig von Alter, Geschlecht und Adresse - angehalten, im Dienst der Psychohygiene und Sozialverträglichkeit, dreimal täglich im Ausmaß von mindestens 180 Minuten den WYSIWYG zu nutzen (Kinder bis 10 Jahre: 5 mal täglich.)
Andernfalls drohen Strafen laut §18, NBGB."

S. 38f.





























































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