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René Freund: Wiener Theaterblut.

Roman.
Wien: Picus Verlag, 2001.
223 S., geb.; öS 263.-.
ISBN3-85452-452-8.

Link zur Leseprobe

"Ich hasse das Theater." Von einem Buch, das so apodiktisch beginnt, muß man das schlimmste erwarten - folgen kann nur eine hemmungslose Liebeserklärung an die Welt der Bühne. Zu viel Liebe aber macht, wie wir alle wissen, leider blind. Ein Dilemma. René Freund sieht in seinem Krimidebüt gerade das, was auch eine Vorabendserie sehen würde: Schauspielerinnen, die dauernd flirten, einen größenwahnsinnigen charismatischen Regisseur, der zwischen "wahrhaftigen" und "unwahrhaftigen" Theater unterscheidet, weniger aber in der Wahl seiner jüngeren Geliebten, ein "süßes Mädel", das es ernst meint mit der Liebe, Dramaturgen, die immer schwarz gekleidet sind und eine Stadt, die Wien heißt und "stinkt [...] nach Geltung, nach Verbeugung und Theater".

Man muß "Wiener Theaterblut" ein bißchen wie eine Operettengeschichte lesen oder wie einen Heftchenroman, wo man seine schiere Lust an dem Aufmarsch der vielen Klischees hat. Die Morde an den weiblichen Hauptdarstellerinnen (in der Garderobe erstochen!) treten im Grunde recht in den Hintergrund, mehr geht es René Freund um die Selbstfindung eines jungen Mannes, der aus einer Schauspielerdynastie stammt, viel lieber Fotograf wäre, aber doch beim Theater landet, wenn auch nur als Dramaturg. Dieser Mann, mittlerweile alt, erzählt uns und vor allem seinem Sohn, der, wie sich am Ende herausstellt, Schauspieler werden will, seine Geschichte. Er blickt zurück in jene turbulenten Jahre, als am Theater die große Mordserie alle in Atem hielt, als er endlich geschafft hat, von zu Hause auszuziehen, nach Premierenfeiern in Pornoschuppen Fotos geschossen, letztendlich aber doch seine große Liebe gefunden hat - natürlich am Theater.

Das Buch skizziert ein Wien, das eigentlich recht allgemein und austauschbar ist, bis auf ein paar Theaterzitate, die so lauten: "Wir staunten alle nicht wenig, als 'Fußball - ein Bußfall', produziert von unserem Konkurrenztheater, zum deutschsprachigen Theaterereignis der Saison wurde. Daß das Publikum in Scharen die achtstündige Vorstellung verließ und daß sich am Ende mehr Leute auf der Bühne als im Publikumsraum befanden, spielte dabei keine Rolle". Spätestens wenn Freund Jelinek und Schleef beim Konkurrenztheater auftreten läßt, ist klar, daß "Wiener Theaterblut" ein Roman mit Zielgruppe ist. Sollten Sie zufriedener Abonnent im Theater in der Josefstadt sein, dann werden Sie auch dieses Buch recht gerne mögen.

Karin Cerny
27. August 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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