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Leseprobe: Gerald Lind - Zerstörung

III. Zwischenrede


Es ist für keine Leserschaft. Es ist auch für keine Leserinnenschaft. Oder Zuhörerinnenschaft. Oder Seherinnenschaft. Es ist auch nicht für mich oder für dich oder für uns oder für mein persönliches Fortkommen oder für dein persönliches Fortkommen oder für unser persönliches Fortkommen oder für mein Wellbeing oder für deines oder für unseres. Es ist für niemanden da draußen & für niemanden hier herinnen. Es ist nicht, was es ist. Es ist auch nicht, was es nicht ist. Es ist kein besonders simples oder gelungenes Wortspiel, no playing with words in a dull or sophisticated manner, keine Sammlung von bon mots, kein Sudelspruch & kein geheimes Tagebuch. Es ist kein nichts, das nichtet, es ist auch keine Deontologisierung, keine Deontisierung. Es geht nirgendwo hinein & kommt nirgendwo heraus, bei keinem wahren und keinem erfundenen Ärmel. Es ist kein weißes Papier und kein schwarzes Quadrat. Es ist nichts mit Herz und Verstand, ist nicht durchdacht, nicht spontan, nicht unter die Haut gehend, nicht einen kalt lassend. Es hat keinen Sinn, es zu lesen & es hat keinen Sinn, es zu hören. Oder zu sehen.

Es ist keine Träne im Ozean, kein Sandkorn am Meer, kein Stern am Firmament & keine Schneeflocke am Kilimanjaro. Es ist kein junger, stürmischer Romes, keine unglückselige Lolita, keine tugendhafte Dulcinea & keine frivole Odette. Es ist kein Hirn und hat auch kein Geländer, es zieht einen nicht hinunter und erhebt einen nicht, engelsgleich. Es ist kein Zitat und keine Tat. Es ist keine Flamme im labyrinthischen Dunkel der Vernunft. Es ist auch nicht das Unheimliche selbst, das uns doch so vertraut ist. Es ist kein formaler Aktant und keine operationalisierbare Funktion. Es ist kein Spott und kein Hohn. Es ist kein Glaube an etwas oder ein Glaube an nichts. Keine Agnose, keine Apotheose. Es ist keine Eucharistie, keine Eschatologie, keine Epiphanie. Es ist kein Glaubensbekenntnis und tritt es unter dein Dach, so wird deine Seele nicht gesund. Es rupft keinen Vögeln die Federn aus oder schneidet ihnen die Beine ab. Es muss kein wahrer Vogel sein, dem niemals fiel das Landen ein.

Es ist nicht zärtlich und es ist nicht grausam. Es ist nicht ungeschliffen oder elegant. Es ist kein Schreiben an der Wand, keine rote Rose & auch nichts als eine Rose. Es ist kein Traum und es ist kein Leben, keine Hoffnung, keine Finsternis und kein Licht. Und auch kein Prosagedicht. Nein, auch das ist es nicht.

S. 76f.








































































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