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Leseprobe: Christoph W. Bauer - In einer Bar unter dem Meer

[...] Pawlow'schen Hunden gleich wedeln wir mit dem Schwanz und verfügen über eine erstaunliche Kondition, um unsere Leistung auf dem Platz zu zeigen. Dese Phraseologie des Sports, an der man sich belustigen kann, wenn ein Fußballspieler beichtet, dass es der Mannschaft nicht gelungen sei, ihr Potenzial abzurufen, geht einem altbackenen Begriff an der Leine, der Demut. Die ist als frömmelnde Maske des Christentums bekannt geworden, wir unterscheiden zwischen falscher Demut, der es um Effekthascherei geht, und unechter Demut, die der servilen Gesinnung entspringt, dem Kriechertum. Letzteres ist uns ins Gesicht geschnitten, ob hohlwangig oder feist, wir knien ab vor dem Bild, das wir von uns haben und nach dem wir unsere Möglichkeiten ausrichten, wir erwarten von uns dies und das, denn das sind wir uns schuldig - ja was? Und als Antwort darauf erstellen wir Anforderungsprofile, kippen verbrämte Eigenschaften ins Netz, grinsen uns allerorten entgegen und ruinieren jedes innere Aufmucken mit Sprüchen. Arm, fröhlich und Sklave, um es mit Nietzsche zu sagen.

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Murr hatte sein Gesicht im Büro vergessen fiel ihm aber erst in der Tiefgarage auf. Noch einmal in den achten Stock hinaufzufahren, passte ihm nicht in den Kram. Es war Freitag, er könnte sich auf dem Heimweg was besorgen, das würde die Welt nicht kosten [...]. Beim nächsten Supermarkt hielt Murr an, zielsicher steuerte er die Gesichtsabteilung an, eine Blondgelockte empfing ihn: Ob er kaufen oder mieten wolle? Letzteres, erwiderte er und wurde einem anderen Kundenbereich zugewiesen, er brauche nur den Pfeilen auf dem Boden zu folgen, sie würden ihn direkt ins Rent A Face führen. Sie empfehle aber auch einen Besuch im Outlet, wenn es nicht der letzte Schrei sein müsse, werde er dort für billiges Geld was Hippes finden, Italiener aus der letzten Saison seien eingetroffen, zwinkerte sie ihm zu. [...]
Vorbei an der Style Chefetage, durch einen Korridor mit Freizeitgesichtern, gelangte er endlich in die Gesichtsleihe. Die dort angebotenen Exponate zeigten Gebrauchsspuren, allen voran das Modell Der Stecher mit Verantwortung. Die Preise waren nach Mietdauer gestaffelt, sechs Tage kamen im Verhältnis günstiger als vier, ferner gab es Angebote für Kurzentschlossene und Weekend-Packages sowie Schnupperaktionen à la Ausländer für einen Tag oder  Einmal Macho sein.

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