logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   
Facebook Literaturhaus Wien Instagram Literaturhaus Wien

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: J. F. Dam - Der dritte Berg

Ich blicke auf meine Uhr: vierzehn Uhr siebenundvierzig. Warum bin ich noch niemals auf den Gedanken gekommen, es da mit der regsamsten aller Stunden des Universums zu tun zu haben? Einer Stunde, in der fast niemand schläft, während die Nacht faul auf dem Pazifik liegt. Durch die Wucht der schieren Zahl erwacht ein möglicher Gott einmal am Tag beinahe aus seinen Träumen - doch hungern in diesen göttlichen Minuten auch über eine Milliarde Menschen; mehrere tausend Verbrechen werden verübt, ein paar Handvoll Morde, und eine Hundertschaft Menschen kommt in Kriegen ums Leben; und wie viele mögen gerade Selbstmord begehen?, wie viele bei Verkehrsunfällen sterben?, wobei von mir wohlwollend geschätzte hundert Millionen aufgrund der ja doch meist unpassenden Tageszeit Liebe machen, die Übrigen, sie hämmern nähen tippen browsen telefonieren lesen schrauben schreiben kalkulieren lernen pflücken pflanzen kochen essen putzen mähen schneiden mauern zimmern schweißen, oder sie lungern in Cafés, oder an einem staubigen Straßenrand eines Townships in Sambia, wo - in meiner verschwenderischen Vorstellung - gerade ein einäugiger Trommler vorbeizieht, dem niemand Aufmerksamkeit schenkt; sie stehen im Abendlicht rauchend in New Delhis schmutzstarrendem Goushal Marg, wo ein Straßenbarbier fluchend seine tragbare Coiffeurstube einpackt; während in südostasiatischen Sweatshops junge Frauen in die Agonie einer endlosen letzten Näherinnenstunde hinübergleiten, indes unter ihnen, fast will ich sie warnen, im Souterrain des nicht vorhandenen Souterrains, Vulkane ihre Gänge brennen, Felsmassen sich schichten brechen erzittern; während Männer eiligst ein Telefonat mit ihrer Frau erledigen - denn man wartet, schon entkleidet, in einem billigen Hotel auf sie -, oder aber sie stecken mit einem Sattelschlepper auf der Route 55 im frühmorgendlichen Verkehrsstau nahe Saint Lois fest. [...]

In New Delhi bricht der Morgen an, als unser Airbus landet. Sophia und ich werden aus dem Schlaf gerissen. Wir steigen um in einen Air-India-Jet, der uns quer durch Nordindien bis nach Kalonagar bringen wird. Sophia, die Frisur durcheinander, schläft wieder ein und ihr Kopf fällt auf meine Schulter. Ich spüre ihre Brüste an meinem Oberarm, während sich unter mir die grenzenlosen, erwachenden Getreidefelder der nordindischen Ebenen hinblättern, endlos wie die Wüste, mit den Gipfeln des Himalaya an ihrem Rand. Alles gewaltig wie ein gelber Tigerrachen mit schneebedeckten Zähnen.

S. 125ff.












































































































Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Nahaufnahme – Österreichische Autor/inn/en im Gespräch: Barbi Markovic - VERSCHOBEN AUF 2021

Mi, 02.12.2020, 19.00 Uhr Lesung & Gespräch Die Veranstaltung wird aufgrund der neuen...

Der großartige Zeman Stadlober Leseklub featuring Oliver Welter - VERSCHOBEN AUF 2021

Do, 03.12.2020, 19.00 Uhr Lesungen mit Kunst & Musik Die Veranstaltung wird aufgrund der...

Ausstellung
Claudia Bitter – Die Sprache der Dinge

14.09.2020 bis 25.02.2021 Seit rund 15 Jahren ist die Autorin Claudia Bitter auch bildnerisch...

Tipp
LITERATUR FINDET STATT

Eigentlich hätte der jährlich erscheinende Katalog "DIE LITERATUR der österreichischen Kunst-,...