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Aktuelles

Unterstützung für Saša Ilic und seine, unsere Kolleginnen und Kollegen

Offener Brief
an österreichische EU-Abgeordnete, den österreichischen Außenminister, die österreichische EU-Ministerin, den österreichischen Kunst-, Kultur-, Sport- und öffentlichen Dienst-Minister, die österreichische Staatssekretärin für Kunst und Kultur, die Kultursprecherinnen und Kultursprecher der österreichischen Parlamentsparteien

Saša Ilic, der auch in Österreich u.a. als ehemaliger Autor in Residenz des Wiener Museumsquartiers, Stipendiat im Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren in Graz und ständiger Kommentator des Literaturhauses Europa in Krems viele Sympathien und großes Ansehen genießt, wurde und wird in Serbien wegen seiner kritischen Haltung gegenüber politischen Entwicklungen in Vergangenheit und Gegenwart zum Ziel anhaltender öffentlicher Angriffe. Das will Ilic nicht mehr länger hinnehmen und versucht nun, juristisch dagegen vorzugehen – nicht zuletzt, um solchen Angriffen auf Kunst- und Kulturschaffende, die in Serbien immer häufiger werden, dauerhaft etwas entgegensetzen zu können.

Er und seine, unsere Kolleginnen und Kollegen werden in dieser Auseinandersetzung aber nicht bestehen können, wenn ihnen keine internationale öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommt.

Um diese Aufmerksamkeit und Unterstützung ersuchen wir.

Gerhard Ruiss / Evelyn Schalk
Wien / Graz, 10.12.2020


Aufruf zur internationalen Solidarität mit Saša Ilic gegen nationalistische Kampagne
 

Es ist eine beispiellose Hetzkampagne, die derzeit gegen den serbischen Autor Saša Ilic ausgetragen wird. Im Februar wurde sein Roman „Pas i kontrabas“ („Hund und Kontrabass“) mit dem NIN-Award, dem wichtigsten Literaturpreis in diesem Teil Europas, ausgezeichnet. In seinem vielschichtigen Werk schreibt Saša Ilic über Jugoslawien, die Traumata des Krieges – einer der zentralen Schauplätze ist das psychiatrische Krankenhaus in Kovin, eine ehemalige österreichische K.u.K. Kaserne – , aber auch das Versagen von Institutionen, bis heute.

Damit hat er die Wut der herrschenden nationalistischen politischen und kulturellen Eliten des Landes auf sich gezogen. Nicht zum ersten Mal, denn der erklärt anti-nationalistische Autor hat sich immer und immer wieder gegen reaktionäre Kulturpolitik positioniert. Er war Mitherausgeber der Literaturbeilage Beton, schreibt seit zehn Jahren für eines der wenigen nicht-regimetreuen serbischen Nachrichtenportale Pešcanik.net und hat das internationale Literaturfestival Polip in Prishtina, Kosovo, mitbegründet. Auf Deutsch sind von ihm u.a. „Das Berliner Fenster“, sowie zahlreiche Artikel, Essays und Kurzgeschichten erschienen. Alle diese Publikationen eint eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart, sowie eine klare, kosmopolitische Perspektive. Diese hat Ilic wiederholt zur Zielscheibe von Angriffen autoritärer, rechtskonservativer Kräfte gemacht. Doch die aktuelle Hetzkampagne zielt mehr denn je auf Einschüchterung und setzt auf persönliche wie finanzielle Desavouierung des widerständigen Schriftstellers.

Die öffentlichen Angriffe begannen mit einem Boykott des Literaturpreises NIN, sowie medialen Pamphleten gegen die Jury und ihre Entscheidung, die Auseinandersetzung gipfelte schließlich im Vergleich des anti-faschistischen Schriftstellers Ilic mit dem bosnischen Massenmörder und Kriegsverbrecher Ratko Mladic – großformatig aufgemacht in der Tageszeitung Kurir. Gegen diese und den Verfasser des Artikels hat Ilic nun geklagt – was weitere anhaltende Attacken im öffentlichen Rundfunk und anderen regimetreuen Medien zur Folge hat. Diesem Apparat steht er weitestgehend allein gegenüber.

Der (mittlerweile ehemalige) Kulturminister wiederum hatte schon in der Vergangenheit versucht, den unliebsamen Kritiker von seiner Arbeitsstelle in der serbischen Nationalbibliothek feuern zu lassen und griff den Autor sowie die NIN-Jury nun in einem offenen Brief erneut an.

Delfi, die größte Buchhandelskette des Landes, die enge Kontakte zur Regierungspartei SNS pflegt, hat den Verkauf von Ilics Büchern de facto eingestellt. Zum Vergleich: Im Schnitt wird eine Auflage von über 3000 Stück des ausgezeichneten Buches des jeweiligen NIN-Preisträgers in deren Buchhandlungen landesweit verkauft, von Ilic hingegen kein einziges.
„Die Kontrolle über Medien und Kunst hat in diesem Jahr ihre radikalsten Formen erreicht“, so der Autor. Welche Gefahren die Attacken bergen, zeigt eine lange Geschichte von Angriffen auf regimekritische Kunst- und Kulturinstitutionen. So war kurz zuvor eine Theatervorstellung eines Stückes über Srebrenica zum Ziel gewalttätiger Angriffe geworden. Eine Gruppe maskierter Hooligans zerstörte eine Ausstellung alternativer Comics und das jährliche Kulturfestival „Mirëdita, dobar dan!“, das sich für einen friedlichen Austausch zwischen serbischen und kosovarischen Künstler*innen einsetzt, kann nur unter massivem Polizeiaufgebot stattfinden.

Das Schweigen und die Ignoranz in Europa zum Wiedererstarken des Nationalismus ist seit Jahren ohrenbetäubend. Dieses Schweigen gilt es zu brechen.

Wir rufen Kolleginnen und Kollegen in unseren Ländern und Politikerinnen und Politiker zur Unterstützung unseres Kollegen Saša Ilic auf. Niemand darf in einem geeinten und um Einigung bemühten Europa auf diese Weise von offizieller politischer Seite aus so attackiert werden wie es Saša Ilic und seinen Kolleginnen und Kollegen widerfährt.

Wir erklären uns mit Saša Ilic solidarisch.
 

Gerhard Ruiss, Autor, Musiker, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Wien
Evelyn Schalk, Journalistin, Autorin, Chefredakteurin ausreißer – Die Wandzeitung & tatsachen.at, Graz/Wien
Alida Bremer, Autorin und Übersetzerin, Münster/Split
Luise Grinschgl, Internationales Haus der Autorinnen und Autoren Graz, Projektleitung „Writer in Exile“, Graz
Rubina Möhring, Publizistin, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen, Wien
Walter Grond, Autor, Leiter des ELiT, Literaturhaus Europa, Krems
Yvonne Gimpel, Geschäftsführung IG Kultur Österreich, Vorsitzende der ARGE Kulturelle Vielfalt, Arbeitsgemeinschaft in der Österreichischen UNESCO-Kommission, Wien
Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclubs Concordia, Wien
Richard Edelsbrunner, Kulturvermittlung Steiermark
Karin Cervenka, Leiterin Referat für Literatur, Theater und Tanz, Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, Wien
Heidrun Primas, Leiterin Forum Stadtpark, Graz
Ulrike Freitag, Redakteurin des ausreißer – Die Wandzeitung, Graz
Andrea Stift-Laube, Schriftstellerin, Herausgeberin der Literaturzeitschrift LICHTUNGEN, Graz
Markus Jaroschka, Schriftsteller, ehem. Herausgeber der Literaturzeitschrift LICHTUNGEN, Graz
Daniela Kocmut, Redakteurin Lichtungen, Übersetzerin, Graz
Silvia Stecher, Autorin, Übersetzerin, Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift perspektive, Graz
Gerhard Gross, Kurator, Cultural City Network Graz/Fotobiennale Graz – Steiermark
Monika Mokre, Politikwissenschaftlerin, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
Gerald Kuhn, Gemeinderat, Graz
Elvira Veselinovic, Übersetzerin, Berlin/Novi Sad
Svetlana Krabel, Sozialarbeiterin, Berlin/Belgrad/Zemun
Kurt Brazda, Autor & Regisseur, Wien
Galina Baeva, kulturen in bewegung, Wien
Helga Schwarzwald, Geschäftsführung Verband Freier Radios Österreich, Wien
Helmuth A. Niederle, Österreichischer PEN-Club, Wien
Bernhard Studlar, Dramatiker, Leitung Wiener Wortstaetten, Wien
Walter Famler, Publizist, Generalsekretär Kunstverein Wien/Alte Schmiede, Wien
Petra Ganglbauer, Autorin, Leiterin BÖS – Berufsverband Österreichischer SchreibpädagogInnen, Wien
Sylvia Treudl, Autorin, Leiterin ULNOE – Unabhängiges Literaturhaus Niederösterreich, Krems
Karl Kaser, Südosteuropahistoriker, Graz/Piran, Slowenien
Elife Krasniqi, Anthropologin, Autorin, Institut für Südosteuropäische Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz/Prishtina
Bernhard Dechant, Schauspieler, Regisseur, Wien
Lidija Krienzer-Radojevic, Kulturanthropologin, Geschäftsführerin der IG Kultur Steiermark, Graz/Ljubljana
Christa Stippinger, Autorin, Leiterin des Vereins und der Edition Exil, Wien
Fred Turnheim, Präsident des ÖJC – Österreichischer Journalisten Club, Wien
Petya Lund, Verlegerin, Berlin/Sofia
Brigitte Rapp, Übersetzerin, Geschäftsführerin der IG Übersetzerinnen Übersetzer, Wien
Matteo Colombi, Literaturwissenschaftler, Leipzig
Tanja Tuma, Autorin, Slowenien
Suzana Tratnik, Autorin und Aktivistin, Ljubljana
Asja Trost, Filmmacherin, Ljubljana
Johann Wiede, Literaturwissenschaftler, Berlin
Snježana Sadikovic-Šubat, Übersetzerin, Berlin
Nikola Maric, Informatiker, Berlin
Florian Bieber, Professor für Südosteuropäische Geschichte und Politik, Karl-Franzens-Universität Graz
Die schweigende Mehrheit sagt JA, Künstler*innenkollektiv, Wien
Grazer Autorinnen Autorenversammlung, Wien

Wien, Graz, Münster, Split, Krems, Berlin, Novi Sad, Belgrad, Piran, Prishtina, Ljubljana, Sofia, Leipzig
10.12.2020

Weitere Unterstützungserklärungen bitte per E-Mail (Familienname, Vorname, Beruf/Funktion, Ort) an: g.17ruiss@litq2qeraydbu4turwfshauimlys.at (Gerhard Ruiss)

 

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