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Leseprobe: Susanne Scholl - Emma schweigt

"Bin gespannt, wie sie ihn nennen werden", sprudelt Frau Emma weiter. "Ist ja schon wichtig, wie einer heißt, findest du nicht?"
Sarema hat ihre Kinder nach Verwandten genannt. Nur das namenlose Mädchen nicht, weil es zu früh gestorben ist. Das hätte sie gerne Eva genannt, nicht wegen Basils Eva, sondern wegen ihrer Urgroßmutter, die so geheißen hat und von der ihre Mutter immer mit großer Ehrerbietung gesprochen hat.
Aber Frau Emma fragt jetzt, welche Namen ihr für einen Buben denn gefallen würden, und Sarema denkt krampfhaft nach, aber es fallen ihr nur die Namen der Männer in ihrer Familie ein - und die will sie nicht sagen, die Namen der Toten. Die kann man doch nicht einem fremden Kind geben, das gar nichts weiß von dem Land, in dem ihre Toten zu Hause waren, das wahrscheinlich nie etwas von ihnen und ihrem Leben und Sterben wissen wird?
"Scharif?", nennt sie dann zögernd, den Namen ihres älteren Bruders, der Tote, dem sie sich am wenigsten verbunden fühlt.
"Scharif? Wie Omar Scharif? So kann man doch kein Kind nennen", sagt Emma und zählt dann ihre eigenen Lieblingsnamen auf: Konrad, Philipp, Josef?
Sarema gefallen die fremden Namen, die Frau Emma aufzählt. Sie klingen reich und satt und sicher und passen gut zu einem Kind, das in diesem reichen, satten, sicheren Land geboren ist und aufwachsen wird. Gute Namen, sichere Namen. Das versucht sie Frau Emma zu sagen. Aber Frau Emma lacht und gibt ihr einen Klaps auf den Arm und sagt, sie solle nicht immer so ernste Gedanken wälzen, heute sei ein Tag zum Feiern und sie, Sarema, werde jetzt nicht nur ein paar Köstlichkeiten einkaufen gehen, die Emma ihr aufschreiben wird, sondern zur Feier des Tages auch eine Flasche Sekt. Auf eine solche Geburt müsse man anstoßen und der Herr Hans werde später vorbeikommen und sich freuen, wenn es etwas zum Trinken gebe.

S. 120f.






























































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