logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Elke Laznia - Kindheitswald


Der stirbt. Hat er mir nicht gesagt, aber ich weiß es. Gesagt hat er gar nichts. Er sagt nichts. Und als ich ihn fragte, was habt ihr denn so geredet, hat er gesagt, was man halt so redet. Was hat er erzählt, hab ich gefragt, ja was soll er denn erzählen, hat er gesagt. Was hast du denn erzählt, hab ich gefragt. Was man halt so erzählt. Was man so spricht miteinander. Was spricht man denn so mit einem, den man dreißig Jahre nicht gesehen hat, hab ich ihn gefragt. Da hab ich durchs Telefon gespürt, wie er die Augen verdreht, gehört, wie er kurz ausatmet. Immer meine lästigen Fragen. Ich weiß, das hat er gedacht. Stirbt er, hab ich gefragt. Jeder stirbt, hat er gesagt Aber ist es schlimm, hab ich ihn gefragt. Ja, hat er gesagt. Wirst du ihn wieder besuchen, hab ich gefragt. Ja, hat er gesagt. Warum, hab ich gefragt. Wirst dir auch überlegen müssen, ob du hinwillst, hat er gesagt. Was glaubst du, was ich tun soll, hab ich gefragt. Deine Sache, geht mich nichts an. Warum geht es dich nichts an, hab ich gefragt. Wieder das Augenverdrehen und hörbare Ausatmen, weil es mir egal ist, hat er gesagt. Ich weiß. Nein, werd nicht hingehen, hab ich gesagt. Ja, deine Sache, hat er gesagt und aufgelegt, wie er immer auflegt.

Seite 3


Einmal ein Zusammentreffen. Bei dem alten, verkommenen Baron Willi, kein echter Baron, hieß nur so oder nannte sich so. dem alten Kleintierzüchter, bei dem die Meerschweinchen und Hasen frei herumliefen. Ich hatte eines von den Tieren gefangen, ich Elf- oder Zwölfjährige, lief stolz hin zum Willi, mit dem zappelnden beißenden Viech in den Händen, zu dem heruntergekommenen Holzverschlag, tapeziert mit hunderten Bildern von nackten Frauen, und dann du auf der Holztruhe, links neben der Tür, hast gewartet auf mich, er wartet darauf, mich zu überraschen, zu erschrecken, von hinten anzuspringen. Spürte von innen her mein Erröten, mein plötzliches Schwitzen, wie erwischt, ertappt. Sage nichts, tat nichts, stand nur wie erstarrt da, an der Türschwelle.  Kennst mich noch, fragtest du. Ich bohrte meinen Finger in das Fell des kleinen Tieres, es strampelte vor Schmerz. Ich war stumm vor Schuld. Wusste nicht, wohin schauen, er sagte nichts mehr, sie sagten nichts, ich auch nicht. Ich Kind. Drehte mich um und lief weg. Warf das Tier irgendwohin, sah es nicht mehr verschwinden. Lief und lief, weinte und weinte.

Seite 6

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
"V in W" im Literaturhaus! Kommet und sehet!

Do, 19.10.2017, 19.00 Uhr Text | Bild | Ton | Video | Grafik "V in W" präsentiert vier...

Der Zeitungsausschnitt – Ein Papierobjekt der Moderne

Fr, 20.10.2017, 20.00 Uhr Eröffnung der Ringvorlesung "Der Zeitungsausschnitt"Vortrag...

Ausstellung
Sabine Groschup – AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN* 101 Taschentücher der Tränen und ausgewählte Installationen *F. M. gewidmet

Mit AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN präsentiert das Literaturhaus Wien textspezifische Arbeiten sowie...

Tipp
flugschrift Nr. 19 von KIKKI KOLNIKOFF aka MIROSLAVA SVOLIKOVA

Beim Auffalten der flugschrift Nr. 19 wird man umgehend konfrontiert mit einem ständigen...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Neue Beiträge zu Clemens Berger, Sabine Gruber, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Barbi...