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Leseproben: Karl-Markus Gauß - Lob der Sprache, Glück des Schreibens


Ich weiß nicht, wann es damit angefangen hat, seit einigen Jahren ist es jedenfalls erzblöder Brauch: Wo immer Sportler bei internationalen Wettkämpfen antreten, um zu ermitteln, wer von ihnen etwas am schnellsten, höchsten oder weitesten kann, wird dem, der es zuwege brachte, flugs eine Fahne in die Hand gedrückt. Sie haben noch kaum durchgeschnauft, schon ist jemand bei ihnen und hetzt sie auf eine Ehrenrunde, mit der sichtlich nicht sie, sondern Staat und Nation gefeiert werden, die sie mittels umgehängter oder umher geschwenkter Flagge repräsentieren. Natürlich, es gibt Schlimmeres als solch gezähmten Nationalismus, aber ein wenig befremdet es mich immer noch, die Sportler, die mir übers Jahr als bewegliche Werbeflächen vertraut wurden, mit einem Mal als patriotische Fahnenstangen wandeln zu sehen.

Rührung, global, S. 26f.    


Der Nobelpreis war immer eine politische Sache; dem verdanken wir viele mediokre Autoren beiderlei Geschlechts, die ihn erhielten, aber auch manche Entdeckung, die es lohnt. 1988 etwa, als Nagib Mahfuz ausgezeichnet wurde, hat unser aller Reich-Ranicki gehöhnt, ein Autor, von dem er nicht einmal wisse, wie man seinen Namen ausspreche, würde die Lektüre wohl nicht lohnen. Heute kann man in zwanzig Bänden auch auf Deutsch nachlesen, was für ein grandioser Autor der bei uns damals völlig unbekannte Ägypter war.

Antwort auf eine Umfrage, S. 34
 

Der Wahn, das Leben mit immer neuen Verordnungen zu reglementieren und selbst für Probleme, die gar nicht vorhanden sind, administrative oder legistische Lösungen zu finden, erschafft gezielt Konflikte, wo vorher keine waren.
Hier wird Deutsch gelacht.

Schulordnung uns Sprechverbot, S. 126f. 


Die Sprache war immer ein fließendes, kein stehendes Gewässer und hat sich mit dem Zuzug von Menschen anderer Muttersprachen, durch den Austausch mit anderen Welt- und Sprachregionen stetig verändert.

Wie wir sprechen. Ein Nachspiel, S. 145


Und doch hat das Lesen immer gerade auch das bedeutet: Dass sich der Einzelne lesend eine eigene Welt erschafft ...

Neunzig Sekunden Lektüre. Vom Lesen, S. 156



















































































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