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Elena Messner: Das lange Echo.

Leseprobe

Während ein Musil, das stimmt schon, sein Denken noch entwickeln konnte, war ein Hofmansthal mit seinem Prinz Eugen und seinem Denken umso starrer. Dass ich nicht lache, unser „von“, unser Hugo, ein Federführer. So groß wie dessen schwammiger Patriotismus, so klein auch seine Lust, für ihn zu sterben. Und deshalb: Nach seiner Einberufung sagt sich der unwillige Landsturmoffizier in Istrien, grad' wie ihn der liebe „Gruß ins Feld“ eines Hermann Bahr erreicht, noch bevor zu viel Zeit im Felde verstreicht, ja, da sagt sich der Patriot: Ohne mich, bitte!, und schon hat er bereits eine Stelle im Kriegsfürsorgeamt des Innenministeriums. Ist das nicht vorzeigbar: das mit großem persönlichen Einsatz verfolgte Entkommen von der Front? Ein Entkommen von der Front lässt sich kaufen, sofern man die richtigen Beziehungen hat, dafür muss man nur ein Versprechen abgeben, das Versprechen, hinfort jede Menge ungenießbarer Texte zu schreiben, in einer von einem giftfarbigen Belag überzogenen Sprache, Texte für einen Krieg, in den man nicht selbst ziehen mag, in den aber andre ziehen sollen.

Für diesen Fall empfehle ich auch eine Fanggrube, die da heißt: genaues und aufmerksames Lesen, das dem Detail dem Vorrang vor dem angeblich großen Ganzen und dem stets verzerrend Vereinfachten gibt. Denn wo dem Hohen Geist zuvor noch die Fähigkeit abhandengekommen war, über irgendetwas zusammenhängend zu denken oder zu sprechen, schien im plötzlich, anlässlich eines Krieges, anlässlich der drohenden Front, vor der nur das Privileg seines Standes und sein dem Reich und dem Kaiser ideell zugewandter Sprachkampf ihn bewahren konnten, ja, plötzlich schien ihm dieser früher vehement angezweifelte Zusammenhang zwischen Denken und Sprache ganz logisch. Ganz straff und streng war dieser Zusammenhang. In eine sehr klare Richtung, auf ein sehr klares Ziel hin blieben sie zusammengebunden, das Denken und das Sprechen. Das Ziel, das hieß die Vernichtung des Feindes.

Dies ist wohl nicht jene Krankheit eines Geistes, von der das Große Ich einst geschrieben hatte - nein, nicht diese Krankheit hat es gemeint, das Große Hirn, als es von seinem Verstummen und Zweifeln schrieb, sich distanzierte von einer bloßen Rhetorik, der vulgären, die den Frauen und dem Haus der Gemeinen vorbehalten blieb, die nie ins Innere der Dinge werden vordringen können, in das nämlich nur der edle Geist eines Hochbegabten vordringen kann. Freilich, wie dumm dieser edle Geist sein kann, das sieht man erst, wenn man hinschaut, und man sieht es auch bloß, wenn man hinschauen will, sonst kann man es gerne übersehen. So ein Inneres eines hochgeborenen Patrioten, das ist ein ziemlich grausliches Inneres, das sich hinter das Hohe Hirn, hinter die Hohe Stirn zurückgezogen hat, das mit dem Gemeinen draußen auf der Straße oder dort an der Front nichts gemein haben will und deshalb lieber zu Hause bleibt, wenn andre krepieren gehen müssen.

(S. 158 ff)

© 2014 edition Atelier, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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