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Bettina Messner: Senta bremst ein.

Erzählungen.
Graz: Edition Keiper, 2014.
228 Seiten, broschiert; Euro 18,70.
ISBN 978-3-902901-37-8.

Autorin

Leseprobe

Es gibt diese Autoren, bei denen man das Gefühl hat, sie würden einem ihre Geschichten persönlich erzählen. Im Gespräch. Ganz vertraulich. Man hört die Stimme des Gegenübers, studiert dessen Mimik und Gestik. Und da ist kein Um-Aufmerksamkeit-Heischen, nur eine einfache, entspannte Unterhaltung unter Freunden. Dass sich dieses Gefühl beim Leser einstellt, schaffen nur wenige. Bettina Messner ist eine von ihnen. Was sie mit ihrem ersten Erzählband „Senta bremst ein“ vorlegt, ist ein Geschichten-Kaleidoskop, das uns auf jeder Seite etwas überraschend Anderes präsentiert und alles, aber nur keine Langeweile aufkommen lässt.

Vielfarbig sind die Inhalte der einzelnen Erzählungen: Reisen und fremde Kulturen, Familiendramen, innere Unruhen, spontane Begebenheiten, Gedankenexperimente, Freundschaften und Liebesbeziehungen, Liebesbeziehungen und noch mehr Liebesbeziehungen. Da werden nackt Gänseblümchen gepflückt und Kleidungsstücke gebügelt, Mr. Spock kommt vor und Brokkoli, immer wieder Russland, verstorbene Eltern und das Schreiben und literarische Schaffen selbst. Das meiste spielt sich bei Messner im Inneren ab. Doch auch die Umwelt ihrer teils fiktiven, vermutlich aber eher sehr realen Personen weiß sie gekonnt zu beschreiben. Kunst – das Fachgebiet der Autorin – spielt in allen Geschichten eine große Rolle, ebenso wie die Musik. Immer wieder fließen Verweise und Zitate ein, Titel bekannter Ohrwürmer und Gemälde, was dem Ganzen erst noch den richtigen Anstrich und den passenden Soundtrack verleiht. Gleichzeitig lassen diese Kunstverweise, mit denen Messner unsere Vorstellungskraft stärkt, das Beschriebene selbst wie ein Kunstwerk erscheinen. Grundlegend ist dabei die Gabe der Autorin, das Kunstvolle, die Schönheit und Ästhetik im Gewöhnlichen zu erkennen.

Wen die Beatles so sehr begeistern wie das Entdecken und Einlassen auf Fremdes und Befremdliches, wer seine Kindheit gerne reflektiert, um besser verstehen zu können, wer schon die eine oder andere unerklärliche (und unglückliche) Beziehung hinter sich hat – der wird sich garantiert in vielen von Bettina Messners Schilderungen wiederfinden. Wertfrei, aber mit großer Anteilnahme wird über all dies und noch viel mehr geschrieben. Und indem die Autorin nicht hadert oder urteilt, fühlt man sich auch als Leser nicht mit einem vorgehaltenen Spiegel vor den Kopf gestoßen. Man lässt sich – nur manchmal zögerlich – auf die Selbstbespiegelungen ein. Das Ergebnis ist das eine oder andere Aha-Erlebnis und zustimmendes Nicken in Gedanken.

Nicht nur die Länge der insgesamt 36 Geschichten variiert stark, auch die Struktur. Manchmal muss sich der Lesende mit Textfetzen und Stakkato-Sätzen begnügen, dann wieder ufern die Beschreibungen aus, wieder ein andermal dürfen wir an einem lebhaften Dialog teilhaben, während beispielsweise in „Ich bin“ die Erzählung ausschließlich aus der nüchternen Aneinanderreihung von Substantiven besteht. Monotonie? Nicht in diesem Buch. Es kann mitunter dauern, bis man in diesen unberechenbaren Strom hineinfindet, aber dann trägt er einen solide bis zur letzten Seite. Nur manchmal stolpert man über Anglizismen, platte Phrasen in englischer Sprache oder Liedzitate, dann wirken die Erzählungen absatzweise etwas gar zu bemüht „anders“. Doch man 'errappelt' sich – und weiter geht’s!

Hat Bettina Messner in dieser Erstveröffentlichung ihre eigene Sprache bereits gefunden? Schwer zu sagen. Denn das Medium Sprache passt sich bei ihr flexibel den jeweiligen Erzählungen an. Was Messner definitiv hat, ist ein eigener Stil, der darauf beruht, der Wirklichkeit – auch der alltäglichsten – mit Tiefgang und Gefühl für Zwischentöne Ausdruck zu verleihen. Damit fasziniert sie den Leser und bringt ihn dazu, weiter und weiter zu lesen, selbst wenn das Geschriebene einmal ins Stocken gerät, wirr wird oder phrasenhaft. Denn schlussendlich fesseln die Emotionen, die Messner und ihr Alter Ego Senta bereitwillig mit uns teilen. Immer gewürzt mit einer guten Prise Melancholie, aber nie deprimierend oder langfristig schwermütig.

Das namensgebende letzte Kapitel, in dem auch geklärt wird, wer denn nun Senta ist, lässt uns das Buch hoffnungsvoll zuklappen. Senta sollte sich nicht einbremsen, sondern lieber nach diesem ersten Erzählband den nächsten Gang einlegen.

Stephanie Doms
10. Juni 2014

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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