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Franz Stadler (Hrsg.) Robert Neumann. Mit eigener Feder.

Aufsätze. Briefe. Nachlassmaterialien.
Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag, 2014.
928 Seiten; gebunden;
zahlreiche s/w-Abbildungen; Euro 49,90.
ISBN 978-3-7065-5081-9.

Robert Neumann wird wiederentdeckt. Nach dem Reprint der „Hochstaplernovelle“ und der Aufführung der (dramatisierten) Fassung der „Kinder von Wien“ bei den Wiener Festwochen 2013 liefern nun die von Franz Stadler edierten Materialien aus dem Nachlass einen Fundus, der überaus hilfreich zur Annäherung an einen Schriftsteller und politischen Intellektuellen ist, der wie kaum ein zweiter sein Werk mit autobiografischen Fiktionen tränkte - und damit erst doppelt interessant gemacht hat: als beständige Herausforderung die externen Referenzen literarischer Texte zu finden wie die Institution des Autors zu hinterfragen.

Basierend auf dem Nachlass Neumanns in der Österreichischen Nationalbibliothek versammelt der Band (oftmals) entlegene Essays, Reden und Konzepte für Radio-, und Filmsendung aus den Jahren 1927 – 1974 einerseits, Briefe und biografische Dokumente andrerseits, die das Geflecht von ästhetischer Form und politischem Engagement auf singuläre Weise hervortreten lassen; oder vielmehr: die Neumanns ständige Reflexion auf die Effekte einer Partei ergreifenden Literatur und deren Einhegung durch Witz und Ironie deutlich werden lassen.

Das breite Panorama, das zwischen literaturkritischen und –theoretischen Miszellen, politischen Statements und den in den Briefen zutage tretenden exemplarischen Prüfungen und Querelen insbesondere des Exils entfaltet wird, versperrt naturgemäß einer simplen genealogischen Lesart den Weg. (An vielen Stellen sind die umfangreichen Annotationen des Herausgebers allerdings eine äußerst hilfreiche Stütze.) Dennoch zeugen die Texte von der beeindruckenden Konsequenz, mit der sich Neumann (unter anderem als zentraler Organisator des österreichischen PEN-Klubs im Exil) den Versuchen widersetzte, ihn politisch im anhebenden „Kalten Krieg“ zu instrumentalisieren und, wie er selbst immer wieder betonte, ein (unabhängiger) Linker zu bleiben. Ebenso schlüssig wird seine Stellung zur jüdischen Identität, die ihn nicht nur als Beobachter und scharfen Kritiker der postnazistisch „gewendeten“ deutschen und österreichischen Öffentlichkeit zeigt, sondern auch als politischen Denker, der das zionistische Projekt nach dem Holocaust als historische Notwendigkeit begriff und kritisch-solidarisch begleitete. Mithin erweist sich Franz Stadlers Edition nicht nur als unerlässlich für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem eminenten Autor, sondern auch als zeithistorischer Quellenkorpus, dem seitens der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte künftig Beachtung geschenkt werden muss.

Siegfried Mattl, Juli 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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