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Walter Kappacher: Die Werkstatt

Leseprobe

Sah er eine Frau auf einem Motorroller fahren, mußte er daran denken, wie damals, als in seinem zweiten oder dritten Lehrjahr die ersten Puchroller auf dem Markt erschienen, erstmals auch Damenkundschaft in die Werkstatt kam, zuerst zum Service, zu den vorgeschriebenen Intervallen, oder wegen geringfügiger Reparaturen. Das war etwas völlig Neues, daß plötzlich Frauen in die Werkstatt kamen. Zuerst machte es den Mechanikern großes Vergnügen; jeder riß sich darum, den Roller einer Frau auf seinen Bock zu bekommen.
Nach einem Jahr war dieser Reiz verflogen. Die Werkstatt betraten diese Frauen meistens nur, wenn sie beim Bezahlen zum Magazinfenster vor mußten, sie fühlten sich drinnen nicht wohl, weil alle Gesellen und Lehrlinge sie anstarrten.
Friedl entwickelte sich zum Spezialisten bei den Damen. Er konnte mit ihnen am besten umgehen, er lockte ihnen das meiste Trinkgeld heraus. Er war eben ein Maulheld, und Frauen, so dachte Seeger, bevorzugen eher einen solchen als einen richtigen Mann wie Thaler oder Gunzenhauser.
Eine Zeitlang trank Friedl ziemlich viel, unter seiner Werkbank standen die leeren Bierflaschen, und manchmal, wenn Sunkler in die Werkstatt kam, mußte Friedl sich zusammenreißen, daß der Chef nichts merkte. Überhaupt kam mit den Rollern ein anderes Publikum in die Werkstatt. Büromenschen, die früher mit dem Rad gefahren waren, Vertreter, die sich ihre Hosen beim Motorradfahren nicht mehr beschmutzen wollten, Stenze, mit ihren Mädchen auf dem Sozius, und je mehr solche Leute bei der Werkstatt vorfuhren, desto geringer wurde die Zahl der echten Motorradfahrer, wie es sie Anfang der fünfziger Jahre noch gegeben hatte.

(S. 118-119)

© 2014 Deuticke Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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