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Daniel Glattauer: Die Wunderübung

Eine Komödie.
Wien: Deuticke, 2014.
112 Seiten, gebunden, Euro 13,30 (A).
ISBN 978-3-552-06239-9.

Autor

Leseprobe

„Problemtalk creates problems. Solutiontalk creates solutions.“ Aus ersterem lässt sich wunderbar eine Komödie schreiben, wie es Daniel Glattauer mit „Die Wunderübung“ gelungen ist. Es braucht dazu einen sanftmütigen, zugewandten und überaus optimistischen Paartherapeuten, dem es gelingt eine „geschulte Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz“ zu seinen Klientinnen und Klienten herzustellen. Er ist bei Glattauer dazu „prächtig gelaunt“ und „teilnahmefreudig“, was alleine schon der Spannung wegen eine starke Gegenposition verlangt. Daher überrascht es nicht, dass es sich bei der Klientin Joana um eine redefreudige, emotionale und expressive Frau handelt, der mit Valentin ein eher zurückhaltend, ja nüchtern wirkender und anfänglich wortkarger Ehemann zur Seite gestellt wird. Beide sind Anfang vierzig, die Kinder aus dem gröbsten heraus und die Beziehung ein wenig eingeschlafen. Sie wirft ihm vor keine Verantwortung zu übernehmen, er lädt mal gleich prophylaktisch die Schuld auf sich. Sie deutet das als mangelnde Bereitschaft und sieht das als Problem. Er sieht ihrer Ansicht nach das Problem nicht, was das eigentliche Problem für sie darstellt.
Ausreichend Zündstoff ist gegeben, um einen überaus humorvollen Schlagabtausch zwischen dem Ehepaar folgen zu lassen, dem es an den üblichen entwertenden Untergriffen nicht fehlt, dem aber die gut gesetzten Pointen sein Tempo und seine Verve geben.

Steve de Shazer, von dem das eingangs angeführte Zitat stammt, hat gemeinsam mit seiner Frau Insoo Kim Berg mit der lösungsorientierten Kurzzeittherapie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der beliebten systemischen Beratungsformen geleistet. Daniel Glattauer hat auch in Interviews nicht hinterm Berg gehalten, dass dieses Buch aus seinen Erfahrungen im Rahmen einer Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater entstanden ist. Der bekennende „Fremdmenschenmöger“ versteht sich, darf man den diversen Interviews mit ihm Glauben schenken, als guter Zuhörer und Beobachter. Die besten Voraussetzungen also, um ein guter Coach oder Therapeut zu werden. Von Vorteil ist es, wenn es sich bei dem Autor um einen der erfolgreichsten Schriftsteller Österreichs handelt, der mit seinem Roman „Gut gegen den Nordwind“, der ausschließlich aus Emails besteht, eine lang überfällige Antwort auf einen gewissen Zeitgeist gegeben hat – mit einschlagendem Erfolg. Form bestimmt in diesem Fall nicht den Inhalt, denn die Beziehung findet eine erfolgreiche Fortsetzung in „Alle sieben Wellen“, bei der sich wohl nicht wenige Leserinnen und Leser eine reale Begegnung zwischen Leo Leike und Emmi Rothner herbeigesehnt haben.

Die Systematik von Steve de Shazers lösungsfokussierter Kurzzeittherapie ist eine Systematik der Methode - nicht der Inhalte. Die Systematik dieser Therapieform ist auf der Ebene der Syntax, nicht aber auf der Ebene der Semantik zu verstehen: Wo die reichlich überstrapazierte weibliche Intuition an ihre Grenzen kommt, beginnt die so genannte und meist als männlich bezeichnete Logik einzusetzen und bietet Stoff für eine Komödie mit lustvollen und unterhaltsamen Momenten. Die bekannte „Wunderfrage“ von de Shazer ist wohl nicht zufällig im Titel des Bandes angedeutet, sondern findet sich auch im Text wieder.
Von der paradoxen Intervention bis zum Rollentausch spielt die Komödie jedenfalls alle „methodischen Stückerln“.

Mit Wundern hat es wohl weniger zu tun, dass das Stück 2015 Österreichpremiere am Theater in der Josefstadt haben wird. Wundern würde es auch nicht, wenn das Buch zu einer Standardempfehlung bei diversen systemischen Ausbildungen würde. Daniel Glattauer hat jedenfalls „den Dreh“* raus.

(*Steve de Shazer: Der Dreh: Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. Carl Auer Verlag).

Karin Berndl
7. August 2014

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

 

 

 

 

 

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