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Thomas Ballhausen: In dunklen Gegenden.

Erzählungen.
Wien: edition atelier, 2014.
104 S.; gebunden; Euro 14,95.
ISBN 978-3-902498-94-6.
E-Book: Euro 9,99.
ISBN 978-3-903005-62-4.

Autor

Leseprobe

 Natürlich erinnere mich mich an den letzten Sommer vor dem Ende des Kriegs mit den Eisenmännern.“ Mit diesem Satz beginnt „Sommerquartier“ die erste von zehn Erzählungen in Thomas Ballhausens neusestem Werk „In dunklen Gegenden“. Es ist, auf den ersten Blick, eine simple Geschichte über die Erlebnisse eines Jugendlichen, der zusammen mit seiner „Bande“ in einem lange zurückliegenden Sommer ein verlassenes Haus buchstäblich entdeckte und in Besitz nahm, eine Geschichte also vom „Übergang zwischen Kindheit und Jugend“, wie sie wohl fast jeder aus seiner eigenen Vergangenheit kennt, sei es nun, weil er selbst Teil davon war, sie aus den Mündern Gleichaltriger vernommen oder in Büchern gelesen hat – wären da nicht die Hinweise auf den Krieg mit den Eisenmännern.

Spielen die Auseinandersetzung mit dem als „Eisenmänner“ bezeichneten Feind in der ersten Erzählung noch eine untergeordnete Rolle, drängt sich der Krieg im Verlauf der weiteren Erzählungen immer mehr auf, zwar langsam, aber dafür stetig. Als Leser erfährt man kaum etwas über die Ursachen und genaueren Umstände des Konflikts, doch die wenigen Auskünfte, die man wie beiläufig erhält, ergeben ein zugegebenermaßen unvollständiges, aber doch deutliches Bild von der Welt, in der Ballhausens Geschichten spielen: eine bedrohte Welt, die in den letzten Zügen liegt und deren endgültiges Aus nur mehr eine Frage der Zeit zu sein scheint. Eine phantastische Welt, in der das Kombinat, beherrscht von den in einer Zitadelle hausenden Schwestern, einen Kampf gegen die Eisenmänner führt, in der Menschen Reisen in Transportkapseln unternehmen und in der Entfernungen in Klicks gemessen werden.

Ballhausen verzichtet ganz bewusst darauf, nähere Informationen, die Licht in die dunklen Gegenden seiner Erzählungen bringen könnten, zu geben, und streut allfällige Hinweise sehr subtil ein. Umso erstaunlicher ist es, wie greifbar die von ihm entworfene Realität wird, wie viel die wenigen Einschübe auszumachen vermögen, die sich meist darauf beschränken, wundersame Phänomene – wie etwa für den Krieg ausgebildete Bären oder intelligente Häuser, die von den Eisenmännern abgeworfen werden und die ursprünglichen Gebäude unter sich begraben – lediglich zu erwähnen, ohne weiter darauf einzugehen oder sie gar zu erklären.

Doch es geht nicht nur um diese gewissermaßen en passant konstruierte phantastische Welt, sondern um die in ihr lebenden Menschen. Ballhausens Erzählungen, alle um die zehn Seiten umfassend, sind Miniaturen, nicht viel mehr als kurze Ausschnitte und Momentaufnahmen aus dem Leben einiger Protagonisten, die vor dem Hintergrund des Krieges weniger aus Überzeugung als vielmehr, um sich „der Verschlimmerung der Zustände zu versichern“, ihrer angestammten Arbeit als Kartographen, Historiographen oder Stenographen auf der einen bzw. als Soldaten und Agenten auf der anderen Seite nachgehen. Sie haben nichts miteinander zu tun, doch sind sie durch den in ihrer Welt herrschenden Krieg mit den Eisenmännern, der sowohl übergeordneten Rahmen als auch gemeinsamen Bezugspunkt darstellt, miteinander verbunden.

Zwar werden die Texte in „Die dunklen Gegenden“ (richtigerweise) als Erzählungen und nicht als Gedichte ausgewiesen, doch schadet es vielleich nicht, sie wie Letztere zu lesen, d.h. aufmerksam, bedächtig und jedes Wort wie ein Bonbon im Mund hin und her drehend. Zum einen bietet sich das nicht nur ob der Länge und Inhalte, sondern insbesondere aufgrund der sprachlichen Qualität der Texte an, die, wie immer bei Ballhausen auf hohem Niveau und über jeden Zweifel erhaben ist. Zum anderen lässt sich wohl nur dadurch wirklich garantieren, dass man die Erzählungen genau liest, die darin enthaltenen wunderschönen Sätze entdeckt und sich so wahlweise darüber wundern oder freuen kann, wie viel eigentlich in diesem schmalen Büchlein (ver)steckt (ist).

Simon Leitner
29. September 2014

 

 

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