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Anne Marie Pircher: Zu den Linien

Leseprobe

„Kurz vor der nächsten großen Brücke halte ich inne. Hier gibt es abseits einen Platz, für den ich den Fluss oft gerne eine Zeitlang verlasse. Es ist der Platz des Stillstands. Hier wird nichts erzählt. Hier gibt es kein Fließen. Hier tauchen meine Gedanken unter in einen kleinen, tiefen Teich. Eine Bank fängt mich auf. Bäume ragen still in den Himmel. Ich höre, wie der Fluss mir entgleitet. Wie sein Wasser und seine Geschichten sich davonmachen. Ich bin nicht müde. Aber ich muss mich sammeln. Die vielen Worte müssen geordnet werden. Ein paar Menschen sitzen oder stehen in der Landschaft. Ein Hund badet im Teich und schüttelt sich danach, dass es nach allen Seiten spritzt. Vier Enten schwimmen nebeneinander, als wären sie eine Familie. Ich will Frühling. Das Wasser trägt zur Hälfte noch eine dünne, zerbrechliche Eisschicht. Hier bin ich keine Erzählerin und auch keine Zuhörerin, sondern nur Beobachterin. Die Farbe des Wassers ist hier eine andere als die des Flusses. Dunkler, grüner, tiefer. Aber die Sonne legt auf die Oberfläche ein Glitzern, das mir in den Augen sticht. Hier kann ich sie nun endlich schließen und die Worte des Flusses hallen in mir nach. Wie aus einer weiten Ferne. Atem. Freiheit. Vielfalt. Aber auch Monotonie, Langeweile. Und das Wort Heimat. Der Fluss hat mir von Heimat erhält. Eine Frage ist in mir. Immer, wenn ich an diesen Ort, komme, kommen auch die Fragen. Der Fluss sollte mir antworten, aber er ist nur Erzähler. Die Frage muss ich mir selbst stellen. Die Frage nach der Landschaft. Nach einem Ort. Einem festen Platz.“

S. 139

© 2014 edition laurin, Innsbruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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