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Friederike Mayröcker: cahier.

Leseprobe

Seite 106/107:

(…) was nicht aus dem Feuerschlund kommt, ist nichts wert, nicht wahr, es war das Blut der Erdbeeren das meine Zähne färbte, ach in ländlichen Gefilden schwelgend Augarten vielleicht : gar nichts tun wollen den ganzen Tag nichts tun wollen nur im Gras liegen, an deiner Seite. Dieses Hinstreifen dieses mein Hinstreifen = Hasardieren (schwindet das Firmament? läuten die Glockenblumen? gehen die Berge auf Reisen?), einmal spuckte ich einer Dame im Kaffeehaus-Gärtchen vor die Füsze : ich hatte es nicht beabsichtigt aber es unterlief mir, ich schämte mich, nun ja es war 1 Unfall, 1 Gebein usw. Bin durchgeknallt „1 Vermeer!“ wir beweinen den anderen in uns …….. sehr inniges Wahrnehmungsnetz, untermischt mit Hologrammen der Erinnerung, wahnwitzigen Sprach-Partikelchen, Tränenströmen. Empathie für verblühte Margerite wie sie mit herabhängendem Köpfchen, ihr allerletztes Blütenblatt, festhält : „er liebt mich er liebt mich nicht“ usw.“

Seite 125:

Ich dachte in meiner Seele ich sei aufgewacht, der Kuckuck habe gerufen. Bin schon seit Ewigkeiten stocktaub, so Mutter eines Morgens als sie erwachte …….. Spezialstift schreibt aufwärts, wenn ich liege z.B. ich möchte meine Sprache herbeifluten oder heranfluten, unter dem Küchenkasten eine wohlgeformte rote Herzkirsche ich meine Stengel und Blut, daneben 1 Stück Zucker IN DER PROVINZ usw., finde 2 Blättchen blutroter Bougainvilles vom vergangenen Sommer (mein Herzblut gab ich dir zu trinken …….. „le kitsch“ usw.) damals der knospende Kastanienwald, Otto Sander gestorben.

Seite 143:

„an der Wand der Schatten meiner lieben Mutter, die Stenographie im cahier. Die Ekstase der Holunderblüten, so, Sittiche schade in die Täler wie / hurtig. Damals und als ich türenschlagend weglief, weinend nachdem wir uns gezankt hatten, aber zurückkam nach paar Stunden immer noch in Tränen, türpochend, er mich in den Arm nahm und küszte …….. als süszen Ablasz zu den rosa Wolken gebetet, ach des Ästchens liebliches Singen.Die Astern im Garten, köpfchenwehend (zu Allerseelen) Wolldecke roch nach kranker Katze, weiszt du, Südwestfenster mit weiszen Tüchern verhängt, Sonne zu bannen, durch den jüdischen Friedhof wie Urwald als wir Schritt fuhren : 1 Geschweirr grauer Vögel die wölfischer Schreie …….. Schleppe der Donnerblümchen damals ich Rohrmoos wo die Elfen (…)

Seite 147:

wache auf mit „Gänsefüszchen“, auf der Zunge, das Herumgehen in einem Park, wie ich loderte. Der gesuchte Gegenstand liegt vor meinem Auge aber ich sehe ihn nicht. Heute etwas Übelkeit, Tagmond. Bläszliches Gemüt, ach der Frühling mit seinen verschlüsselten Fusznoten : Schlüsselblumen und Veilchen ……… weil doch die lieblichen Leberblümchen unter den Gartenstühlen eigentlich wimmelten usw. Nun ja im Therapiezimmer so grün von Bäumchen = Bächlein und bis an die Zimmerdecke, nicht wahr, fürstlich nämlich die Exkremente gläsern glänzend wollen wir ins „kl.Café“ (Franziskanerplatz). Ich war so lebenstreu, in diesem Brombeer-Hag vermutlich Schlangen-Revier. So Mama …….. in einem nu ist der Mond grosze Träne. Bin exzessiv am Komponieren von weihnachten bis Ostern war ich krank da tollte der Text in’s Phreie = Andreas Okopenko, o Lamm des Herzens. Bin Krempel Waldfetzchen (Ballerina) trage sneakers, wenn ich vor den untersinkenden Sonne stehend, mir schwebt was vor,“

© 2014 Suhrkamp Verlag, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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