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Marlene Streeruwitz als Nelia Fehn: Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland.

Leseprobe

Aus der Richtung des Parks kam eine neue Welle von Demonstranten. In der Dunkelheit sah das bedrohlich aus. Das Geschrei vorne wurde lauter, und die herankommende Gruppe begann schneller zu gehen. Beim Näherkommen sah ich, dass die jungen Männer sich beieinander untergehakt hatten. Sie trugen Holzstangen mit roten Fahnen. Sie gingen im Gleichschritt. Eine Sirtaki-Reihe, dachte ich. So fassten Griechen einander unter die Arme und um die Taille und tanzten miteinander. Die Sirtaki-Reihe füllte die ganze Breite der Straße aus, und dann hörte ich ihre Schuhe. Es waren Arbeiterschuhe mit Metallverstärkung vorne, und ich lief auf diese Reihe zu. Ich aktivierte wieder das Bild von Marios und wollte es diesen Männern zeigen. Marios hatte solche Schuhe erwähnt. Ich hatte damals gemeint, dass man friedlich demonstrieren müsse. Marios hatte nur erwidert, dass ich nichts wissen könne, und es war nicht wichtig gewesen. Mittlerweile hatte ich ja die Schienbeinschienen der Polizisten gesehen und die Knüppel und die Schilde. Und da, auf der Straße, war es vollkommen unlogisch, warum es nicht die Politiker selbst waren, die sich da hinstellten und die Tränengasgranaten zündeten und damit nur das weiterführten, was sie mit ihren Gesetzen machten, nämlich Unglück herstellen und verletzen. Das Indirekte an dieser Polizeipräsenz war greifbar widerlich.

[…]

Diese Polizisten waren in blauen Uniformen. Sie waren genauso ausgepolstert wie die grünen Polizisten, aber die blauen hatten auch noch Gasmasken an. Ich stand einem Heer von Gasmaskenfiguren gegenüber, das weit in die engen Gassen am Ende der breiten Straße reichte. Hebekanzeln schwenkten in unsere Richtung, und ich erwartete eine weitere Tränengasattacke. Aber da begann der Sturm der Polizei. Sie stürzten auf die Seite der Demonstranten herein und schlugen auf die ersten Reihen los. Ich konnte die roten Fahnen gerade noch eine Seitengasse hinauf nach links davonflattern sehen. Weil ich den roten Fahnen nachgeschaut hatte, stand ich nur blöd da und bekam einen Hieb gegen meine rechte Schulter. Ich wollte noch protestieren und sagen, dass ich doch nichts getan hätte, da lag ich schon auf dem Boden. Mein Kopf wurde gegen den Asphalt verdreht und gedrückt. Ich bekam Tritte in die Seite, und irgendjemand stolperte über mich und fiel auf mich. Meine Arme wurden verdreht. Ich wurde an den Haaren hochgerissen und weggeschleppt und in einen offenen Lieferwagen gestoßen. Weil meine Hände hinten gefesselt waren, konnte ich mich nicht auffangen. Ich wurde gegen die anderen Festgenommenen in diesem Transporter gestoßen, und weil alle ihre Hände hinten gefesselt hatten, konnte niemand vom Boden aufstehen. Ich robbte mich in eine Ecke. Ich erstickte fast unter denen, die hinter mir in den Wagen geworfen wurden. Dann hörte ich, dass ich schrie, und das beruhigte mich.

(S. 154f und 156f)

© 2014 S. Fischer Verlag Frankfurt am Main

 

 

 

 

 

 

 

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