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Andrea Stift: Auf Watte.

Leseprobe:

Ich spreche mit Cornel über Trauer, und unerwartet wird es ein Gespräch über Tod und Leben. Wir haben nie so ernst gesprochen. Es ist ganz dunkel plötzlich, ich wünschte mir, ich hätte niemals davon begonnen, es friert mich, und ich weiß nicht, wie ich jemals wieder aufstehen können soll und weggehen. In mein Zimmer. Und gute Nacht.

Cornel erzählt mir von seinem Vater, dem Künstler, dem Musiker, dem niederdrückenden, unbändigen Stolz, und ich sage Ja und nicke. Cornel erzählt mir von seiner Mutter, dieser zärtlichen Frau, deren Liebe er nie verdient zu haben geglaubt habe. Dass sie ihm einmal das Leben gerettet habe, so richtig, das Leben gerettet. Wie, wage ich zu fragen, und er schüttelt bloß den Kopf, das ist zu schwer, antwortet er. Als meine Mutter starb, habe ich zu trinken begonnen, sagt Cornel, und mir fällt auf, dass wir nie darüber gesprochen haben, wieso ich eigentlich hier bin. Es könnte sein, dass meine Mutter es ihm erzählt hat, es könnte sein, dass Cornel sich selbst etwas zusammengereimt hat. In diesem Moment liebe ich ihn aus dem starken Gefühl der Zusammengehörigkeit heraus. Es ist der Schmerz, der uns umbringt. Es ist die Pein, die uns einander umbringen lässt. Wir reden nicht mehr weiter an diesem Abend. Alles, was ich mir bestätigen lassen könnte, ist plötzlich ganz unwichtig. So leer. Ich gehe schlafen und fühle mich nicht mehr zu Hause. Ich fühle mich nicht mehr zu Hause in mir. Aber wann habe ich denn das jemals.

(S. 126)

© 2014 Leykam Verlag, Graz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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