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Gerhard Jaschke: Kurumba oder Die nicht geschriebenen Sätze.


Leseprobe:

Wie soll ich nach Kurumba kommen, finde ich es nicht einmal auf dem Atlas, sagst du. Dass du Kurumba geerbt hättest, war wohl bloß ein Traum. Wer sollte dir auch diese Insel testamentarisch vermacht haben? Wer denn? Eine kleine maledivische Insel, über die du erstmals im Zusammenhang mit dem Tod eines deutschen Künstlers erfuhrst, die dir erst durch den zum Popstar verkulteten Blinky Palermo bekannt wurde und die dir fortan als eine real existierende Utopie im Geiste vorkam. Kurumba! Hatte auch nichts gemein mit dem Kuba-Rum, wie es dir anagrammatisch leicht lösbar erschien. Als wäre alles so leicht. Eine Buchstabenumstellung – und das Rätsel ist gelöst. Nichts da. Kurumba bleibt ein nicht zu lösendes Rätsel, da kannst du noch so viele Suchprogramme im weltweiten Netz aufsuchen, in zig Büchern nach der Insel mit sieben Buchstaben namens Kurumba blättern, jedes noch so winzige Detail studieren, alles, einfach alles, das dir in die Hände kommt und im entferntesten mit Kurumba zu tun hat, in dich aufsaugen ...

(S. 204)

Wir umkreisen die Insel im Geist mit unseren Augen, schlagen den Schatten an die Wand, den Umriss von Kurumba. Ähnelt doch sehr der grauen Scheibe Palermos, der Wandarbeit, die er 1966 entwarf und vier Jahre darauf, 1970, als Siebdruck als einen von vier Prototypen nebst schwarzem Quadrat, blauem und grünem Dreieck, in einer Auflage von jeweils 90 Stück im Format 60x60 cm umsetzte. Dzt. noch zu haben um 6000 Euro, nur habe ich diese nicht, wie morgen 60.000 oder später 600.000 ... nicht.

(S. 208)


© 2014 Sonderzahl, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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