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Georg Petz: Millefleurs.

Erzählungen.
Graz: Leykam, 2014.
172 Seiten; geb.; Euro 19,50.
ISBN 978 3701 179220.

Autor

Leseprobe

Millefleurs. Mit einer Kurzgeschichte mit diesem Titel wurde Georg Petz im Frühjahr 2014 zum Ingeborg-Bachmann-Preis nach Kärnten eingeladen. Angekündigt wurde daraufhin eine Kurzgeschichtensammlung, die diesen Text gemeinsam mit anderen in einen Reigen einbindet. 170 Seiten lang ist der Band nun geworden, 21 Geschichten, die thematisch stark voneinander abweichen: Mal geht es um die Verarbeitung einer Trennung, mal um das Verlangen eines gebundenen Mannes nach einer unbekannten Schönen, mal um die Rückkehr nach Jahren in das Heimatdorf, in die Jugend. Petz, Jahrgang 1977, kreiert mit seiner poetischen Sprache in jeder Geschichte neue (Lebens-)Welten, aus denen seine Protagonisten ausbrechen wollen oder in die sie zu fliehen versuchen. Leser können in diese oft auf wenigen Seiten beschriebenen Sphären eintauchen: Man fühlt sich dabei, als würde man durch ein Kaleidoskop blicken. Von Geschichte zu Geschichte ändern sich die Dimensionen, die Parameter. Petz passt in jedem Text seinen Ton aufs Neue an.

Freilich wird sich nicht jeder Leser / jede Leserin in jeder Welt gleichermaßen wohlfühlen. Gleich die erste Geschichte handelt von der Adoleszenz, einer bekanntlich schwierigen Phase, und von der Cyberwelt. Wer zu weit von Avatar-Namen, Scores und geheimen Levels entfernt ist, mag damit vielleicht Schwierigkeiten haben. Dann muss man den Text abermals lesen, um zwischen den Zeilen die Orientierungslosigkeit und die Begierde der Protagonisten zu spüren.
Wie in jedem Kurzgeschichtenband haben nicht alle Texte die selbe Sogkraft. Millefleurs, jene Liebesgeschichte, mit der Petz für den Literaturpreis in Klagenfurt nominiert war, ist eine der zugänglichsten. Es ist der Versuch, eine moderne Studentenliebe in einen historischen Hintergrund zu betten: Der Protagonist reist in die Heimat seiner französischen Freundin. Sie kommt aus der Normandie, ihr Heimatort ist unweit der Küste, an der die Alliierten im Juni 1944 landeten.

Petz nähert sich den Themen Liebe und Tod mit einer ornamentalen Sprache an, die manches Mal den Inhalt in den Hintergrund drängt – und auch Längen erzeugt. Dafür aber schafft er es, mit seiner lyrischen Sprache ganz alltägliche Situationen zu etwas Besonderem zu machen. Dies gelingt, indem er die Sinne der Leser schärft und ihren Blick auf die Kleinigkeiten lenkt, etwa auf die zwei Wartehäuschen, die einander stumm betrachten oder auf die Tümpel, die im Sommer ihre grünen Augen bis zum Himmel aufreißen. Gepaart mit mythologischen Referenzen verleiht Petz' Stil den Texten fabelhafte Züge. Seine Figuren sind feinfühlige Kreaturen, manche von ihnen könnten Fantasiegeschichten oder Märchen entnommen sein: So zum Beispiel die Flügelfrau aus der Umkleidekabine in der Geschichte „Daedalus“, die einer verführerischen Fee gleicht.
Gemein ist den Protagonisten, dass sei eine Sehnsucht haben, aus ihrem Leben auszubrechen. Sie scheinen die Last des Alltags ablegen zu wollen und haben ein Verlangen nach dem Verbotenen. Um diese Sehnsüchte zu untermauern, spielt Petz mit den Elementen: Es gibt das Wasser, in dem wir unterzugehen drohen. Und das Eis, das symbolisch für die Kälte in uns selbst, in unserer Umwelt, steht.
Das soziale Miteinander sowie das Überwinden von kulturellen Grenzen zählen ebenso zu Petz‘ Themen: Immer wieder stellt er die Welt, fremde Länder, seiner österreichischen (besser: steirischen) Heimat gegenüber. Dabei webt er auch die englische und französische Sprache mit ein – und gibt seinen Texten weitere feine Nuancen.

Emily Walton
11. Dezember 2014

Originalbeitrag.

Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

 

 

 

 

 


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