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Lisa Spalt: Ameisendelirium.

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Rezension

4

Biete, biete einen Anblick glücklicher Spannung – ein Bild eines die Liebe aller achtlos an ihm Vorübereilender auf sich ziehenden afrikanischen Jungen mit fremden Blumen in den Händen, welcher – von der Werbefläche der Stadt herunterlachend – um nichts als um etwas Zuckerwatte bittet, die – wie auch die Zuneigung seiner Eltern – das Kind selbstverständlich – und so ist dieses, wird uns versichert, noch völlig unverdorben – niemals in seinem Leben gekostet, sodass es deine Gaben, seien sie – wie das neugierig tastende Streicheln deiner Hand über sein Köpfchen – auch noch so flüchtig, aufs Äußerste schätzen wird können.

Dieses Kind wird zum Dank zum pastellfarbenen Objekt seiner Begierde den für die Fotografin interessanten, im Umfeld der dritten Welt, als welche palmenbestandene Insel in deiner Heimat du diesen Treffpunkt von Arbeitslosen hier, in dem die in ihrer weißen Tunika flatternde Stellenvermittlerin die Orakelsprüche der Inserate verkündet, aufgrund eines paradoxen Personalmangels aber auch die Rolle des Schicksals spielt, bezeichnest, fast schon obszön glamourös anmutenden farblichen Kontrast erzeugen. Es wird dir, da du ihm gerade aufgrund der derzeitigen Ebbe in deinem Geldbeutel das von ihm ersehnte, süße Glück unbedingt gewähren möchtest, das im Übrigen, während seine Gesundheit bisher durch Entbehrungen, die es beinahe getötet, gefördert worden, einen Anschlag auf sein Wohlergehen darstellt, sodass du nach langer Zeit wieder einmal das Gefühl haben darfst, etwas wirklich sinnvolles getan zu haben, auch noch persönlichen Gewinn verschaffen können, der zumindest in einem gut dotierten Kunstpreis bestehen sollte, nicht?
Oh, du lehnst dich vor, klemmst die Hände, Sinnbilder deiner dir hier verbotenen Handlungsmacht, zwischen die Oberschenkel, den möglichen Schauplatz frohen Empfanges, welch letzteres du karrierebewusst, da du ja arbeits-, wenn auch nicht beschäftigungslos bist, medikamentös sublimierst, bezeichnend. Du wartest, obschon du an die Realisierung dieses Traums, auf dass er in Erfüllung gehe, nicht mehr glaubst, sehnsüchtig darauf, von diesem Konzern, der als ein einzelner Mann auftritt, welcher auf dem Papier der Ausschreibung durch sein einschmeichelnd lächelndes Köpfchen, das dich abstößt, repräsentiert ist, auserwählt zu werden. Was für eine Trophäe...

Ja, entschlossen und dein Ziel, das du dir nicht vorstellen kannst, wie du es gelernt hast, visualisierend, gedenkst du, im Augenblick der Erfüllung deiner Sehnsüchte, da du, so hoffst du, vor lauter Überraschung nicht mehr an dich halten wirst können, durchaus wie von einer Kugel tödlich getroffen, nämlich letztgültig triumphierend von deinem Sessel, der die Scheiße, in der du bisher gesessen, symbolisiert, aufzuspringen und diesen Ausdruck innerer Bewegung, die das Mindeste ist, was du der Gesellschaft, die deiner nicht bedarf, wie sie dir oft genug über vorwurfsvoll unter die Nase gehaltene Gegenstände und mysteriöse, im Vorbeigehen an die Wand genuschelte Worte ausgedrückt, schuldest, dann noch zu unterstreichen mit einem – das Erfolgsrezept, als das sich dein Leben durch einen Zufall, der vielleicht – aber das wirst du nie erfahren – auf Umwegen deiner Berechnung entsprungen, herausgestellt hat, unter die Menschen werfenden – Hochreißen deiner Arme, was, weil es dein Entsetzen darüber übertüncht, von nun an in dieser von dir, da es keine Alternative gegeben, selbst gewählten Inszenierung gefangen zu sein, die barsche Stellenvermittlerin in ein glücklich lachendes Mädchen, das zu dir wie zur großen Schwester, deren süße Geheimnisse es bis zu deinem letztgültigen Scheitern nur ahnen darf, aufsieht, verwandelt, indes du in Trance fällst, um dich an diesem dramaturgischen Höhepunkt in die Arme deines – von dir ja bloß imaginierten – Publikums zu werfen, das dich, wenn du nun, als kämest du zu dir, auf dem Boden aufschlägst, wie eine Mutter, die mit dem Nudelholz den unbedingten Gehorsam einfordert, empfängt.

(S. 10ff)
© 2015 Czernin Verlag, Wien.

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