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Pascal Optional: Das Goldfisch-Komplott


Leseprobe:

Amor

Wenn die Liebe einfach wär', würd' Amor keine Pfeile brauchen. Im Übrigen leitet sich sein Name ja auch nicht vom lateinischen Wort für ebendiese ab, wie man aufgrund der identen Schreibweise vorschnell urteilen könnte, sondern von »armare«, was so viel bedeutet wie sich zu bewaffnen.
Wenn ich mir versuche vorzustellen, wie Amor aussieht, habe ich immer Terence Hill vor Augen, es gibt halt auch nicht so viele blonde Italiener. Ich könnte noch Francesco Totti sagen und würde damit wohl auch nicht einmal falschliegen, weil blonde Italiener für gewöhnlich ohnehin alle gleich aussehen, wie Engel eben. Darüber hinaus waren beide dafür bekannt, ins Schwarze zu treffen, Terence Hill in seinen Lucky-Luke-Filmen genauso wie Francesco Totti auf dem Fußballplatz. Selbiges trifft auf Amor leider nicht zu.
Der schießt oft daneben, dann tut einem der Bauch weg oder der Kopf und man braucht einige Zeit, um die tatsächliche Schmerzquelle ausfindig zu machen, die nämlich genau dazwischen liegt. Aber seien wir ehrlich, wie soll man bei einem Bogen auch g'scheit durchziehen mit so kurzen Armen?
Ich habe mich oft gefragt, warum es eigentlich dieses fliegende Kleinkind braucht, um Liebende zueinanderfinden zu lassen. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass Amor selbst die Frucht vollkommener Liebe symbolisieren soll, die Idealvorstellung eines Babys, mit goldenen Locken, blauen Augen, roten Backen, Penis, … und Flügeln.
Die alten Römer waren wohl mit Abstand das kitschigste Patriarchat, das diese Welt jemals hervorgebracht hat.
Heute würde Amor wohl ganz anders aussehen, nicht zuletzt weil die Kinderarbeit Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa eingestellt wurde. Er wäre weder blond noch blauäugig, weil dieses Ideal idealerweise nicht mehr als Ideal ausgegeben werden sollte, und voraussichtlich geschlechtslos, um niemanden zu nahe zu treten.
Oder – was mir am allerwahrscheinlichsten scheint – er wäre ein Katzenbaby, ein haariges Konzentrat aus Liebe, Unschuld und Glückseligkeit und damit befreit von jeglicher Political Correctness und Genderisierung. Nicht mit Pfeilen und Bogen bewaffnet, sondern mit Erdbeer-Eiscreme und einem Portionierer.
Die Flügel könnten bleiben. […]

© 2015 Sisyphus Verlag, Klagenfurt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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