logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Gundi Feyrer: Auswendige Tage.

Grazer Tagebuch.
Graz, Wien: Droschl, 1997.
276 S., geb.; öS 300.-.
ISBN 3-85420-446-9.

Link zur Leseprobe

Die deutsche Schriftstellerin und Filmemacherin Gundi Feyrer hat das Jahr 1995 als "Stadtschreiber" in Graz verbracht. Während dieser Zeit wird sie gemeinsam mit Franzobel vom Juror Ferdinand Schmatz zum Ingeborg Bachmann-Wettbewerb eingeladen, soll auch, mit dem "Steirerflieger" (S. 236), am Österreich-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse teilnehmen. Die vorübergehende Integration in den österreichischen Literaturbetrieb verläuft jedoch alles andere als reibungslos, findet im Grunde bis zuletzt nicht statt.

Nach einem Aufenthalt in Paris erscheint Graz für Feyrer weniger als 'Süden', denn als 'Osten', und so begegnet sie der Stadt mit gebrochener Ironie. Der Name hat zunächst, im positiven Sinn, "etwas 'Undeutsches' und auch fast 'Unösterreichisches', etwas 'Exotisches' fast" (S. 185) für den geladenen Gast. Doch bald scheint es, als könnten weder die Stadt noch deren Einwohner mit Feyrers fordernder, aggressiver, geladener Lebensform mithalten.

Von Januar bis Dezember füllt sie das Tagebuch ihrer Anwesenheit in Graz, dem "Kaff" (S. 55), konsequent beginnend und endend mit der Taxifahrt vom bzw. zum Bahnhof. Über den Umweg von Lesungen, Verabredungen, Projekten entsteht en passant ein "Who is who" der österreichischen Literaturszene(n) und ihrer Zentren Graz, Wien und - für die Zeit des Bachmann-Wettbewerbes - Klagenfurt.

Ungeniert informiert Feyrer über "authentische" Tagesabläufe inklusive Speiseplan, Bankomatabhebungen und Gängen zu Postamt oder "Gebietskrankenkasse!" (S. 256), über ihre Streifzüge durch Bars und Kaufhäuser. Gelegentlich erinnern ihre Eintragungen an die lapidaren, nicht stilisierten Vermerke über Besuche, Besorgungen, Ausgaben, Korrespondenzen der Marie von Ebner-Eschenbach in ihren Merkbüchern, die jedoch ursprünglich rein privater Natur waren.

Diese Zurschaustellung des Privaten im Kontext mit souveränem Publizitäts-Gestus und einer Reihe von Selbstinszenierungen, in denen beide Bereiche ineinander übergehen, wie dies auch der Buchtitel "Auswendige Tage" suggeriert, verleiht Gundi Feyrers Notaten besonderen Reiz. "Ich bin ein Plappermaul und liebe es, zu plappern und nicht jedes Wort umzudrehen. Plappern, so, als würde man fliegen, schweben und ab und an bei einem Thema landen und dann wieder weiter." (S. 185) behauptet Feyrer von sich. Andererseits jedoch bestechen ihre protokollarischen Notizen durch intensive Sprachreflexion, die immer wieder in poetologischen Passagen durchbricht. "Die Sprache beißt sich in den eigenen Schwanz und dieses Beißen leuchtet mir in den Mund, sodaß ich schreien muß." (S. 69).

Im "JULI" (S. 160), Mitte des Jahres und des Buches, findet sich ein "Brief über Graz", Auftragstext eines deutschen Lektors, in drei Anläufen, Fassungen, unvermittelt abbrechenden Entwürfen. Neben ihrem ganzen Unbehagen meint Feyrer, "daß ich eigentlich nicht 'für' Deutsche auf Grazer schimpfen möchte." (S. 185). Und etwas ratlos, leise läßt die Künstlerin, der das Temperament zuweilen so emphatisch durchgeht, daß sie drei Frage- oder vier Rufzeichen hinter ihre Bemerkungen knallt, stehen: "Ja, Graz." (S. 184). - Man darf gespannt sein auf die nächsten Tagebücher aus Madrid.

Petra Nachbaur
15. November 1997

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Super LeseClub mit Diana Köhle & Didi Sommer

Mo, 24.09.2018, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Wir treffen uns...

Küche der Erinnerung – Essen & Exil

Mi, 26.09.2018, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation mit Lesung &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...