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Ilse Kilic, Fritz Widhalm: Und wieder vergisst der Tag dann die Nacht. Des Verwicklungsromans neunter Teil.

Leseprobe

589) wiederholungen, kichert die jana, wiederholungen sind die würze des alltags und zuglich sein geländer. ich weiß gar nicht mehr, wie oft zum beispiel ich schon einen sonnenuntergang bewundert habe, wie oft ich ein stück schokolade auf der zunge zergehen ließ, wie oft ich morgens in das mich anlächelnde gesicht der herzallerliebsten und bewunderungswertesten aller nazen geblickt habe. diese drei genannten tätigkeiten würde die jana gerne auch noch viele male wiederholen.
natürlich gab es auch unerquickliche wiederholungen, sich wiederholende missgeschicke oder sich wiederholende erkrankungen, ja, auch das letztere. huch, sagt die jana, das wäre nun wirklich nicht notwendig gewesen. im falle einer krankheit ist wiederholung natürlich unerwünscht, wenngleich statistisch möglich. es gibt einige erkrankungen, die sich im leben eines menschen nicht wiederholen, sinniert die jana, und die gründe hierfür sind sehr unterschiedlich, nun ja, lassen wir das, lassen wir das.
es genügt, festzuhalten, dass wiederholungen einen großen teil des lebens und der kunst ausmachen. übrigens ist es, selbst wenn man es anstebt, kaum möglich, sich nicht zu wiederholen. die jana nennt heute eine etwas lockere assoziationskette ihr eigen, will sagen, ihr fällt flugs das buch von flann o brien ein, in dem durch wiederholte reibung des menschlichen popsches auf dem fahrradsattel sich ein austausch von molekülen vollzieht, durch den das fahrrad teilweise zum menschen, der mensch aber teilweise zum fahrrad wird. ja, durch wiederholte annäherung können bestandteile einer wesenheit den besitzer, die besitzerin wechseln, das muss nicht immer ein fahrrad oder ein mensch sein, wenngleich sich an der theke eines wirtshauses lehnende und beispielsweise über literatur diskutierende fahrräder wirklich hübsch machen würden, wie sich fahrräder eigentlich überall hübsch machen und ihre freundliche anwesenheit oft geeignet ist, ein lächeln auf die gesichter der ihnen begegnenden menschen zu zaubern. Oft, sagt die jana, oft, aber nicht immer.
Klingeling, das buch von flann o’brien heißt übrigens der dritte polizist.

© 2015 edition ch, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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