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Andrea Grill: Das Paradies des Doktor Caspari.

 

Leseprobe

Menschen interessieren mich nicht, hatte er zur Interviewerin gesagt und ihren Schrecken genossen. Sie erschrak, dass jemand, ein Co-Mensch, so etwas sagte. Co-Mensch, hatte er sich damals gern scherzend genannt, ein Co-Mensch wie Sie, als wäre das Menschsein eine Firma, in der man angestellt war, ob man wollte oder nicht, von Geburt an, inmitten der Kollegenschaft, in den Pausen saß man unweigerlich zusammen; und dann entdeckte man völlig andere Verwandtschaften mit Nicht-Co-Wesen.
Man weiß doch schon alles über den Menschen, hatte er zur Interviewerin gesagt und den Schrecken in ihren Augen genossen. Sie hatte gesagt, aber das menschliche Gehirn! Ganze Industrien sind damit beschäftigt, hatte er entgegnet, scharf entgegnet – wäre sie klug gewesen, die Interviewerin, hätte sie ihm entgegengeworfen, dass dasselbe doch mittlerweile für jeden Zweig der Naturwissenschaft gelte, ganze Industrien waren dabei, Pheromene aus Blüten zu extrahieren, ganze Industrien studierten das Nervensystem der Hummeln, jedes noch so kleine abwegige Lebewesen scheint besetzt von den Industrien, hätte sie ebenso scharf entgegnen müssen. Er hätte dann natürlich unverzüglich gesagt, aber mein Gebiet, diese Schmetterlinge, gehören mir ganz allein; ich würde ja darauf warten, dass jemand anderer sie übernimmt, aber niemand nimmt sie, und so gehören sie, ohne dass ich es will, weiterhin mir allein, und ich habe weiterhin die ganze Verantwortung für ihre Erforschung. Aber sie tat nichts dergleichen, sie glaubte ihm jedes Wort aufs Wort.

(S. 68f)

© 2015 Zsolnay Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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