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Ich bin ich. Mira Lobe und Susi Weigel

Hrsg. von Ernst Seibert, Georg Huemer und Lisa Noggler.
Wien, St. Pölten: Wien Museum, Residenz Verlag 2013.
256 Seiten, broschierte Ausgabe mit Farb- und Schwarzweißabbildungen; EUR 26,00
ISBN 978-3-7017-3356-9


Ein Ausstellungskatalog ist eine Publikationsform, die sehr unterschiedliche Aufgabenstellungen zu bewältigen hat: Es geht zum Einen darum, jenen Menschen, die die Ausstellung gerade besuchen, begleitende, vertiefende und ergänzende Informationen zu liefern, zum Anderen aber sollen die darin präsentierten Materialien und Erkenntnisse in Buchform dokumentiert sein, wenn die Ausstellung bereits vorbei ist. Zur 399. Sonderausstellung des Wien Museums, die von Herbst 2014 bis Frühjahr 2015 den beiden Bilderbuch-Künstlerinnen Mira Lobe und Susi Weigel gewidmet war, erschien im Residenz Verlag ein Katalog, in dem die HerausgeberInnen Ernst Seibert, Georg Huemer und Lisa Noggler beides mit Bravour bewerkstelligen. Das Buch folgt in seiner Gliederung den vier Bereichen, die auch die Ausstellung strukturierten: Ich bin ich, Gemeindebau, Freiraum, Sehnsuchtsort und Umspannwerk. Jeweils auf weißem Papier gesetzt sind die Texte aus der Ausstellung, die bewusst in sehr einfacher, klarer Sprache gehalten sind, richtete sich die Ausstellung doch explizit an Kinder und Erwachsene. Auf blauem Papier gesetzt hingegen sind Fachbeiträge von sehr unterschiedlicher Ausrichtung: Während Georg Huemer und Stefania Pitscheider-Soraperra Leben und Wirken der beiden Künstlerinnen darstellen, geht es in den Beiträgen von Manfred Mugrauer und Murray G. Hall um den weltanschaulichen bzw. verlagspolitischen Kontext, in dem ihre Bücher erschienen. Inge Cevela und Silke Rabus stellen mit Angelika Kaufmann und Winfried Opgenoorth zwei weitere IllustratorInnen vor, mit denen Mira Lobe zusammenarbeitete, Karl Müller, Heidi Lexe, Sonja Loidl sowie Sylvia Zwettler-Otte widmen sich mit Fragestellungen wie der jüdischen Erfahrung im Werk von Lobe oder Lobes Monster-Figuren als sozialer Herausforderung spezifischen biographischen bzw. motivischen Aspekten. Marcel Illetschko und Nicole Kalteis stellen Lobes Werke in einen größeren kinderliterarischen Kontext, Beiträge der Herausgeber Georg Huemer und Ernst Seibert sowie von Lisa Naske und Marlene Zöhrer eröffnen poetologische und mediale Zusammenhänge bzw. Interpretationen. Abgerundet werden die Beiträge schließlich von sehr persönlichen Erinnerungen von KollegInnen, formuliert von Renate Welsh und Wolf Harranth.

Besonders gelungen ist es in der Vielfalt dieser Auseinandersetzungen, das Phänomen Mira Lobe und Susi Weigel einerseits in seiner Zeitgebundenheit zu verorten und dabei historische Diskurse wie etwa die Debatte rund um Schmutz und Schund kurz und prägnant zu umreißen, andererseits die Kontinuität von Fragestellungen zu zeigen, die heute aktueller denn je sind, wie sich etwa an der Diskussion um das Wort „Neger“ zeigt.

Die 45 gemeinsamen Bücher von Mira Lobe und Susi Weigel sind für Generationen von Kindern, weit über Österreich hinaus, zu Lieblingsbüchern geworden und haben als Kindheitslektüren eine besondere emotionale Qualität. Der Katalog nimmt dies sehr ernst, hebt sich aber in seinen analytischen und differenzierenden Beiträgen wohltuend davon ab. Er betreibt keine Mythenbildung und weist kritisch auf verschiedenste Aspekte des Literaturbetriebs und gerade auch spezifische Probleme des Kinderliteraturbetriebs hin. In einem der abgedruckten Ausstellungstexte wird auf die Problematik der so oft unterschätzten Bedeutung der Illustration hingewiesen: „Das verweist unmittelbar auf das strukturelle Problem der unterschiedlichen Gewichtung von Text und Bild, welche auch die professionelle Rezeption von Kinderliteratur lange bestimmte.“ (S. 68.) Hier ist natürlich spannend, wie der Katalog selbst damit umgeht: Wenig überraschend widmet sich nur ein einziger Beitrag allein Susi Weigel, während es mehrere Beiträge gibt, die sich nur mit Mira Lobe beschäftigen. Allerdings bekommen Susi Weigels Bilder, ob als Entwürfe, fertig ausgearbeitete Illustrationen oder Buchcover einen prominenten Platz im großformatigen Band. Auch insgesamt ist die grafische Aufbereitung dieser Fülle an Informationen ausgesprochen gelungen. Durch viel Weißraum und klug komponierte Seitengestaltung wirken auch Seiten mit mehreren Farbbildern nie überladen, selbst historische Dokumente wie etwas das Manuskript von „Das kleine Ich bin ich“ sind in bemerkenswerter Qualität abgedruckt. Ein rundum gelungenes Unterfangen also – dass dies nicht nur ein Fachpublikum, sondern auch zahlreiche AusstellungsbesucherInnen erkannt haben, zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass der Katalog im Wien Museum selbst noch während der Laufzeit der Ausstellung vergriffen war.

Kathrin Wexberg
im August 2015

Originalbeitrag


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