logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Stanislav Struhar: Die vertrauten Sterne der Heimat

Klagenfurt: Wieser Verlag, 2015.
160 Seiten, gebunden, EUR 21,00.
ISBN: 978-3-99029-130-6.
E-Book: 978-3-99047-017-6.

Autor

Leseprobe

Ligurien, die Küstenregion in Norwestitalien, ist die Heimat von Stanislav Struhars Protagonistin Sibylle. Hier lebt sie, abwechselnd in Bajardo, einem ruhigen Bergdorf im Landesinneren, in dem sie aufgewachsen ist, und der lauten Touristenstadt San Remo, wo sie arbeitet. Bajardo und San Remo sind Sibylles Wohnsitze, ihre Sprachheimat aber liegt weiter nördlich. Sibylles Mutter stammt aus Österreich, Sibylle ist mit der deutschen Sprache aufgewachsen, deren Klang ihr vertraut ist und der für sie die Verbindung zu ihrer verstorbenen Mutter darstellt. Sibylles Leben spielt sich zwischen verschiedenen Welten ab: Es ist geprägt von den Orten, an denen sie sich bewegt und von den Sprachen, die sie spricht.
Immer wieder beschreibt Struhar Sibylles Weg aus dem Verkehrsgewühl San Remos in das verlassen und morbid wirkende Dorf Bajardo mit seinen verfallenen Häusern und den vertrauten Menschen, die dort leben. Zu ihrem sozialen Leben gehören die Menschen aus dem Dorf und ein paar enge Freundinnen aus San Remo. Sie ist alleinstehend und selbstbestimmt, eine Frau, die keine Angst vor der Einsamkeit hat. Ihr Leben funktioniert gut, der Schmerz über den Verlust der Mutter und damit auch den Verlust eines verwandten deutschsprachigen Gegenübers scheint gut vernarbt zu sein, der Gang zum Friedhof zum Grab der Mutter in Bajardo hat sich zu einer lieben Gewohnheit entwickelt.
Sibylles Welt ordnet sich neu, als sie Pascal aus Monaco kennenlernt. Er trägt sie auf Händen, lädt sie zum Essen ein, kauft ihr schöne Kleider und lässt sich von ihr bekochen. Am liebsten würde er sie ganz nach Monaco holen, doch Sibylle hält an ihrem Leben fest, arbeitet weiterhin in San Remo in der Kleiderboutique und pendelt nun zwischen Bajardo, San Remo und Monaco. Sie könnte sich auf ein neues Leben einlassen, mit Pascal im reichen Monaco, in einer modernen Stadtwohnung, vielleicht eine eigene Familie gründen. Doch es zieht sie immer wieder zu jenen Wurzeln, die ihr vertraut sind und sie sucht nach der Ruhe in ihrem Haus in Bajardo, dem Pascal nichts abgewinnen kann. Schon bald wird aber deutlich, dass ihre Beziehung nicht funktionieren kann. Pascal reagiert beim Autofahren aggressiv, er trinkt und betrügt und schließlich kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, als Sibylle ihn zur Rede stellt. Für Sibylle wiederholt sich damit eine Geschichte, auch ihre Mutter scheint ein ähnliches Schicksal erlitten zu haben.
Darüber erzählt Struhar nur in Andeutungen. Überhaupt passiert vieles in diesem Roman zwischen den Zeilen, möglicherweise wollte der Autor auch mehr ausdrücken als ihm letztendlich gelungen ist. Lange Dialoge mit den Freundinnen und mit Pascal über Alltägliches und Belangloses oder auch das etwas überzogene Liebesgeplänkel lassen es nicht so recht zu, dass hier eine Geschichte erzählt wird. Die Konzentration auf die Außensicht, auf das Aussehen der Frauen oder aber auch auf die Beschreibungen der Landschaften, Städte und Straßen lassen oft die Innensicht der Romanfiguren zu kurz kommen. Zweifellos ist Struhar ein genauer Beobachter, Straßenszenen oder Landschaften weiß er mit seinem schriftstellerischen Auge genau und atmosphärisch einzufangen. Was aber aus seiner Protagonistin geworden ist oder werden hätte können, bleibt in „Die vertrauten Sterne der Heimat“ etwas im Diffusen.

Gabriele Wild
3. September 2015

Originalbeitrag.
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Schreibworkshop für Mädchen von 10 bis 15 Jahren im Literaturhaus Wien

Do, 29.08.2019 10.00 bis 13.00 Uhr Eingang Seidengasse 13 Du schreibst gerne Geschichten,...

Junge LiteraturhausWerkstatt

Mi, 11.09.2019, 18.00–20.00 Uhr Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du bist...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
OUT NOW - flugschrift Nr. 27 von Marianne Jungmaier

Eine Collage generiert aus Schlaf und flankiert von weiteren auf der Rückseite angeordneten...

Literaturfestivals in Österreich

Bachmannpreis in Klagenfurt, Tauriska am Großvenediger, Ö-Tone und Summerstage in Wien – der...