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Margarita Kinstner. Die Schmetterlingsfängerin.

Leseprobe:

Geliebte Schwester! Jeder Brief meiner Großmutter an ihre Schwester Klara begann mit diesen Worten. Ich sehe noch ihren Schriftzug vor mir. Die Schlaufe unten am S, die über den Zeilenrand hing und dann mit einem kräftigen Schwung ins c überging. Die Schrift einer Generation, die noch mit der Kurrentschrift aufgewachsen war.
Klaras Schrift sah aus wie die Schrift meiner Großmutter – drängende Buchstaben, eng aneinander liegende Zeilen auf dünnem, vom Kugelschreiber gewelltem Luftpostpapier. Die Schwestern beschrieben das dünne Papier beidseitig, die Schrift der einen Seite leuchtete auf die andere durch, sodass sie die Buchstaben auseinanderdividieren mussten, was das Lesen zu einer Anstrengung machte. Papier, durchscheinend wie das Butterbrotpapier, in das Magda meine Schulbrote immer einschlug.

Heute telefonieren Klara und Therese zweimal die Woche miteinander. Therese sitzt beim Telefon und wartet. Klara stellt die Eieruhr auf fünfundzwanzig Minuten. Ab der dreißigsten Minute kostet es mehr. Manchmal legt Klara nach fünfundzwanzig Minuten auf und ruft nach einer kurzen Pause nochmals an. Telefonate von Kanada in die EU werden erst ab der einunddreißigsten Minute teuer.

Nachdem meine Oma gestorben war, schickte meine Tante Silvia ein Buch nach Kanada, in das sie all die Gedichte geschrieben hatte, die wir auf dem Begräbnis meiner Oma vorgelesen hatten. Bevor sie das Buch wegschickte, bat sie mich, ein paar Blumen hineinzumalen. Ich malte Rosen und Äste mit Kirschblüten, auf denen Vögel saßen. Auf die letzte Seite zeichnete ich ein Porträt meiner Großmutter.

(S. 116/117)

© 2015 Deuticke Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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