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Anna Baar: Die Frabe des Granatapfels.

Leseprobe

Doch was reden mit ihr? Ich glaubte Nada schon vor zwanzig Jahren alt, jetzt ist sie es wirklich. Wir sitzen auf der Veranda, rauchen eine Zigarette nach der anderen. Die Asche wird lang, fällt auf das Tischtuch, das schon voller Brandlöcher ist, fällt zu Boden, krümmt sich unter einem Windstoß fort, sammelt sich da und und dort in den geschützten Ecken und Winkeln. Manchmal sehe ich Nadas Asche im Ringelspiel des Winds über die Terrasse wirbeln. Überall Asche: im brüchigen Weidenrutengeflecht der verwitterten Korbsessel, in den bodennahen Spinnwebnestern, die Nada längst nicht mehr sieht, in Rachen und Nase dann und wann. Darauf angesprochen, reißt Nada Mund und Augen auf und zieht dabei die Luft so mühevoll in die verschleimten Lungen, dass mich ein schlechtes Gewissen beschleicht. U ime oca i sina i duha svetoga, amen! Sie bekreuzigt sich, wirft die Hände hoch, fährt mit ihren knorrigen Fingern über das glutvernarbte Tischtuch, dass die Asche zerstäubt und zu Boden fällt, und noch während sie über das ausgebleichte Muster streicht und mit ihren rotlackierten Krallen an den Brandschrunden kratzt, als wollte sie auch diese unbemerkt entfernen, behauptet sie, da sei doch nichts, sei auch nichts gewesen: Wo siehst du Asche? Wo? Da ist nichts!

(S. 11)

© 2015 Wallstein Verlag, Göttingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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