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Annika Tetzner: Die rote Masche.

Ein Shoahbuch für Kinder & Erwachsene.

Textprobe:

Das Ghetto in Theresienstadt ist kein guter Platz zum Leben. Das hab ich deutlich gespürt, obwohl ich es noch nicht verstanden hab. Überall seh ich Soldaten der deutschen Wehrmacht. Ich soll ihnen aus dem Weg gehen, bedeutet man mir hinter vorgehaltener Hand. Und es herrscht Krieg. Krieg? Ich weiß nur, dass das etwas Schlimmes sein muss.

Ich versuch nicht darüber nachzudenken. Aber ich bin mutterseelenallein und einsam, wenn die Erwachsenen den ganzen Tag lang bei der schweren Arbeit sind. Sogar mein großer Bruder arbeitet die meiste Zeit über. Aber ich hab zum Glück meinen Herrn Maximus. Ich hab ihn sehr lieb. Er leistet mir überall Gesellschaft, er begleitet mich überall hin. Und er beklagt sich nicht. Niemals.

Darin ist er wirklich der Größte. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Er kann aber auf meinen Rundwanderungen kaum mit mir mithalten, denn er hat einen Fuß verloren.

Wie das passiert ist, hat er mir nie erzählt und ich trau mich nicht, ihn das zu fragen. Daher sitzt er die meiste Zeit unter meiner Jacke und steckt den Kopf heraus, damit er alles sehen kann.

Die Tage werden nun länger und wärmer. Die Mama und meine Verwandten arbeiteten immer noch von früh bis spät.

(S.45-47)

© Wien: edition splitter, 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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