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Funkhausanthologie 52. Woche 2015


Beiträge 11-20

von: Luis Stabauer, Daniel Böswith, Ulf-Diether Soyka, Rotraud A. Perner, Walter Baco, Isa Hochgerner, Gerald Kurdoglu Nitsche, Herbert Gantschacher, Jutta Treiber, Eva Jancak


Luis Stabauer: nachtbilder

intrada, schon gehört
du holde kunst, erfüllte zeit
radiokunst begehrt
poesie, zeitton, leben heut

zeitgenossen, leporello
geld und gier, trost und rat
help, das magazin, pasticcio
gedanken für den tag 

betrifft, gehört, gewusst
texte, neue literatur
da capo, der verlust
momente, leben der natur

radiodoktor, nachtquartier
hörspielstudiokunst
exlibris, menschen vor der tür
kulturcafé im dunst

eins, wissen aktuell
kultur und dimensionen
ambiente als rebell
alex: politik mit drohnen


Daniel Böswith

Meine erste Erinnerung an das Funkhaus ist eine überaus erfreuliche. Nach dem ich in jungen Jahren, ich war erst 21, mein erstes Hörspiel „Die Kunde” an das Funkhaus per Post (!) geschickt habe wurde ich vom Leiter für Literatur & Hörspiel, Dr. Konrad Zobel, zu einem Kantinengespräch in die Argentinierstraße eingeladen. Ich trat erwartungsvoll durch die Schwingtüre wie in einen Saloon. Er war von meinem Manuskript angetan und sagte mir mündlich zu, es produzieren zu wollen. Konrad sah zwar vertrauenswürdig mit seiner Brille und Seitenscheitel aus, aber das war mir zu wenig. Ich wollte eine Sicherheit, einen Vorvertrag oder so was in der Richtung, war knapp bei Kassa. Er fixierte meine nervös hin- und herirrenden Augen mit einem eindringlichen Blick, nahm Zettel und Stift und fragte im Ton eines Großeinkäufers, ob ich je schon einmal für den ORF geschrieben habe? Ich: „Nein”. Er notierte eine Zahl auf das Papier und fragte mich wie lange das Hörspiel dauere. Ich wusste es nicht so genau, so ungefähr 20 Minuten, und bereute im gleichen Augenblick, so ein kurzes Hörspiel geschrieben zu haben. Er notierte eine zweite Zahl aufs Papier und multiplizierte die Zahlen miteinander, murmelte, schrieb weitere Zahlen auf, rechnete nach, zog einen Strich, addierte und verlautbarte die unglaubliche Summe von 16.600 Schilling, was für mich, da ich geringfügig als Landschaftsgärtner arbeitete, ungefähr der vierfache Monatslohn war. Mit der Sekretärin wurde sogleich der Urheberrechtsvertrag aufgesetzt und das Geld war in Bälde auf meinem Konto. Das Funkhaus verschluckt vom ORF-Riesen Künigl von Berg? Was wäre passiert, wenn es damals schon nur noch den ORF gegeben hätte? Mit meiner Schwäche für Orientierung wäre ich mit 100% Sicherheit schon bei der Suche nach dem richtigen Eingang, geschweige der richtigen Tür für Literatur gescheitert. Die Herrn Einsparer und Fusionierer verkennen die atmosphärische Lage und wissen nichts über die Magie, die manche Orte rein durch Begegnungen und vor allem die richtigen Abwesenheiten ausstrahlen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es eine Kaffeehausliteratur aber keine Starbuck's-Literatur oder McDonald's-Literatur gibt?


Ulf-Diether Soyka

Meine besten Erinnerungen an das ORF-Funkhaus betreffen die exzellente Aufnahme meines Klaviertrios unter dem Musikchef Dr. Helmut Riesberger 1986 - damals spielte das Concordia-Trio (Schagerl-Luitz-Ossberger) - sowie eine "zeitton"-Sendung zu meinem 50er im Jahr 2004. Einige weitere gelungene Aufzeichnungen meiner Musik ruhen sanft im ORF-Archiv (aber ich darf sie auf eigene Kosten veröffentlichen). Zusammenfassend habe ich den Eindruck, dass der ORF viel mehr für wirklich neue (z.B. interkulturell forschende) Kompositionen hätte tun können, wenn es weiterhin aktive Hörfunk- und MusikchefInnen gegeben hätte - da kann aber das Gebäude nichts dafür. Ich wünsche dem einstigen Trendsetter ORF heute alles Gute.


Rotraud A. Perner

Das gesprochene Wort ist die Musik unseres menschlichen Instruments Stimme. Es transportiert nicht nur Inhalte sondern Stimmungen und die dazu ursächlichen Energien (Neurotransmitterausschüttungen). Das ist mir vor allem bewusst geworden, als ich von meiner meist vierwöchigen mitternächtlichen „Sexhotline“ zum wöchentlichen „Ich und Du – ein Ratgeber für das Leben zu zweit“ am Dienstag um halb neun h früh gewechselt war. Die zwei Stunden nach Mitternacht in das bei-, allein- oder noch nicht- schlafende Land hineinzusprechen besaß (und bewirkte, wie ich erfuhr) eine besondere Erotik: wir – meine GesprächspartnerInnen und ich) öffneten nicht nur unsere Ohren sondern auch unsere Herzen. Das war eine andere Vertrautheit als bei Talksendungen üblich, langsamer, diskreter, einfühlsamer – Intimität eben. Leider wurden diese Sendungen nicht aufgezeichnet. Drei Bänder, die ich privat bespielt hatte, hat sich Helmut Schödl von der Süddeutschen Zeitung ausgeborgt und nicht mehr zurück gegeben. Meine Mitternachtsendungen waren mir Anliegen nicht nur für Informationstransfer und Zuwendung, sondern vor allem auch Vorbild, wie man Schwieriges achtsam und achtungsvoll formulieren kann. Draußen ist mit der Einstellung eine Lücke geblieben – im Haus füllt es den Spirit.


Walter Baco

Ich erinnere mich – ca. um die Jahrtausendwende muss es gewesen sein – an einen wunderschönen Auftritt im Großen Sendesaal. Mein Gedichtband „Darf ich Dich einladen auf ein Gefühl“ wurde vom Ibera Verlag dort erstmals präsentiert. Miguel Herz-Kestranek hat auf seine unnachahmliche Art aus dem Buch gelesen, ich durfte live am Synthesizer die Musik dazu beisteuern. Einzelne Passagen hatten wir als gleichzeitig stattfindendes Wort-Musik-Klang-Erlebnis inszeniert, was eine dichte lyrische Atmosphäre mit Tiefgang und – je nach Text – auch mit Humor bewirkte. Dieser Abend bildete den Auftakt zu einer längeren Zusammenarbeit: mit dieser Performance wurde das Duo Herz-Kestranek/Baco zu einer Gastspielreise eingeladen, die uns u.a. nach Paris, Leipzig, Klagenfurt, Linz, Burg Lockenhaus und wer weiß, wohin noch führte. Es muss sicher irgendwo im ORF Archiv einen Live-Mitschnitt dieser Sprach-Musik-Performance geben; gesendet wurde er, glaube ich, noch nicht ...


Isa Hochgerner

Ein Funkhaus ist ein Funkhaus, ist ein Funkhaus ist ein Funkhaus! Und aus!


Gerald Kurdoglu Nitsche


Es hat mir grad gfunkt = ich hab’s soeben begriffen. Da gibt's scheint's welche, bei denen es noch nicht gefunkt hat!


Herbert Gantschacher


Im Funkhaus in der Argentinierstraße befand sich ein Hörspielstudio, das zuerst analog und dann in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts digital so gut wie alle Wünsche den Regisseuren erfüllen konnte. Besonders der digitale Schnittcomputer war dazu angetan, die technischen Grenzen der Hörspielkunst herauszufordern. Und es gab grandiose Tonmeister, die die Kunst beherrschten, auf höchstem technischen Niveau der Sprachkunst der Schauspielerinnen und Schauspieler die Hörräume zu geben und den hohen künstlerischen Ansprüchen der Hörspielregisseure Genüge zu leisten. Die grandiosen Tonmeister Gerhard Wieser und Josef Relinger lieferten mit ihrer technischen Handwerkskunst immer eine mehr als grundsolide Basis für das Gelingen der Hörspielproduktionen. Herta Schumitsch (heute Herta Werner-Tschaschl) assistierte sehr oft den beiden und holte sich so ihr handwerkliches Rüstzeug in der Praxis des Hörspielstudios. Nun dieses grandiose Studio existiert nicht mehr, es ist dem Zwang zur Quote anderer Nutzung geopfert worden. So ist kreatives Potential über Jahrzehnte wegrationalisiert worden zum Schaden der Wortkunst im Radio, die nun ihr Funkhaus, ihr Radiokulturhaus und somit ihre Identität und Produktivität verliert.


Jutta Treiber: Ausgefunkt

Im Zentrum der Stadt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen – das Funkhaus. (Man kann es auch als Nicht-immer-Wiener leicht finden! Aber wie gelangt man auf den Küniglberg?) Das Funkhaus – die Heimat von Ö1, FM4, Radio Wien. Auch das Landesstudio Burgenland war einst dort beheimatet, mein erstes Hörspiel wurde dort produziert, die besten Schauspieler und Regisseure standen an diesem Ort selbstverständlich zur schnellen Disposition. An mein erstes Interview für Ö1 erinnere ich mich (Peter Zimmermann hat es geführt), an meine erste Einladung zu einer Live-Sendung („Von Tag zu Tag” mit Andreas Obrecht). Es hat immer „gefunkt” zwischen dem Funkhaus und seinen Hörern, es war eine Liebesbeziehung! Eine Liebesbeziehung zu dem pulsierenden Medienherzen im Zentrum der Stadt. Eine Liebesbeziehung engagierter Radiomacher zu ihren begeisterten Hörern. Auch eine Liebesbeziehung zwischen dem „Funkhaus Live” und seinen Besuchern. Häuser und Umgebungen verändern Menschen, verändern Handlungsweisen und Inhalte. In Zukunft wird es zwischen Machern und Hörern nicht mehr funken, sondern küniglbergen. Na dann – ziehen wir die Steigeisen an!


Eva Jancak: Funkhäuser verkauft man nicht

Nein, das tut man nicht, noch dazu wo ich, wie wahrscheinlich alle oder viele von uns, ganz bestimmte Erinnerungen daran habe. Da war doch das Wunschkonzert, vor vierzig, fünfzig oder noch mehr Jahren, wo man zum Geburtstag seiner Tante, Großmutter, Mama, etc ein Lieblingslied aussuchen konnte, das dann im Radio gespielt wurde. Daran habe ich, glaube ich, meine erste Erinnerung an den großen Sendesaal im heutigen Radiokulturhaus. Viel später bin ich ein paar Mal zu Interviews in die Argentinierstraße gehastet, kann mich noch genau an die Portierloge erinnern, bei der man sich anmelden mußte und in das große Haus hineindurfte, wo man von einem Redakteur erwartet und in eines der kleinen Zimmer hineingebeten wurde. Und an die lange Nacht des Hörspiels vor wahrscheinlich auch schon zwanzig Jahren, an die erste, wo man durch das Funkhaus ging und dann in den großen Sendesaal, man live abstimmen konnte und es ein Buffet mit einem Gulasch gab, das mir immer noch in Erinnerung ist, die lange Nacht hat dann bis in die Früh gedauert und man ist sehr beschwingt von dort nach Hause gegangen oder mit dem Taxi abgefahren. Inzwischen wurde auch die lange Nacht zu einer sehr kurzen abgespeckt, das Buffet wurde eingespart, man hört nur mehr Ausschnitte und keine ganze Hörspiele, kann nicht mehr live abstimmen und einmal auch schon vor vielen Jahren, habe ich eine dieser Veranstaltungen versäumt, die eine sehr historische war, gab es da doch eine Demonstration gegen die Kürzung des Hörspielhonorars, die mit einem Polizeieinsatz endete. Die Hörspielhonorare wurden nicht erhöht, aber ein Jahr später als ich wieder in das Funkhaus, beziehungsweise Radiokulturhaus, wie es da schon hieß, kam, gab es ein Hörspiel von Hanno Millesi zu hören, das sich zwar nicht auf die gekürzten Honorare bezog, wohl aber die Liveaufnahmen mit den Polizeisirenen verwendete. So sind sie die Erinnerungen an das Wunschkonzert, wo mein Vater vor fünfzig Jahren meiner Tante Fanny zu ihrem Geburtstag ihre Lieblingsmelodie bestellte, an die langen oder auch verkürzten Hörspielnächte, an die paar Sendungen, die ich im Laufe meines Lebens, im Radio hatte und ich denke, dieses schöne alte Haus soll bleiben, wie auch Ö1, mein, dein, unser aller Kultursender, obwohl da die Literatur auch immer weniger wird, denn Funkhäuser verkauft man nicht, denke an das Wunschkonzert, an die Autofahrer unterwegs und auch an den Heinzi Conrads, der uns jeden Sonntag von dem Neuen, was uns erfreute, so trefflich vorzusingen wußte.

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