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Wilhelm Hengstler: flussabwärts, flussabwärts.

 

Leseproben:

Begleitet von Bauers nächtlichem Raunen versuchte ich diese zurückliegenden Reisen mit meinem gegenwärtigen Stillstand zu synchronisieren. Das Spitalsgelände verwandelte sich in den Donauraum, die Abbildungen meines Körperinnenraumes ersetzten die Straßenkarten, Bauer wurde zum Reisegefährten, die Krankenhaus- zur Reiseroutine, Operationen stellten gefährliche Passagen dar und Stadien der Genesung oder des Rückfalles erschienen als Reiseetappen. Im Halbschlaf stellte ich mir noch vor, wie ich mich die Donau entlangschrieb, um schließlich in dem grenzenlosen Wortschatz, der dem sagenhaften Fischreichtum des Schwarzen Meeres entsprach, aufzugehen.

(S. 51)

Die Donau zeigt im späten Nachmittagslicht keine Strömung, kein Schiff schiebt Bugwellen durch das glatte Wasser, und sie entspricht keineswegs der Vivionne in Swanns Welt. Wenn sich auch kein klar dahinfließendes Wasser als Bild für die unaufhaltsame Bewegung der Zeit und des Lesens bietet, so erinnert ihn diese Wasserfläche doch an seine Zwischenlandung auf Pag, als er vom Balkon aus Röntgen- und MR-Aufnahmen über das Meer gehalten hatte und das kleine Fischerboot unten mitsamt den Bildern seiner Körperinnenwelten, ja am Ende er selbst scheinbar in die Meerestiefe gesunken waren.
Und über die Donau setzend denkt er an Proust, der so lange keinen und schließlich den größten Erfolg gehabt und währenddessen, als habe er niemals daran gezweifelt, unablässig geschrieben hatte. Aber während sein Buch gleich einem Fluss immer gewaltiger anschwoll, löschte sich der Autor buchstäblich durch das Fertigstellen seiner Arbeit aus – ähnlich wie die Donau, die unter der Brücke durchfließt, um sich später an ihrem Nullpunkt im Schwarzen Meer aufzulösen.

(S. 226)


© 2015 Literaturverlag Droschl, Graz-Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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