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Friederike Gösweiner: Traurige Freiheit.


Leseprobe:

„Dann hat es wohl keinen Sinn mehr“, sagte Hannah. Es klang fragend, sie sprach leise, wie zu sich selbst. Sie sah Jakob an, der auf dem Bett lag, er lag auf ihrer Seite, nicht auf seiner, fiel Hannah auf, das sah ganz ungewohnt aus. Den Blick starr auf seine Füße am Bettende gerichtet, schwieg er, zögerte, dann hob er seinen Kopf leicht, blickte zu ihr.
„Ich möchte doch nur sehen, ob ich überhaupt gut genug bin. Ob ich eine Chance habe in Berlin. Ein halbes Jahr oder ein ganzes. Mehr nicht. Ist das so viel verlangt?“, fuhr sie fort, suchte Jakobs Blick, seine Augen. Aber er sah jetzt an ihr vorbei, sah zum Fenster hinaus, schluckte, schwieg, er schwieg lange, und sie schwieg auch. Sie wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte. Erschöpft ließ sie sich am Türpfosten entlang zu Boden gleiten. Sie hatte keine Lust mehr zu streiten, es hatte keinen Sinn.
Immer wieder hatten sie die gleiche Diskussion geführt in den letzten Wochen, seit Hannah die Zusage bekommen hatte für das Volontariat bei der Zeitung in Berlin. Immer wieder hatte sie versucht, Jakob zu erklären, warum sie das machen wollte, warum das so wichtig war für sie, warum sie nicht mehr länger hier sitzen wollte und darauf warten, dass ein Wunder geschähe und das Magazin, für das sie als Freie schrieb, sie plötzlich doch noch als Redakteurin einstellte. Eine andere Hoffnung für sie als Journalistin gab es nicht in der Stadt, in der sie lebten, und sie hatte es satt, sich Jakob, der Assistenzarzt auf der Kinderstation der Klinik war, so unterlegen zu fühlen.

(S. 7)

© 2016 Literaturverlag Droschl, Graz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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