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Funkhausanthologie 8. Woche 2016


Beiträge 101-110

von: Marie-Thérèse Kerschbaumer (Teil 2), Manfred Chobot (Teil 2), Kurt Ockermüller (Teil 2), Kurt Lorenz, Hans Augustin, Linde Prelog, Hermann J. Hendrich (Teil 2), Gerhard Ruiss (Teil 2), Gerhard Jaschke, Gerhard Ruiss (Teil 3)


Marie-Thérèse Kerschbaumer: Diese schönen Wege ins Funkhaus in Wien (in Erinnerung an Gerd Bacher), Teil 2

Jetzt in die Argentinierstraße eintreten, sie führt an der Ostflanke des berühmten Bauwerks des Fischer von Erlach, Johann Bernhard (1665-1723) vorbei. Die Replik der Trajan-Säulen und warum heißt die Straße Argentinierstraße – und haben wir gewußt, daß die Karlskirche die Sprengel oder Pfarrkirche der spanischen d.h. spanisch-lateinamerikanischen Gemeinde von Wien ist – so wie die Minoritenkirche die der italienischen Gemeinde? Wir gehen auf spätantiken und romanischen Gedankenspuren, barockem österreichischem Seefahrer-Wissen um Argentinia, die silbern glänzende See vor den Augen ihrer spanisch-portugiesichen Entdecker, vorbei an diesem in jüngster Zeit sorgsam restaurierten Grabmal, eine Votivkirche, errichtet im Auftrag des letzten Habsburgers im Mannesstamm, Karl der sechste seines Namens und Bewunderer seines Vorfahrs, des Fünften, genannt Carlos Quinto; Karl VI. also (1685-1740), der mit der Pragmatischen Sanktion und dem Auftrag zur Gründung einer Handelskompanie für den Nahen Orient und Ost-Indien. Aber jetzt heißt es, den Schritt beschleunigen auf der Argentinierstraße in Richtung Funkhaus, schon ist dieser Kollege, ist jene Dichterin zu sehen, sie kommen von dort – hier sind die Radwege so breit und schön wie in Kopenhagen – diese schönen Häuserfassaden mit den alten Schildern, die Namen der Herren von Schwind oder Wohlleben zieren die Gassen und rechts die Taubstummengasse, ein schöner, weil geheimnisvoller Name und jetzt der Vorplatz und das Ziel dieser Wanderung. Ein Taxi fährt vor, ein berühmter Autor oder ist es ein berühmter Kritiker, steigt aus, eine elegante ORF-Dame steht am Fuße der Treppe und begrüßt ihn mit einer Umarmung. Wir, also meine Leser und ich, gehen beglückt die Stufen der Freitreppe hinauf: Was für ein Privileg, dieser Gang durch die Geschichte im Frieden in Wien, nicht Kriegsruinen noch Ruinenschneisen findiger Bauherren, keine Kränkung des Auges, nur freudige Erwartung, nach diesem Schlendern durch das spanisch-lateinamerikanische Wien vom Höhepunkt der Barocke zum Bau einer nüchternen, geschichtswürdigen modernen Architektur aus hoffnungsfrohen Tagen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Wahrhaftig sein. Wenn lügen, wenigstens schön lügen. So sollte es sein. So oder auch anders kann es gewesen sein.


Manfred Chobot (Teil 2)

Jenen Leuten, die das Funkhaus verkaufen wollen, sind vermutlich nostalgische Gefühle fremd. Warum, frage ich mich, soll das bestens ausgestattete Funkhaus zerstört werden? Es muss ein geiles Gefühl sein, die Macht zu besitzen, um funktionierende Strukturen zu zerstören. Genau wie damals im Kindergarten den Turm aus Bauklötzen zum Einsturz zu bringen oder Bierdeckel in sich zusammenfallen zu lassen. Richtig megageil! Beunruhigend ist allerdings, dass Führungskräfte machen können, was sie wollen. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Und wenn es Leute gibt, die sagen „Das dürft ihr nicht“, denken sich die Herren (vielleicht darunter auch ein paar Damen?) ein längst in den allgemeinen Sprachschatz aufgenommenes Zitat des Herrn Geheimrats aus Weimar oder sie murmeln es, sobald sie unter sich sind, leicht variiert einander zu. Zufrieden mit sich und ihrer Macht. Eine Immobilie in der Nähe des Stadtzentrums zu besitzen scheint für manchen Manager ehrenrührig zu sein. Mein Verdacht erhärtet sich. Die Banken verscherbeln ihre zentral gelegenen Zentralen, eine Versicherung verkauft ein für die Kultur wesentliches Haus, ein Verband trennt sich von seiner innerstädtischen Immobilie, die Bundesbahn schließt sich an. Ob sie alle miteinander überlebensnotwendig Bargeld benötigen? Nämlich exakt jenes Kapital, das Investoren offensichtlich in Hülle und Fülle zur Verfügung steht. Investoren wurden zweifellos dazu geboren, um all jene Gewinne zu lukrieren, wozu Banken und Versicherungen und alle sonstigen Player nicht imstande sind. Oder handelt es sich – im wahrsten Sinn des Wortes – um ein geheimes Spiel von Managern: Wer verkauft die schönste Innenstadt-Immobilie? DKT mit Echtgeld – ein echter Hammer! Auch der ORF möchte mitspielen. Die Puzzleteile passen zueinander. Im Casino verspielt einer bloß sein eigenes Geld, langweilig und albern! Jedoch muss man heutzutage nach Höherem streben. Vorwärts marsch auf den Küniglberg. Ich habe eine Vision: Nachdem das Funkhaus auf den Küniglberg verplant – äh – verpflanzt wurde, alle Redaktionen zusammengelegt wurden und das Meisterstück vollbracht ist, heuert der ehemalige Generalintendant in der Erzdiözese an und leitet aufgrund seiner Erfahrung die Verhandlungen, um den Stephansdom an einen finanzkräftigen Investor zu verhökern. Der Neubau des Stephansdom auf dem Küniglberg wäre eine architektonische Sensation von ungeahnten Dimensionen. Und der Generalintendant wird Erzbischof h.c.


Kurt Ockermüller (Teil 2)

Besonders hervorheben möchte ich die Reihe „Spuren“, die sich jeweils mit drei oder vier weltberühmten Persönlichkeiten auseinandersetzte, die aus der ehemaligen altösterreichischen Provinz, -vor allem aus Böhmen und Mähren-, stammten und über Wien ihren Weltruhm erlangten. Das waren die drei Architekten Adolf Loos, Josef Hoffmann und Leopold Bauer, die drei Erfinder Josef Ressel, Viktor Kaplan und Ferdinand Porsche, die drei Opernstars Leo Slezak, Maria Jeritza und Alfred Jerger oder die vier Kabarettisten Max Böhm, Ernst Waldbrunn, Karl Farkas und Fritz Grünbaum. Alle diese für mich hochinteressanten Produktionen wurden in den zwar räumlich und terminbedingt etwas beschränkten Regie- und Schnittplätzen im altehrwürdigen Funkhaus und zumeist in Nachtterminen gemeinsam mit den hervorragenden Cuttern und Tonmeistern in freundschaftlicher Kollegialität fertiggestellt. Unvergessliche Nächte für mich, die mir, im Nachhinein betrachtet, für immer in bester Erinnerung bleiben werden. In der Argentinierstrasse herrschte damals, trotz Raum- und Terminnot, eine wunderbare kreative und menschliche Atmosphäre, die imstande war, auch mit vergleichsweise bescheidenen Etats hochqualitative Produkte herzustellen. Und das alles soll es jetzt nicht mehr geben? Eigentlich unvorstellbar. Nicht aus wehleidigen Nostalgiegründen, sondern aus der Erkenntnis, dass zwischenmenschliche Qualitäten heutzutage offenbar so gut wie keine Bedeutung mehr haben. Offenbar zählen nur mehr zweifelhafte kaufmännische Überlegungen auf Kosten der künstlerischen Entfaltung. Armes Österreich, armes Wien! Im Jahr 1997 habe ich mein letztes Ö-Bild am Sonntag in der Argentinierstrasse 30a abgeliefert, diesmal für das Landesstudio Wien. Es trug bezeichnenderweise den im Nachhinein betrachtet fast visionären Titel „Heute letzter Tag!“ und hatte das zunehmende Absterben des Detailhandles in Wiener Geschäftsstrassen zu Inhalt. Bei der Abnahme fragte mich der damalige Intendant Dr. Reinhard Scolik: „Warum machst du immer so traurige Filme?“


Kurt Lorenz: Lieber ORF!

Ich war 12, als im Radio endlich die militärischen Erfolgsmeldungen und das Gefasel vom Endsieg für immer verklungen waren. Du warst wieder Du und nanntest Dich, wie ich mich zu erinnern glaube, „Sendergruppe Rot-Weiß-Rot“. Deine Programme waren immer wieder einem Wandel unterworfen, aber eine Konstante gab es, und die hat sich in mein junges Gedächtnis damals eingegraben: Deine Adresse „Argentinierstrasse 30a“. Das warst Du, und auf dem alten Holzkasten war es da, wo dieses geheimnisvolle grüne magische Auge am tollsten strahlte. Als mich später mein Beruf in der Welt herumscheuchte, war es statt des Holzkastens ein kleiner Weltempfänger, der die Verbindung aufrecht erhielt zu – richtig! - „Argentinierstrasse 30a“. Ob im Zelt in Papua Neu Guinea oder im Raffles in Singapur, sie war da, die „Argentinierstrasse 30a“! So, und jetzt kommst Du auf die Schnapsidee und willst aus dem traditionsreichen und ehrwürdigen Haus wegziehen? In irgend einen modernen, gesichtlosen Archidektenwürfel? Dein Platz, lieber ORF, ist und bleibt im Herzen Wiens, wie der Steffl und das Riesenrad. Verscherze Dir nicht meine Sympathien und die vieler Anderer, schlag Dir den Unsinn aus dem Kopf und bleib wo Du bist, in der guten, alten „Argentinierstrasse 30a“. Servus! Dein langjähriger Fan, Kurt Lorenz, Kameramann.


Hans Augustin: Nachrichtenübermittlung – Gastbeitrag des WDR

Der WDR installiert neuen Sendeplatz für Hörspiele. 19 Uhr ist Hörspielzeit. WDR 3 richtet im neuen Jahr einen festen Hörspiel-Sendeplatz am Vorabend ein. Ab 4. Januar sendet das Kulturradio Montag bis Freitag um 19.05 Uhr ein knapp einstündiges Hörspiel. WDR 3-Programmchef Karl Karst: „Bei WDR 3 muss künftig niemand mehr nach dem nächsten Hörspieltermin suchen. Es ist ganz einfach: An jedem Werktag um kurz nach 19 Uhr, also wenn der Tag zur Ruhe kommt, gibt es bei uns ein Hörspiel. Wir versprechen eine Hörspielstrecke mit hohem Kultpotential.“ Zusammen mit den Hörspielplätzen bei WDR 5 am Wochenende gibt es im WDR-Radio somit an jedem Tag ein Hörspiel.


Linde Prelog: In meiner geschüttelten Sprache

In Argentinenstraßen leise
klingt jüngsten raus aus Funkgehäuse
ein traurig Weis über Gebäud
und ORF gestaltet Zeit
Unzählig Stund bis lange Jahr
ein Sendenreichtum inne war
von Politiken bis Kulturen
od wissenschaftig neue Spuren
Musiken Klassik bis Modern
toll Reisbericht aus weite Fern
von bestgestaltet Hörgespiel
bis Kunsten Mensch Naturen viel –
Ein seriös Information
ohn Werbung macht Ö1en Ton
Auch FM4en Radio Wien
in Funkhaus macht ihr Arbeit drin
Für alle was Programm gestalt
gejahrlangt hier war Aufenthalt
Ein ziemlich zynisch drum Verkauf
weil wie ein Ära hörten auf!
Aus Funkhaus traurig Weis erklingt
und leis ein gute Zeit besingt


Hermann J. Hendrich: Funkhaus 2

Zur Vorbereitung der Eröffnung der ‚werkstatt breitenbrunn’ hatte ich einen Eröffnungstext in einer relativ komplizierten Form erarbeitet, die aus zwei Textserien über Lautsprecher bestanden, der dritte Teil sollte von einem Sprecher live in der Mitte zwischen den Lautsprecherboxen gelesen werden. Leider konnte ich selbst nicht lesen, weil eine wichtige Auslandsreise mich im Mai 1967 daran hinderte. Ich übte allerdings die Lesung mit jungen Dame präzise ein. Aus dem Ausland zurück musste ich mir das vom ORF Burgenland – damals noch im Wiener Funkhaus situiert – im Studio aufgenommene Werk in einer völlig inakzeptablen Version anhören. Ich verlangte eine Art von Wiedergutmachung, die dann mit einem Gespräch erledigt wurde. Als ich zur Information der Gesprächsteilnehmer über meine Arbeit mit meinem Band im Studio eintraf und es der Technikerin mit dem Bemerken übergab, es handele sich um ein Stereoband mit 19 cm/sec, sagte sie, das gäbe es doch außerhalb des Rundfunks gar nicht.


Gerhard Ruiss: Gehts-Gstanzln (Teil 2)
(Nach der Melodie von „Hollodaridio hollodaro“)

(getragen) Des deppate aum Radio is, ma muaß dauand wos song,
       in Feansen wiast gseng und brauchst auf kane Frong wos zsong haum.

(flott) Jessasna, jessasjo,
         wias em so ged,
         den an den hods goa ned,
         den aundan hods scho.   

(getragen)

         Aum liabstn wa in Wrabetz, is gaunze Programm sicht ma nua eam,
         des äagat di aundan, de hädadns a gean.

(flott) Ans, zwa, drei, ans, zwa, drei
         und scho is gscheng,
         obmas jetzt liaba
         oda goa ned gean meng.

(getragen)
      Da Gwalitätsschuanalismus, sogt da Wrabetz, dea mocht ma vüa Suang.
      Waun ma söwa kan mea haum, gemman sin beid aundan ausbuang.

(flott) Ans, zwa, drei, ans, zwa, drei,
         des ged aso,
         drei schriat geds vire, drei zruck,
         und scho is ma do.

(getragen) Kuitua braucht a jeda, Kuitua muaß ma haum,
          iss niagends zum findn, gemma in Kölla nochschaun.

(flott) Hollodari,
         holodaro,
         es is bessa fia di,
         es is bessa aso.

(getragen) Gscheida is scho beim Intavenian,
                 nua amoi wos sogn und olle parian.

(flott) Holodaro,
         hollodari,
         es is zwo aso,
         owa ned bessa fia di.


Gerhard Jaschke: WER FUNKT SO SPÄT DURCH NACHT UND WIND?

Ist es die Doris mit ihrem Kind?
Funkhäuser verkauft man nicht, Du armseliger Wicht!
Funkhäuser belässt man dort, wo sie sind,
sonst sind bald Eltern ohne Kind!

Wie schön war es doch seine eigenen Ex libris Beiträge zu lesen, tagelang Regieassistenz bei selbstgeschriebenen Hörspielen sein zu dürfen, zehn Minuten Gedanken aus diversen Büchern absondern zu dürfen, drei Ö3-Kultur-ABCs zu gestalten, bis Rudi daraufkam, dass die Stimme (nämlich meine) vielleicht für Ö1 tauge, doch nicht für Ö3. Da musste dann schon Kammerschauspieler Hübsch ran und aus dreiminütigen Porträts wurde auf eine Minute gekürzt und Klausnitzers Nachfolger Dorner wollte von alldem überhaupt nichts mehr wissen, ein fast fertiges viertes Kultur-ABC kam nie über den Sender! Ach selige Funkerfahrung!


Gerhard Ruiss: Gehts-Gstanzln (Teil 3)
(Nach der Melodie von „Hollodaridio hollodaro“)

(getragen) Da Wrabetz dea sogt, Ö Ans is mei liabste Weis,
                Aufschpün und Jodln und Schuachplattln wia ned gscheid.

(flott) Geds drüwa, geds drunta,
          wos sogstn dazua?
          Sovü hös wia a Hüdra
          und kana kriagt gnua.

(getragen) Fia a Nochricht brauchst an Njusrum, hosd kane brauchst kan,
                schreib auf auf an Zel, i bin jetzt daham.

(flott) Geds drunta, geds drüwa,
         des kummt davo,
         ma soit ned zvü redn,
         owa wos sogn soit ma do.

(getragen) Schau, wos fia a Lendmak, sogt an jeda in Wien.
                An Njusrum haums hibaut und kana kummt hin.

(flott) Geds eine, geds auße,
         geds in an, wiads da zpschpäd,
         geds hi und geds hea,
         geds aundas a und so ned.

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