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Funkhausanthologie 11. Woche 2016


Beiträge 131-140

von: Erhard Bauer, Henriette Blasl, Judith Nika Pfeifer (1–3), Ingrid Mascher, Lisa Fritsch, Robert Kraner, Hans Eichhorn, Leo Haffner


Erhard Bauer

Ich kenne das Funkhaus in der Argentinierstraße von innen seit ich siebzehn war (1971): Vorspielen mit meiner Band Dir. Erdbauer & Bagage bei Frau Eva Maria Kaiser im großen Studiosaal und mit Stellwänden, so dass wir einander nicht mehr sehen konnten (!). Später war ich bei Wolfgang Kos, der in der 03 Musicbox eine Miniaturenanthologie initiierte, je eine Miniatur pro Box sendete und auf Cassette zusammenfasste. Ich sprach mit Dr. Georg Strzyzowsky, damals war Radio NÖ. noch im Funkhaus bzw. gegenüber untergebracht, und es wurden regionale Musik und Texte gesendet. Zuletzt, in den 2000-ern, war ich von Dr. Hermann, später von Frau Edith Ulla Gasser zu Interviewaufnahmen für Öl-Texte eingeladen worden. Ich lernte Michael Dangl, Fritz v. Friedl oder Wolfram Berger kennen, die meine Erzählungen lasen. Einige besitze ich auf Cassette oder CD. Am Todestag meiner Mutter rief mich Hr. Dr. Peter Klein an, um mich zu fragen, wie ein bestimmter Musiktitel ausgesprochen wird. Dieses Stück verwendete ich dann auch beim Begräbnis. Besonders sympathisch fand ich die zentrale Lage des Funkhauses und ... die Kantine.


Henriette Blasl: Das Funkhaus in der Argentinierstraße, Zentrum der Kultur

1945 zeigte das Gebäude in der Argentinierstraße unzählige Granateneinschüsse entlang seiner Front, aus Fenstern schien es gebrannt zu haben. Hier ist geplündert worden! Innen war alles verdreckt, als eine ehemalige treue Ravag-Angestellte mühsam begann, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Und: Beherzte Techniker bastelten in geheimen Unternehmungen das Notwendigste zusammen, sodaß es bald möglich war, kurzzeitige (früh, mittags und abends) Sendungen des Öl anzubieten. (Siehe Hugo Portisch: „Ö II) Noch war das Haus in einem maroden Zustand, als es ab 1947 an Samstagabenden kurze Volksliedsendungen gab. Auch wir, der Chor „Jung Wien" unter Prof. Leo Lehner, bekamen öfters die Chance dazu. Ich erinnere mich an unsere Aufregung, wenn wir über zerstörte Stiegen in einen dunklen Raum geführt wurden, mit schwarzen Tüchern an den Wänden, indes eine Wand von einem großen Fenster beherrscht wurde. Dahinter bediente ein Mann allerhand Knöpfe an einem Apparat, Wir mußten uns ganz still verhalten, bis ein rotes Licht die Aufnahme verkündete. Wir sangen unsere Volkslieder, meistens im „Lehner-Satz“ und natürlich auswendig – nur kein Papierrascheln! Faszinierend der Gedanke, daß unsere Eltern uns daheim an den Radioapparaten hören konnten! Zwei Jahre später – wir hatten in der Lehrerbildungsanstalt Sprechunterricht – wurden Bruno Dallansky, Alfred Hülbig und ich ausersehen, im ORF poetische Texte vorzutragen. Den Anlaß erinnere ich nicht mehr, wohl aber, daß es eine Festveranstaltung war mit großem Publikum. 1998 waren wir Eltern Zuhörer im selben vollbesetzten Festsaal (diesmal bereits festlich renoviert). Das EOS-QUARTETT bot die „Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ von Joseph Haydn. Geistliche Vertreter verschiedener Religionen sprachen Texte dazu. Es war ein großes, eindrückliches Ereignis, ein Fest! 2015 inspirierte uns eine Enkelin zu einer Führung im ORF. Gepflegt das Entree, übersichtliche Anweisungen zu Studios und anderen Räumen. Ich durfte sogar in eins der kleineren Sprechzimmer gucken , von wo ich öfters meinen Enkel Raphael Sas hören konnte. Ein junger Mann erklärte den Betrieb im Haus, führte uns treppauf, treppab, sogar in den Festsaal, wo emsig für eine Vorführung bereitet wurde. Zutiefst beeindruckt von diesem funktionstüchtigen Betrieb, dachte ich an die Mühsal, mit der seit Kriegsende ein zerstörtes Gebäude zu lebendigem Vorzeige-Funkhaus gestaltet worden war, das uns großartige Musik, Poesie und lebendige Gegenwart präsentiert.


Judith Nika Pfeifer: funk funk chant (dem radio), Teil 1

es klang nach nach richten
ein wettersong die wolkendecke der nordwestwind
noch ein paar regentropfen und dann
die werbung ausknipsen
madame djane eine wellendisco
die freunde die schönsten
platten – alles funky – irre kirre
durchs radio späße ça-va-flimmern
es nicht fragen also daran drehen
die fehlenden antworten der bestsellerlisten
ohne fiktives bessersein würden wir
immerzu auf bäumen sitzen
ins wochenende fliehen und die sommer
tage als ferien vom leben dazu
gewisse freiheiten dazwischen
ein frühlingssong mit balkonaussicht
einige augenblinke bunt sein
holiday jingles als es bloß drei sender gab
über ohrenblinke eine aufregung so retro
eine ohrenschönheit vielleicht sitztanzen
ein-auf-einem-baum sitzen one
moment
keine wahl sie ziehen zu lassen
a generation got between us und alle
mit von der partie eine ritzt yoko war da live!
encore plastic bertrand TATAAA
in die ohren hinein zu den ameisen in den bauch
weil niemand gern alleine ist schicken wir
grüße: hi süße
ich bin dein
(sonst ist es weg)
ein weiterzappen i love you und so always
die welt bespielen mit silly love songs
es immerzu nach richten
wie es wohl wäre wenn du sinken würdest
tief über beide ohren und bloß
teil zu sein von allem und
wie es wohl wäre zu sagen
i was born in rio de janeiro
oder i will always



Ingrid Mascher: Hörbilder – Was gibt es Neues?

Ich habe nach einem halben Jahrhundert noch immer dieses Begrüßungslied von Heinz Conrads zu seiner sonntäglichen Funkhaus-Sendung im Ohr, kenne daraus und liebe die Cissy Kraner-Couplets, denke an meine Mutter beim täglichen Mitturnen zur Isomerie von Ilse Buck. Die sonore Stimme vom Schalldämpfer Axel Cortis, die witzigen politkritischen Texte aus dem Guglhupf und meinen ersten Bossa Nova bei Mittags Martini – all das sind mir wichtige Hör-Erinnerungen. Und in den letzten Jahren: die Todesmeldung von Brigitte Schwaiger in den Radionachrichten, ein Feature über die unendlich müde Ilse Aichinger, die nachts schlaflos Vorstadtkinos besucht. Hunderte Literatur-Rezitationen durch Burgschauspieler wie Oskar Werner, Sonja Sutter, mein geliebter Helmut Qualtinger, der wunderbar vielsprachige H.C. Artmann und die Spannung beim Zuhören haben meine Phantasie und Vorstellungskraft „entfacht“ und meine Schreiblust geweckt. Ich habe Ohren wie ein Luchs und höre „das Gras wachsen“! Nur, weil es das Funkhaus und Ö1 gab und gibt! Beide sind mir Kulturlebensmittel und in barbarischen Zeiten wie diesen überlebensnotwendig!!!


Judith Nika Pfeifer: funk funk chant (dem radio), Teil 2

be part of wenn alles teil ist
von dir zu sagen: she was
interested in music from a young age und
du die lücke schließt brisa mar
spült eine meeresbrise im mp3 format
die dinge von einst in deine ohren
es war einmal amy und auf der facebookseite
versammeln zig millionen leute
we love you galaxien
zwischen der welt die ist – einmal gil scott heron
einmal arlbergschnellstraße wechselt die reisenden
fliehen in den himmel – und der welt die du dir
wünschst auf unauffindbaren wellen
inntalautobahnbla und dazwischen
die möglichkeiten malnehmen weiterzappen
ein blinken: ein heinz von förster der sagt
wir sehen nicht dass wir nicht
sehen auf allen frequenzen
ein radioleuchten ein fingerdruck
in der (radio) stille das girl from
ipanema
diesseits der stadtgrenze
unhörbar you got me spinning berichterstatter
immerzu be part of flirrt fern eine
südosttangente du lauschst
dem rauschen der papageien
ein twittern im korridor nach brazil
die musicbox ein jugendzimmer im sumpf
ein knopfdruck ein nachtradio das
sandmännchen schläft darin
davor: ein sandmädchen noch


Lisa Fritsch

Ein beunruhigender Gedanke, dass das Radio im Funkhaus, nahe dem Stadtzentrum, zwischen Belvedere und Karlskirche, seinen Standort verlieren soll. In diesem Funkhaus, das unter Denkmalschutz steht, weil es kulturhistorisch bedeutsam ist, durfte ich mitunter Gast sein, einmal auch im Großen Sendesaal meine Gedichte lesen. Das Engagement und die Hilfsbereitschaft der ORF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
beeindruckten mich sehr. Ich fühlte mich aufgenommen, gestärkt und beschenkt. Die bejahende Atmosphäre dieses Ortes war immer etwas Wunderbares. Und jetzt soll das Funkhaus verkauft werden? Die Wirkung wäre nachhaltig. Der Verlust dieses Hauses lähmt die Freude, die geistige und künstlerische Arbeit inspiriert.


Robert Kraner:
funkhaus

ich komme aus lehm
wusste putziges
verschlug mich

vernahm  ö1
schaute funk
trat ein

argentin klingt im ohr
kopfschnurknoten entwirrt
solarplex gelichtert

welt
abseits künigl
umrundet


Hans Eichhorn
 
„Du holde Kunst“, es war jene Sendung, die mich als Siebzehn-, Achtzehnjährigen hinhorchen ließ, auf beispielsweise August v. Platen, Rilke, Hermann Hesse oder, angekommen in der Gegenwart, Ingeborg Bachmann. Wie ich heute weiß, haben das Funkhaus und das Radiokulturhaus Wien ihren Kulturauftrag nicht nur, aber auch gerade in dieser Sendung an mich erfüllt. Seit Jahrzehnten bereits erfüllen sie diesen Kulturauftrag und es ist befremdend, angesichts der Erfolgsgeschichte von Ö 1 die Struktur ihres Entstehens zerstören zu wollen. Im Gegenteil, der Hörfunk und mithin auch das Funkhaus gehören gestärkt, sie garantieren jene leisen und doch so wesentlichen Töne, die einer überbordenden Eventkultur gegenüberzustellen sind. Deshalb sei noch einmal auf diesen öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag verwiesen, auf seine dezentrale Form, bis hin zu den ORF-Landesstudios, darauf sollten wir beharren, dieses Funkhaus gehört nicht verkauft, sondern gestärkt und bestärkt. Das gehört gehört, Amen!


Leo Haffner

Das auch nach internationalen Maßstäben gemessene hohe Niveau der Hörfunksender Ö 1, FM 4 und Radio Wien ist Beweis genug, sich mit Nachdruck für den Erhalt des Funkhauses und den Verbleib der Hörfunksender Ö1, FM4 und Radio Wien im Funkhaus einzusetzen. Ich tue dies aus innerster Überzeugung. Es wäre eine Kulturschande für Österreich, das Funkhaus abzuschaffen und die außerordentlich wichtige Funktion der genannten Sender zu mißachten.


Judith Nika Pfeifer: blinkts

dieses kleine winzig kleine klitze kleine
das nicht spricht nur mucksen tut
ganz leise leise kurz blink kurz ganz kürzest
ist es da und

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