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Funkhausanthologie 14. Woche 2016


Beiträge 161-170

von: Erich Félix Mautner (1), Ernst Jantscher, Erich Félix Mautner (2), Gerhard Altmann, Maria Brunner (1), Thomas Aigner, Maria Brunner (2), Erika Kronabitter, Sieglind Demus, Elisabeth Vitouch


Erich Félix Mautner: ORF-Enterprise 1

Immer, wenn ich einen 8a-Bus vorbei fahren sehe, der ja bekanntlich auf den Küniglberg fährt, denke ich an den ORF. Vor allem an den Mühleauf-Mühlezu-Trick, der beim ORF schon so lange gut funktioniert. So nenne ich die Methode, eine Firma aus dem Firmenbuch verschwinden zu lassen und eine neue mit demselben Namen, demselben Betriebsgegenstand, demselben Personal an derselben Adresse zum selben Zeitpunkt zu gründen – und keiner merkt’s. Außer, es schaut einer auf die Firmenbuchnummer (FN). Aber wer tut das schon!

Drei Beispiele, die vermuten lassen, dass solche Verwirrungen der Unternehmensbezeichnungen durchaus beabsichtigt sind: Alle diese Unternehmen führen eine FN-Bezeichnung im Firmennamen, was darauf schließen lässt, dass sie, abseits der Frage nach der Unternehmensform, Firmen im gesetzlichen Sinne und auch im Firmenbuch (früher „Handelsregister) mit dieser Nummer eingetragen sind. Diese FN ist sozusagen der wichtigste Bestandteil der DNA eines Unternehmens. Mit ihrer Hilfe kann man die Geschichte und die Identität eines eingetragenen Betriebes zumeist bis an seine Wurzeln rekonstruieren.

A. In den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts wurde die FN 092933t „Versicherungsanstalt der österreichischen Bundesländer“, Versicherungsaktiengesellschaft im Nachhall der Lucona-Affäre von zahlreichen Skandalen und Prozessen geschüttelt, bis es sie nicht mehr gab. Die seriöse FN 092933t „UNIQA Versicherungen AG“ ist hingegen ein untadeliges Institut, dem nichts so fern läge, wie etwa Politiker oder Teilorganisationen einer Partei zu finanzieren. Ein Blick auf die Firmenbuchnummer beseitigt alle Zweifel: Die „Bundesländer“ und die „UNIQA“ sind identisch.

B. Die Vermittlerin von Tauschgeschäften, die Wiener FN 239741k „abc markets B2B Communication Service GmbH“ wurde 2006 zur FN 239741k „abc markets development GmbH.“ Vier Tage darauf wurde aus der FN 093547w „BCI Barter Clearing & Information Gesellschaft m.b.H.“ die FN 093547w „abc markets B2B Communications [das „s“ dürfte ein einmaliger Schreibfehler im Firmenbuch sein] Service GmbH“. Wem also danach ist, die FN 239741k „abc markets B2B Communication Service GmbH“ zu klagen, klagt falsch, weil es sie gar nicht mehr gibt.

C. In der schönsten Urlaubszeit, am 3. August 2011, wurde das bei Künstlern so beliebte Veranstaltungs- und Vermittlungsbüro des ORF, die FN 180974p „ORF-Enterprise GmbH“ gelöscht. Die Trauer hielt sich in erträglichem Rahmen, schon weil das gar niemandem aufgefallen sein wird. Im Gegenzuge, am selben Tage, ward die FN 366148d „ORF Promotion & Programmservice GmbH & Co KG“ gegründet, die aber mit der FN 180974p gar nichts mehr zu tun hat, und gleichzeitig die FN 363481g „ORF-Enterprise Beteiligungs GmbH“ in FN 363481g „ORF-Enterprise GmbH“ umbenannt.


Ernst Jantscher: Bitte ned am Küniglberg! Fünf Mundart-Limericks

Kunst und Medizin,
Lebensfrog'n und Lebenssinn,
den Geist der Argentinierstroß'n
find st in kana aundan Goss'n.
Auf Öl do geht's dahin.

Wer draht im oid'n Funkhaus
da Kultur die Liachta aus?
Finga weg vun da Argentinierstroß'n!
Wos funktioniert soll ma a loss'n!
Nur kann Wickl! O Graus, o Graus!

Da söbstherrliche Orf,
hot am Berg a eiganes Dorf.
Jetzt mochta Stunk,
und verlegt duathin den Funk.
Rundfunkfreunde, moch ma schorf!

I tua so gern Radio hörn,
oba vum Küniglberg owa tat's mi stör'n.
Den schenan Sendesaal,
gibt's duat auf keinen Fall.
Stott erhoit'n, woll'n's zerstör'n!

Radiohöra und Kolleg'n!
Wer is dafür und wer dageg'n?
Wer is um a Mochtwort ned verleg'n?
Wer gibt dazua sein Seg'n?
Steht die Kultur allan im Reg'n?


Erich Félix Mautner: ORF-Enterprise 2

Die „ORF-Enterprise GmbH“ gibt es scheinbar ununterbrochen bis heute. Dabei ist das jetzt eine andere, neue „ORF-Enterprise“ – die eher zufällig auch so heißt, weil der Gesetzgeber, der gleichzeitig den Eigentümer der ORF-Firmen repräsentiert, solche Spiele zulässt. Personen, die mit der FN 180974p „ORF-Enterprise GmbH“ vor dem 3. August 2011 Verträge abgeschlossen hatten, merken, dass es diese gar nicht mehr gibt, erst, wenn sie eine Forderung an diese haben und die sechs Monate und einen Tag nach dieser Rochade einfordern möchten. Oder wenn sie auf die Firmenbuchnummer der 363481g „ORF-Enterprise GmbH“ schauen. Aber, wer macht das schon? Außer mir?

Dieses (durch die Aufsichtsbehörden zu hinterfragende) Spiel spielte die Agentur des Staatssenders auch schon plumper: Am 31. März 1999 wurde die FN 130583i „ORF-Enterprise Gesellschaft m.b.h.“, damals noch in der Diefenbachgasse 35, gelöscht, am selben Tag die FN 180974p „ORF-Enterprise Gesellschaft m.b.H.“ im Firmenbuch neu eingetragen!

Offenbar geschahen diese ORF-Enterprise-Firmenlöschungen und die Neueintragungen oder Benennung der neuen ORF-Enterprise zeitgleich, denn sonst hätte es ja kurzfristig zwei ORF-Enterprise gegeben – oder gar keine. Was spannende Rechtsfolgen gehabt haben könnte.

Da die Methode, weil offenbar legal, ungestraft und erfolgreich funktioniert, wurde die Innsbrucker 356323f „ORF Landesstudio Service GmbH“ am 7. Oktober 2014 gelöscht und ist in der FN 420197 „ORF Landesstudio Marketing GmbH & Co KG“, die’s vorher noch nicht gab, aufgegangen. „Den Gläubigerinnen/Gläubigern der umgewandelten Kapitalgesellschaft ist bei Gefährdung ihrer Forderungen vom/von der Nachfolgerechtsträger/in, wenn sie sich binnen 6 Monaten nach dieser Bekanntmachung zu diesem Zwecke melden, Sicherheit zu leisten, soweit sie nicht Befriedigung verlangen können.“ Am selben Tag, am selben Ort, mit dem selben Aufsichtsratsvorsitzenden und dem selben Geschäftszweig wurde die 420184v „ORF Landesstudio Service GmbH“ eingetragen (möglich, dass das Herr Mag. Kurt Rammersdorfer besser erklären kann).

Anmerkung des Autors: Ich habe, um sicher zu gehen, die Verknüpfungen im ORF-Netz richtig dargestellt zu haben, nach Art ordentlicher Recherche, bei der ORF-Presseabteilung nachgefragt, und wurde dort an den angeblich zuständigen Herrn Mag. Faulmann verwiesen. Der konnte mir das telefonisch nicht beantworten und einen Sachkundigen in der Firma, wenigstens einen („Beim ORF sind, auf Vollzeitstellen umgerechnet, 4.280 Personen beschäftigt. Eine Statistik mit offiziellen Zahlen des ORF gibt für Ende 2011 2941 Beschäftigte an“, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichischer_Rundfunk#Mitarbeiter, 9. August 2014), wollte er mir nicht nennen. Ich sollte ihm mailen, was ich hinterfragt haben wollte – was ich tat. War’s übertriebene Kundenfreundlichkeit oder ein ausgeklügelter Marketinggag, die erhellende Antwort nach einer Woche war jedenfalls wenig detailreich: „Sehr geehrter Herr Mautner, das ist ja eher eine Hetzschrift als ein Fragenkatalog. Wie kommen Sie überhaupt auf Seite 4 darauf, der Geschäftsbericht verschweige einige Tochterfirmen? Ich dachte, Sie wollten Fragen schicken, Lg Rudolf Fehrmann.“ Schmecks, Kropferter! Baba und foi ned.


Gerhard Altmann

Die windräder mischen die luft
Wirbeln wolken- und schallwellen
Heben mit ihren weißen händen
Die augenerfahrungen – das wort
via ö1 von mayröcker verschenkt – in
Mein bewusstsein
Ich nehme wahr
Was war
ist
wird

Im äther wird es andré heller
Und dann ganz bodo hell
Ich bereise ferne länder
Wenn ich karls platz verlasse
Und in die straße der argentinier biege
Fremde botschaften passiere
Bis ich im funkhaus wohne
In café sonntags akustischen waldkaskaden
Prallen worte & treffen
Das ohr der seele
Das poetische organ


Maria Brunner: Meine Hoffnung, mein Wunsch, meine Intention, mein Appell, mein Vertrauen, mein Glaube daran, dass das Funkhaus in der Argentinierstraße in 1040 Wien bestehen bleibt (1)

In der Zeit von 1987 – 1990 war ich Repräsentantin von Who is Who in Österreich, beim Schweizer „Who ist Who“ Verlag für Prominenten Enzyklopädien AG. In dieser Zeit habe ich auch für „Who is Who“ in Österreich Interviews im ORF am Küniglberg gemacht und mit dem Leiter der Nachrichtenabteilung im ORF Funkhaus in Wien. Es war ein sehr interessantes
Interview, und ich, die ich sehr fasziniert war und bin von Nachrichten-Sendungen, habe damals beim und nach dem Interview daran gedacht, den Leiter der Nachrichtenabteilung des ORF Funkhauses zu fragen, ob es eine Möglichkeit für mich gäbe und gibt, für die Nachrichten zu arbeiten und wie die Voraussetzungen dafür wären und sind. Aber es blieb bei meinem Gedanken und Wunsch, den ich damals leider nicht ausgesprochen habe. Dadurch konnte ich natürlich keine Antwort bekommen, weil ich diese Frage nicht einmal gestellt und mir nur gedacht und gewünscht habe, Hörfunk-Nachrichten-Mitarbeiterin zu werden und zu sein. Ich hatte auch noch ein weiteres Interview im ORF Funkhaus mit Ingrid Thurnher für „Who is Who“. Beides, die Interviewten und Interviews im Funkhaus waren sehr faszinierend und interessant für mich, es war und ist wohl doch die eigene Atmosphäre im Funkhaus.


Thomas Aigner


hölderlin ächzt
jahr lang von klippe zu klippe geworfen
steige ich die fassade des funkehouses empor,
folge ihm
heinz conrads steht auf als dunkler fürst aus seinem grabe, feiert aus schweifende feste
mit pussy riot
gustav zelibor begleitet als musiker  pink floyd
house tanze ich
nicht
besetze es lieber
jahre vergangen
jahre auf der durchschwitzen autobank des opel rekord
ein tropfen chat noire ins schwechater bier
und all die jahre wurden hart und versanken
und doch
es gibt keine nachsicht
funk & house
bleiben


Maria Brunner: Meine Hoffnung, mein Wunsch, meine Intention, mein Appell, mein Vertrauen, mein Glaube daran, dass das Funkhaus in der Argentinierstraße in 1040 Wien bestehen bleibt (2)

Das ORF Funkhaus in die Argentinierstrasse, 1040 Wien, gehört und passt wie
das Schloß Belvedere zur Prinz Eugen Straße in 1040 Wien gehört und passt. Als vor ca. zwei Jahren die Diskussion war, ob der ORF vom Küniglberg in 1130 Wien nach St. Marx in 1030 Wien kommt, habe ich gehofft, gebetet und geglaubt, dass der ORF am Kündiglberg in 1130 Wien bleibt und nicht nach St. Marx kommt. Und Gott sei Dank, so war es auch, und ist es auch.
Und ich hoffe, und ich bete und ich glaube, dass auch das ORF-Funkhaus in 1040 Wien erhalten bleibt. Es ist der Ort, wo das ORF Funkhaus hingehört, und es sollte erhalten bleiben, im Interesse der Pressefreiheit, im Interesse aller Hörer. Und damit das Realität wird und bleibt, muss in uns allen, denen das am Herzen liegt, und denen das wichtig ist, dass das ORF Funkhaus in 1040 Wien bestehen bleibt, das Feuer der Begeisterung brennen. Denn ein Dichter schrieb einmal: „In uns muss brennen, was wir in andern entzünden wollen.“ Und wir müssen nicht nur daran denken, sondern vielleicht vorzugsweise auch etwas tun. Wir sollten, alle, die das wollen, diese Initiative unterstützen, damit sie im Sinne und im Interesse der Rundfunkhörer und Rundfunkgebührenzahler realisiert werden kann und das ORF Funkhaus in 1040 Wien bestehen bleibt.


Erika Kronabitter

Funkhaus

Fufufufufufufufufunk
Hauauauauauauauauaus
Fufufufufufufufufunk
Hauauauauauauauauaus
Fufufufufufufufufunk
Hauauauauauauauauaus
Fufufufufufufufufunk
Hauauauauauauauauaus
Funk
Aus
Im Funkhaus
?


Sieglind Demus: Was gibt es da zu hören?

Die Beifahrertüre ging auf und sie rutschte auf den Sitz, neben mich.
„Was gibt es denn da zu sehen?“
„Gar nichts“.
„Warum steigen Sie montags nie gleich aus, wenn sie nachhause kommen?“
Immer schon hatte ich vermutet, dass unsere Concierge, wie ich sie heimlich nenne, hinter der Gardine steht. „Ö1“, flüstere ich und deute aufs Autoradio.
„Eine Geschichte?“
„Neue Texte aus Österreich. Psst“.
„Kann ich?“
In unserem Mehrparteienhaus hat eigentlich niemand Zeit, das Wichtigste tauschen wir im Vorbeilaufschritt aus. „Sicher, bleiben Sie nur.“
Maurice, von Haus nebenan lief zwei Wochen später auf mein Auto zu, öffnete die Türe zum Rücksitz. „Was gibt es denn da zu sehen?“
„Psst.“ „Psssst.“
Seither sitzen wir oft am Ende des Tages zusammen im Auto, zählen Sterne, hören „Literatur“, wie beide betonen.


Elisabeth Vitouch

4h30 früh, Finsternis, Schneeregen, zu Fuß unterwegs in die Argentinierstraße 30a zu „Guten Morgen, Wien“... Kein Mensch auf der Straße, nur die Kirchturmuhr von St. Elisabeth in Richtung Südbahnhof gibt Gewissheit: Rechter Ort, rechte Zeit! Grellerleuchtetes Foyer, verschlafener Portier, muffiger Tonmeister – und ein Plattenstapel für 3 Stunden Moderation. Schnell noch einen Cappuccino aus dem Automaten, Tageszeitungen vom Vorabend als "Futter" für die Sendung, die Signation läuft schon, Kopfhörer auf, Rotlicht an: „Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, heute ist Montag, der 4. Jänner 1989, es war soeben 5 Uhr!“ Gleicher Ort, andere Zeit. Mit dem Auto und 30 ausgewählten Schallplatten gegen Mittag auf dem Weg ins Funkhaus zu „Autofahrer unterwegs“. Wieder einmal weit und breit kein Parkplatz (Stellplätze gibt's nur für Angestellte, nicht für „Freie“). Schau, dass Du den Kübel irgendwie loswirst: Die Mittagsglocken warten nicht ... Gerade noch geschafft, das Band mit der berühmten Kennmelodie von Karel Krautgartner läuft bereits, ein gutgelaunter Gast (der ARBÖ-Verkehrsjurist) wartet auf seinen Auftritt, dann ein Handzeichen des Toningenieurs: Schon sind wir live auf Sendung!

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Veranstaltungen
Junge LiteraturhausWerkstatt – online

Mi, 15.04.2020, 18.00–20.00 Uhr online-Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du...

Super LeseClub mit Diana Köhle & David Samhaber - online

Mo, 20.04.2020, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Lesen ist deine...

Ausstellung
KEINE | ANGST vor der Angst

virtuelle Ausstellung 6. April bis 30. Juni 2020 www.erichfriedtage.com Besuchen Sie die...

Tipp
REANIMATION LAGEBEZEICHNUNG
flugschrift von Christian Steinbacher

Lediglich in Stichwörtern, ja so möchte sich eine besonnene Konzeptliteratur verwirklicht...

Incentives – Austrian Literature in Translation

mit neuen Beiträgen zu Marco Dinic, Raphaela Edelbauer, David Fuchs, Nadine Kegele, Angela Lehner,...