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Ferdinand Schmatz: das gehörte feuer. orphische skizzen.

Innsbruck-Wien: Haymon Verlag, 2016.
Leinen mit Schutzumschlag; 246 Seiten; 19,90 Euro.

ISBN 978-3-7099-7237-3.

Autor

Leseprobe

Als ich in diesem Buchmagazin den Gedichtband „quellen“ von Ferdinand Schmatz besprochen habe, habe ich abschließend angefügt, was ich hier einleitend wiederholen möchte: Es ist – nach den heutigen Zeitläuften - keineswegs selbstverständlich, dass ein Gedichtband erstens ansehnlich und zweitens in gebundener Ausführung, mit Qualität also, herauskommen kann, obwohl beides für die Literatur eigentlich unabdingbar ist. Vor allem für gute. Und diese ist es. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass sich Buchdruckqualität und Dichterkunst in den „quellen“ gleichsam die Hände reichen. Kürzlich, und zwar am Tag der Lyrik 2016, habe ich in der „Presse“ Ähnliches geschrieben, als ich wieder einmal ein überzeugendes Plädoyer für die zeitgenössische österreichische Lyrik halten wollte - und es freut mich, dass ich jetzt erneut konstatieren kann, dass der Haymon Verlag Ferdinand Schmatz ein ansehnliches Buch gedruckt hat. (Der „feuer“-Band verdient es.)

Dieser österreichische Avantgardist, im Übrigen einer unserer wenigen, ist nicht nur imstande, seine Sprache aufzuschichten, sondern palimpsestartig auch die anderer. Er ist ein Dichter, dem schrille Farben und Töne fremd sind, er ist ein Dichter, dem die Sprache vertraut und nahestehend ist und der mit ihr in den besten Fällen spielen kann. Er gehört zu jenen seltenen Wortkünstlern, die auf subtile und eigenwillige Weise, wie gesagt, das Erbe der österreichischen Avantgarde „weiterschreiben“. Und um es noch einmal anders zu sagen, er spielt auf der reichen Klaviatur der deutschen Sprache virtuos, so auch im „gehörten feuer“, in dem er unscheinbare Nuancen, das heißt, Sprachabtönungen, zum Klingen bringt.
Im neuen Band, einem Glanzstück, begegnet Ferdinand Schmatz in Annäherungen und Verwandlungen der orphischen Motive – in einer eigenwilligen Auswahl beziehungsweise Zusammenstellung - drei überragenden Künstlerpersönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts, und zwar dem italienischen Filmregisseur sowie friulanischen Dichter Pier Paolo Pasolini (Poesie a Casarsa, 1942), der exemplarischen Hollywood-„Ikone“ Marilyn Monroe und dem Opernsänger Joseph Schmidt, der auf der Flucht vor dem Nazi-Terror sein Leben verlor.
Beginnend am Ursprung des Mythos, jenem Ort, an dem die Sprache geboren wird, breitet Ferdinand Schmatz seine präzisen Prosaskizzen und sinnlichen Gedichte aus. Sanft zieht er den Gesang des Orpheus ein. In der Berührung mit dem dichtenden Ich schillern die Figuren in ihrer poetischen Inszenierung – in ihrem immer vergeblichen Versuch, durch die Kunst den Tod zu überwinden.
Es ist, wie man so schön sagen kann, kein „leichtes“ Buch, das Schmatz geschrieben hat. Im Gegenteil, es ist ein vieldimensionales Sprach-Feuer-Werk, es ist eine magische und klangvolle Lektüre, ein Erlebnis, das man nur adagio erleben und –lesen darf. Jedenfalls sollte. „der schreibende sucht nach wort- und/ bild- und klang-bezügen“ (S.6). Er „liest in ovids metamorphosen und/ schaut videos von paolo“ (S.27). Er schreibt Prosaskizzen und Gedichte. Und wie. In der europäischen Literatur kenne ich nur ein weiteres Buch, das derart außerordentlich und geglückt ist, nämlich die „Eingewebte Spur“ des slowenischen Meisters Niko Grafenauer.
„der schreibende liest weiter in der biographie/ zu joseph schmidt“ (S.83), „der schreibende liest zu schmidts tod“ (S.85), dann liest „der schreibende … über marilyn monroe“ (S.170), immerzu liest er, um über Paolo, Joseph und Marilyn schreiben zu können. Er hat geschrieben, „um zu klingen auf/ nach dir sich zu drehen am offenen/ feuer zu sehen, was schatten sind/ ihre, im mund dann zu zeigen des auges gesang“ (S.246).

Wendelin Schmidt-Dengler hat gemeint, Ferdinand Schmatz sei „sensibel und nicht gefühlsduselig“, er sei „witzig und nicht spaßig, genau und nicht spröde, rätselhaft und nicht unklar, subjektiv und nicht diffus, formbewusst und nicht formalistisch“, was wie ein letztinstanzlicher Spruch auch für „das gehörte feuer“ stehen bleiben soll.

Janko Ferk
14. April 2016

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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