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Julya Rabinowich: Krötenliebe.

Roman.
Wien: Deuticke Verlag, 2016.
192 Seiten; geb.; Euro 20.50.
978-3-552-06311-2.

Autorin

Leseprobe

Beim nächsten Spaziergang entlang der Praterallee wird sich meine Aufmerksamkeit auf die Straßenschilder richten: Um jenes zu finden, das in knappen Worten an das Vivarium erinnert, eine biologische Versuchsanstalt, die einst in dieser Gegend stand.
Julya Rabinowich (Die Erdfresserin, Herznovelle, Spaltkopf) spürt in ihrem neuen Roman „Krötenliebe“ einem Ausschnitt der Wiener Geschichte nach – und widmet sich dabei unter anderem einem bedeutenden Wiener, der aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden ist: Paul Kammerer. Der Biologe experimentierte mit Salamandern und Geburtshelferkröten und wurde zum umstrittenen Vater der Epigenetik. „Wenige Menschen kennen Paul Kammerer und sein Werk - während Kokoschka und Alma Teil des Wiener Kanons sind, an sie erinnert man sich gerne“, schreibt Rabinowich auf den letzten Seiten ihres Romans. Zum Ende einer Geschichte, die eben dieses Dreiergespann im Zentrum hat.

Alma Mahler und Oskar Kokoschka. Schnell kommen Assoziationen auf, diese berühmten Figuren des Fin de Siècle meint man zu kennen, hat vielleicht eine Ausstellung besucht, einen Film oder eine Doku gesehen, ein Buch gelesen. Sie waren Femme Fatale und Enfant Terrible der Wiener Kunstszene. Rabinowich geht aber einen Schritt weiter, beleuchtet tiefer die intimen Seiten dieser Figuren und ihre Beziehung zueinander und webt Paul Kammerer mit ein.
Dabei wechselt die Autorin immer wieder die Perspektive, macht auch zeitliche Sprünge vor und zurück, die allerdings nicht verwirrend sind, da stets gut eingeleitet. Sie zeigt die verletzlichen – und zugleich bizarren – Seiten der Figuren: Kokoschka etwa, der seiner großen Liebe Alma so dermaßen verfallen ist, dass er eigens eine Puppe nach ihrem Ebenbild anfertigen lässt. Diese isst mit ihm, schläft und lebt mit ihm - und wird von Dienstmädchen Reserl versorgt. Ja, sogar als Sextoy verwendet er die Puppe.
Stark sind vor allem die Passagen, in denen Rabinowich Almas Leben beschreibt. Sie führt dabei auch in Almas Kindheit: schildert die Bedeutung ihres Vaters Emil Jacob Schindler, und dessen Verlust. Ein Leben lang wird sie der Tod des Vaters prägen und mitunter Grund für ihre vielen Affären als Erwachsene sein. Das Verhältnis zur Mutter, die sie als Kind beim Sex mit dem Liebhaber erwischt, ist deutlich schwieriger. Später wird Alma selbst Mutter von Töchtern (aus unterschiedlichen Beziehungen). Das Rad dreht sich weiter.
Kammerer ist unter den Dreien die tragischste Figur. Er baut sich neben seiner Familie (Frau und Kind) eine Parallelwelt auf, in der er sich nach Alma verzehrt. Als der Verdacht aufkommt, dass seine biologischen Versuche gefälscht sind, nimmt er sich auf dem Schneeberg nahe Wien das Leben.

Immer wieder spricht Autorin Rabinowich das Kaleidoskop in ihrem Text an: Mit jeder Drehung entstünden neue Bilder und Konstellationen. Dieses Kaleidoskop hat sie versucht mit Sprache nachzustellen, der Leser gleitet von einer Figur, einer Szene zur anderen. Wird dabei von Wien nach Dresden, Venedig und auf den Semmering geführt.
Rabinowichs Stil eignet sich für diesen Aufbau perfekt: Kurze, pointierte Sätze – manches Mal stakkatorartig – sorgen für Tempo sowie aufgeladene Stimmung und schaffen es die tiefen Emotionen spürbar zu machen.

Emily Walton
20. April 2016

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

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