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Funkhausanthologie 25. Woche 2016


Beiträge 271-280

von: Manfred Greisinger, Karin Klug, Martin Amanshauser, Herbert Pietschmann, Ulrike Söllner-Fürst, Miriam H. Auer, Gaby Eder, Josef Graßmugg, HK Gruber / Franka Lechner, Markus Köhle

 

Manfred Greisinger: Funkhaus? LIVE!

Funkhaus ... Das war ... „die große, weite Welt“! – Erstmals auf SENDUNG ... LIVE ... hörbar im ganzen Land. Es war vor genau 30 Jahren, als ich, der „21-jährige Jungmitarbeiter“ im „Aktuellen Dienst von Radio NÖ“ erstmals live die „NÖ-Landesrundschau“ moderieren sollte ... Nach 18 Uhr ... Die arrivierten Redakteure hatten schon Dienstschluss. Und je näher meine 1. Sendung rückte, umso verzagter wurde ich. In mir sammelten sich die Puzzleteile zu einem Albtraumbild, wonach ich bei Rotlicht stumm vom Moderatorensessel kippen würde ... Noch zehn Minuten bis zur Sendung, meinte die Sekretärin – mit dem Appell, mich nun endlich ins Studio zu begeben. Mein Bangen, mein Hadern, ja, meine Furcht, die zur Panik ausarten konnte, nahm nur EINER wahr: der Redakteur – und feinfühlige Literat – Klaus Wohlschak, der im Begriff war, nun ebenfalls nach Hause zu gehen. Nicht, ohne mir, dem „Redaktions-Benjamin“ alles Gute für's Erste Mal zu wünschen. Auf seine freundliche Frage, ob er noch etwas für mich tun könne, hatte ich prompt die Antwort parat: JA, die Sendung FÜR MICH moderieren!!! Mit einem verständnisvollen Schmunzeln machte er mir den Gegenvorschlag: er würde sich – mit kopierten Moderationsunterlagen – neben mich ins Studio setzen, und falls ich, entgegen seiner Erwartung, tatsächlich kein Wort live herausbrächte, dann, ja dann würde er eben für mich einspringen ... So nahmen wir BEIDE im Abend-Nachrichten-Studio Platz, mit Kopfhörern bereit vor dem Live-Mikro ... Ich spüre noch heute seine unterstützende Hand auf meiner Hand ... als das Rotlicht anging ... und ich mich sprechen hörte ... fließend ... höflich ... fehlerfrei. Mit einem Blick zu meinem großherzigen Redaktions-Mentor – und noch immer (!) Freund Klaus, der mein „1. Mal live“ mit seinem wohlwollenden Nicken zu einem Lebens-Erfolg werden ließ. Danke, noch heute, ihm und dem Funkhaus ...                                                                        

P.S.: Klaus und ich sind längst nicht mehr beim ORF. Das Landesstudio NÖ hat – in der wohl irrigen Annahme, sich's zu verbessern – das feine Funkhaus verlassen. Und doch möge dieses edle Wiener Funkhaus weiterhin ein Haus der Chancen, Zuversicht der gelebten Radio-Kultur bleiben!


Karin Klug

Das Radio. Gehört zu meinem Leben. Mit größter, schwer verzichtbarer Selbstverständlichkeit. Ich höre es täglich. Immer schon. Zumindest soweit ich zurückdenken kann ... Zuerst die Musiksender. Ö3 und Co. Rauf und runter. Kassetten aufnehmen. Meine Sammlung wächst. Dann allmählich der Schwenk zu Ö1. Ich stelle fest, dass Ö1 meinem Denken und Fühlen guttut. Ich lerne viel. Und wenn ich traurig bin, einsam, verzweifelt – Radio aufdrehen ... das kann helfen. Eine Sendung über irgendein Thema. Das anfängt, sich in meine Gehirnwindungen zu schleichen. Das anfängt, meine trüben Gedanken zu verdrängen. Die schlechte Stimmung, den Kummer, den Weltschmerz, den Ärger, die Angst. Das den Grübelstrom in meinem Kopf durchbricht. Da draußen geht das Leben weiter. Da gibt es eine größere Welt, sachliche Welt, eine spannende Welt – die mein Interesse wieder weckt. Die meine Gefühlschaos relativiert. Es gibt noch so viel anderes außerhalb meines gerade lädierten Mikrokosmos. Das Leben geht weiter. Ich erfahre, wie Ameisen kommunizieren, wie technische Geräte funktionieren, was der Bundespräsident heute gesagt hat, wie ein bekannter Künstler sein Leben und seine Beziehungen gestaltet, was es mit dem Buddhismus auf sich hat, wie man Zitronenhähnchen kocht. Ich höre erstmals Martin Grubinger spielen und erfahre, was ich gegen Bandscheibenvorfall tun kann und wie das Wetter morgen wird. Leidenschaftlich gerne höre ich Sendungen, die mich in andere Länder, Städte mitnehmen, die mich am Leben an anderen Orten dieser Welt teilhaben lassen.  Ich kann die Musik dort hören, die Geräusche, die Stimmen der Einwohner. Es werden Gerüche beschrieben und Bilder, ich sehe sie vor mir, die fernen Gegenden. Ich mag auch die Literatursendungen, die Buchbesprechungen, die Menschenbilder, die persönlichen Gespräche mit interessanten Menschen. Und immer wieder Musik. Klassisch. Modern. Jazzig. Schmankerln. Raritäten. Klänge aus aller Welt ... ich lasse mich immer wieder gerne überraschen. Es gehört zu meinem Leben, das Radio. Bis heute.


Martin Amanshauser: VTZT

Für mich ist Funkhaus ganz Von Tag zu Tag
mit Rosenberg und Stella Damm und wen es sonst noch gibt und gab.

Ich lernte die Signation so um 1978
im Radio meiner Oma kennen, die die Sendung liebte.

Ich hasste sie, wie nur ein Kind
was hassen kann. Ich fand es unbeschreiblich dumm

dass jeder, wirklich jeder, in den Äther kam
und sagen konnte, was er wollte. So verrückt

so demokratisch wollte ich die Welt nicht sehen.
Ich sagte, Oma, gehen wir doch ins AYA-Bad zum Schwimmen!

(Ich dachte „Eier-Bad“, ich fand das Wort normal.)
Wir blieben. Mit der Zeit fand ich Von Tag zu Tag erträglich.

Wir lachten über diese Menschen, die
zu Affen sich nur machen konnten, wenn sie atmend, ventilierend

ganz plötzlich in der Leitung standen wie ein scheues Tier auf einer Lichtung.
Ich lernte Voyeurismus. Klar, so lernt man den.

Und über viele Jahre, ohne AYA-Bad-Besuch, da dachte
ich oft, jetzt ruf ich an, ich mach euch jetzt zur Schnecke.

Doch nichts geschah. Ich ließ die Sendung leben.
Sie lebte, das verstand ich, von der Selbstentblößung.

Und wie nichts anderes im ORF bewies sie Leben.
Es gab die Patzer, und die elenden Verpatzer, die verdeckten Nazis und die Dramen

Von Tag zu Tag war Daily Soap mit abgesteckten Regeln.
Am Ende war ich selber jemand, den sie zu sich nahmen

Bei meiner Wenigkeit, da riefen gerne Irre an
der Schneidermeister Mikschitz ebenfalls, der irgendwann verstummte.

Ich ließ mich provozieren. Schlug zurück. Ich wurde leise, böse.
Und heute bin ich ruhig und aggressiv, ich bin das alles gleichermaßen.

Doch niemand kann mich mehr erschüttern. Niemand kann mir
die Beine wegziehn in Von Tag zu Tag.

Als Hörer drehte ich sie neulich auf, da rief ein Kranker an,
das Herz des Voyeurists in mir, es hüpfte bis zum Funkhaus-Dach:

„Ich war in Spalten von Gebirgen und von Frauen“,
das sagte er. Mir wurde klar: Der Sendung

ist immer noch das meiste zuzutrauen.


Herbert Pietschmann: Erinnerungen an das Funkhaus

Zwischen 1974 und 1984 hatte ich regelmäßige Schulfunkserien über Physik. Die Aufnahmen wurden oft  in den Holzbaracken gegenüber dem Funkhaus aufgenommen. Im Sommer heizten sich diese Baracken so sehr auf, dass eine vernünftige Arbeit bei geschlossenen Fenstern nicht  möglich war. Also mussten wir die Fenster öffnen, was bei ruhiger Verkehrslage durchaus möglich war. Eines Tages jedoch läuteten gegen Ende meiner Aufnahme die Kirchenglocken; wir entschlossen uns, dies als Hintergrundgeräusch zu belassen. So mündete meine Schulfunksendung über die Erhaltungssätze der Physik in einem fernen, aber deutlichen Glockenläuten.


Ulrike Söllner-Fürst: Als ich einmal im Funkhaus war

Gerade hatte ich in der Volksschule das Lesen gelernt – schnell und gründlich – da schenkten mir die Eltern ein Buch: Die Hochreiterkinder – das Leben einer Försterfamilie mit drei Kindern auf dem Land mit Katz und Hund und Dorf und grünem Wald. Wie konnte ich mich damit identifizieren, denn so war ich auch aufgewachsen – mit Lehrer-Eltern, Katz und Wald und Dorfbäcker! Und allabendlich hatten wir Kinder vor dem Zubettgehen noch das Traummännlein hören dürfen aus einem knirschenden Volksempfänger, in dem es offenbar wohnte: gib mir deine Hand, komm mit ins Träumeland, mach die Augen zu, dort sind wir im Nu. Unterdessen waren wir allerdings (ich war zu dem Zeitpunkt gerade sechs gewesen) in die Großstadt übersiedelt, wo der Vater eine neue Stelle angetreten hatte. Eine traumatische Erfahrung für das Kind, das in den grauen Straßenschluchten viele seiner Kinderträume einbüßte – aber ein Wunder geschah. Es gab nämlich auch einen Fortsetzungsband der Hochreiterkinder, die ebenfalls mit dem Vater in die Stadt hatten ziehen müssen und wie ich darunter litten. Und in diesem Buch mit heißem Herzen verschlungenem Buch fand sich auch eine aufregende und erhellende, meinen erwachenden Wissensdurst stillende Episode: die kleine Lorli verliert unter dramatischen Umständen an einer einschüchternden und gefährlichen Rolltreppe ihre Puppe – und wird – ein mitfühlender Radioredakteur hat den Vorfall beobachtet – ins Funkhaus eingeladen. Und mit ihr, sozusagen in den Text einsteigend, darinnen wohnend, wie weiland das Traummännlein im Radio, kam auch ich in die Argentinierstraße 30. Ich sah alles ganz genau – mit Lorlis Augen: einen taghell erleuchteten Saal – und das, obwohl es keine Fenster gab, eine Glaskabine, darin vor Schaltern und Reglern einen Mann mit Kopfhörern, den Ton-in-gen-ieur (ein schweres Wort für das Volksschulkind), Mikrophone ... und den freundlichen Radioonkel. Die Lorli im Buch mag selig gewesen sein, weil sie, nachdem sie ihre Geschichte da hatte erzählen dürfen, eine neue Puppe bekam, die der kaputtgegangenen aufs Haar glich, ich aber war restlos begeistert, weil ich endlich wusste, woher die geliebte Traummännlein-Stimme gekommen war und zu der Zeit, es muss das Jahr 1962 gewesen sein, wohl immer noch kam. Das also war der wunderbare, aufregende Ort, dem ich die Musik und die Geschichte verdankte, die ich unterdessen auch tagsüber hörte: ein Technik-blitzendes, leuchtendes, wunderbares „Funkhaus“. Das Bild habe ich nicht mehr vergessen. Seiher sind 55 Jahre vergangen. Beides – das zerlesene Kinderbuch und das Funkhaus – gibt es immer noch. Auf das Buch werde ich aufpassen. Auf das Funkhaus, so ist zu hoffen, die guten Geister.
 

Miriam H. Auer: Am Dach das Wort

Wenn ich von euch höre, wie die Welt ist, wer das Wort hat, was sonst die Nacht uns nur sagt, kann mein Ohr an mir bleiben, weil ich es nicht selbst ans Feuer legen muss, weil ihr das für uns macht und wagt. Doch auch ihr müsst von irgendwo aus erzählen, braucht ein Dach über dem Wort. Denn die Wahrheit sucht die Ohren, will den Menschen als Wirt. Ihr schaut für uns in das Brennen, beschreibt es uns ganz genau. Man kann euch doch nicht nehmen, was euch beherbergt, wenn ihr schaut. An alle die, die zu uns sprechen, man belasse euch das Haus, das euch ganz Ohr macht, ganz aufmacht und im Beschreiben genau. Ich kann daheim sein, auf Reisen, bei der Arbeit oder so, ganz verloren, verlassen oder gefahren, aus der Haut. Im Hotel kann ich euch hören, auf der Straße, im Bett, in Gedanken, in der Hoffnung, im Keller und nach dem Sonett, wenn ein Bericht, eine Geschichte ganz tief in mich geht: Es ist wahr, sagt dann die Niere. Es hört sich gut an, meint das Zwerchfell vibrierend, findet das Ohr natürlich auch. So wie manchmal beim Entscheiden, hört euch oft auch mein Bauch. Müsste ich mein Haus missen, säße mein Wort in mit Transparenten demonstrierend davor. Denn ist es nur ohne Dächer, wird es nicht weniger laut. Doch steht  es dann einmal im Regen, verwässert es oder taut. Und man kann es vielleicht irgendwann nicht mehr hören, wenn niemand mehr nach ihm schaut. Da wäre dann eine Stille, die sofort jeder hört. Ihr sitzt leise auf der Straße, schaut ins Feuer, das geht aus. Wer würde uns nun wirklich erklären: Wer war das, wer löste es aus? Wenn ich in Wien war, bin ich oft vorbeigegangen, traute mich aber nicht hinein. Ich wollte zwar nicht draußen bleiben, aber hörte mich wenigstens ein. Bis dann, einfach so, eines Tages, am Funkhausdach oben, ein großes Wort gestanden ist. Man hat mich unten weitergeschoben. Doch das Wort wollte springen, nicht nur über die Zeile hinaus. Aus dem Leben, aus der Wahrheit, den Büchern, aus dem, was wir sonst noch so hören und lesen. Ich hab es mir nicht anschauen können, denn das wäre es mit dem Wort dann gewesen. Es will doch nur einfach sein Haus nicht verlieren. Ich halte mein Ohr ganz nach oben, schon fast auf allen Vieren, damit ich das Wort schnell noch auffangen kann ... Bringe es nun sofort in sein Funkhaus, denn wir dürfen es nicht verlieren. Uns laufen Sprecherinnen entgegen, eine fällt uns fast ins Wort. Diese Flucht macht uns fürchtend, doch ich halte ihm ganz fest sein großes W. Obwohl es mich nicht kennt, bleibt es ruhig in der Muschel von meinem Ohr. Los, helfen wir ihm gemeinsam, ich mache es vor. Das gesprungene Wort braucht ihn ganz klar zum Überleben, den kleinen sicheren Ort. Ich bin zwar nicht so ein Doktor, aber man tut dem hörbaren Wort doch nicht so einfach weh, nimmt ihm das wichtige Dach nicht, so wie ich das halt seh' ...


Gaby Eder: Das Interview

Es war im Jahr 1979/80. Ein junger Bursch aus unserem Dorf verbrachte mit Freunden einen Urlaub im Ausland und verletzte sich bei einem Sprung ins Meer derart schwer, dass er querschnittgelähmt blieb. Tief berührt von diesem Schicksal beschlossen Theaterverein, Singrunde, Turnverein, Freunde und Bekannte eine kleine Hilfe zu starten und so entstand ein bunter Abend mit vielen Mitwirkenden. Mein Mann und ich traten gemeinsam im Einakter „Der Hund im Hirn” von Curt Götz auf und ich brachte etwas später zum ersten Mal einem Publikum meine Gedichte zu Gehör. Walter, ein Freund, umrahmte diese kleine Lesung mit selbstkomponierten Liedern, die er auf seiner Gitarre begleitete. Alles in allem war der Abend ein schöner Erfolg und wir waren froh, dem jungen Mann ein wenig Licht ins Leben gebracht zu haben. Um auf das Schicksal des Burschen aufmerksam zu machen, wurden Walter, mein Mann und ich nach diesem bunten Abend in das Funkhaus nach Wien eingeladen. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, wer die Idee dazu hatte und wie diese Einladung zustande kam – ich weiß nur noch, dass Walter, mein Mann und ich nach einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einer Odyssee im Funkhaus durch scheinbar unendliche Gänge endlich im Studio bei Ernst Grissemann ankamen. Ich kannte ja bis dahin nur die tiefe, sonore Stimme Ernst Grissemanns aus dem Radio und hatte mir seine Erscheinung immer groß und kräftig vorgestellt. Dass dem nicht so war, machte mich eigenartigerweise noch nervöser, als ich ohnehin schon war. Doch sofort bei der Begrüßung nahm mich seine wohlklingende Stimme gefangen und die Nervosität war wie weggeblasen – bis ich erfuhr, dass ich gleich als erste interviewt werden sollte. Den genauen Inhalt des Interviews habe ich vergessen, er ist meiner Nervosität zum Opfer gefallen. Im Gedächtnis ist mir jedoch, dass Ernst Grissemann mich bat, ein Gedicht vorzutragen und mein Mund so trocken war, dass ich beim Sprechen Mühe hatte. Irgendwie schaffte ich den kurzen Vierzeiler und war danach so erleichtert, dass die Interviews mit meinem Mann und Walter an meiner Wahrnehmung vorüberrauschten und ich nur wie in Trance daneben saß. Der junge Mann von damals hat sein Leben bewundernswert gemeistert und ist bis heute seinen Freunden ein Vorbild, was Disziplin, Lebenswille und Zufriedenheit anbelangt. Sehr oft vergessen wir, dass sich das Leben von einem Tag zum anderen verändern kann und eine kleine Freude manchmal viel bewirken kann. Dass mich der „große“ Ernst Grissemann für würdig befunden hat, in seiner Sendung ein Gedicht aus meiner Feder vorzutragen, war mit Sicherheit ein Mosaikstein auf dem Weg, meine Gedanken weiterhin zu Papier zu bringen und Menschen vielleicht ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern.


Josef Graßmugg: Erinnerungen

Vermutlich begann alles in den Tretrollertagen. Die Fahrradzeit gehörte mit Sicherheit dazu. Wahrscheinlich auch der Beginn der Mopedphase. In Wahrheit aber war ich bereits damals ein „Autofahrer unterwegs“. Mit Rosemarie Isopp und Walter Niesner als Reiseleiter verbrachte ich unzählige Stunden am Radiogerät. Auch wenn die Sendungen in erster Linie aus dem AEZ kamen – ich verband sie immer mit dem Funkhaus in der Argentinierstraße. Dann natürlich die Sonntagvormittagsfrage von Heinz Conrads: „Was gibt es Neues?“ Wobei das für mich eher ein Pflichtprogramm war. Meine Großmutter hätte es wohl nie verstanden, dass man auf die Direktübertragung dieser Sendung freiwillig verzichten könnte ... Und immer wieder der Hinweis, von wo die Sendung kam. (Sogar mit Hausnummernangabe. Die sitzt nach wie vor unauslöschlich im Hinterkopf.) Dann plötzlich diese Nachricht! Ich hatte bei einem Preisausschreiben gewonnen! Auch wenn ich inzwischen nicht mehr weiß, wer den Preis wann ausschrieb – ich war unter den Preisträgern! Ich hatte die Einladung zu einer Lesung gewonnen. Peter Henisch las im Wiener Funkhaus. Kapfenberg – Wien – und retour. Jetzt erst merkte ich, wie unkompliziert das Funkhaus erreichbar war. Hier in den Zug eingestiegen, dort ausgestiegen. Ohne ein zusätzliches Verkehrsmittel das Ziel erreicht. Und die Vergangenheit hatte mich eingeholt. Das war sie also: Die Argentinierstraße 30a! Peter Henisch lieferte ein perfektes Programm. Und doch ertappte ich mich dabei, dass ich zwischendurch „an die kleine Figur meiner Großmutter“ dachte ...


HK Gruber / Franka Lechner

Die zentrale Lage des Funkhauses ist gerade wegen der kulturellen Belange, die der Hörfunk zu erfüllen hat, unverzichtbar, abgesehen von der Institution Radio-KULTURHAUS. Die Umsiedlung des Hörfunks auf den Küniglberg wird das Eigenprofil des Hörfunks ruinieren. Ö1, DIE kulturelle Vorzeigeadresse des ORF, wird sein Profil einbüßen. Was aber in der Öffentlichkeit überhaupt nicht diskutiert wird: Das ORF Radio Symphonie Orchester soll weiterhin seine Residenz im Funkhaus haben. Die erforderlichen Räumlichkeiten soll der ORF anmieten. Das ORF RSO & Ö1 sind wohl die kulturell wichtigsten Einrichtungen des ORF, eine der wichtigsten Visitenkarten Österreichs. Nachdem Ö1 am Küniglberg nach & nach verschwinden wird, wird die ORF-Direktion in den nächsten Jahren die Mietkosten für das ORF RSO im alten Funkhaus beklagen & wieder einmal, wie schon öfters in den letzten Jahren, für die Auflösung des Orchesters plädieren. In Manchester/Salford hat die BBC eine Media City gebaut. Dort ist auch das BBC Philharmonic Orchestra, eines der vielen Symphonieorchester der BBC, untergebracht. Ein Musterbeispiel, das die entsprechenden Verantwortungsträger hierzulande studieren sollten. Siehe den folgenden Link: https://www.google.at/search?q=media+city+uk+salford&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b&gfe_rd=cr&ei=smxZV9D8GaPb8AeR9bngAQ


Markus Köhle

Dieter Moor macht den Moderator. Christian Ide Hintze tanzperformt ein Lautgedicht. Martin Auer macht Stille zur Poesie. Franzobel wird via Videogrußbotschaft eingespielt. Ö1 macht erstmals einen Poetry Slam im großen Radiokulturhaussendesaal. Es ist kein Poetry Slam im eigentlichen Sinne, es ist einerseits eine Poetry Slam Show mit StarautorInnen-Aufgebot aber es dürfen andererseits schon auch ein paar nicht LiteraturbetriebsautorInnen mitmachen, die von einer Fachjury bewertet werden. Das entspricht zwar nicht dem Grundgedanken eines Poetry Slams, aber ein normaler Poetry Slam findet ja auch nicht im großen Radiokulturhaussendesaal statt. So gut wie dort sitzt man bei einem herkömmlichen Poetry Slam nämlich nicht. Auch ist der Sound in der Regel nicht so gut wie im großen Radiokulturhaussendesaal. Oh, wie ist der Sound dort gut. Oh, wie weich sind dort die Polstersessel. Oh, wie schade wär's, dort nie mehr wieder sitzen und dem lauschen zu können, was einem geboten wird. Und es wurde einem so viel Schönes, so viel Unverständliches, so viel angenehm Verstörendes in bester Tonqualität geboten im großen Radiokulturhaussendesaal. Es möge nie, nie, nie, nie um ihn ruhig werden.

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Veranstaltungen
TEXT & FILM IX – „REMIXED“

Di, 20.10.2020, 19.00 Uhr Kurzfilmpräsentationen ACHTUNG Anmeldung erforderlich unter:...

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14.09. bis 10.12.2020 Seit rund 15 Jahren ist die Autorin Claudia Bitter auch bildnerisch tätig....

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