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Teresa Präauer: Oh Schimmi.


Leseprobe:

OH NO!

Was erzählt man sich über die internationalen Weltstädte? Indien, Afrika, Asien! Dass dort die Äffchen die Stadt regieren und dabei nichts anderes tun, als die Menschen zu ärgern. Indem sie den Menschen Sachen stehlen, die Mülltonnen durchwühlen, sich schlecht benehmen. Und hässliche Graffiti sprühen. Aber, so sagt man, diese Affen sind auch ziemlich cool und ziemlich vorwitzig.

Es kann also vorkommen, dass ein Reisender, der in Flip-Flops und Safarihose an der hoteleigenen Pool- Bar sitzt, sich schon morgens einen Blue Curaçao bestellt, dass er endlich wieder einmal, anstatt immer übers Tablet zu wischen, die internationale Tageszeitung auffaltet, sich die Sonnenbrille ins Haar schiebt, einen kräftigen Schluck nimmt, dass er die Lektüre der politischen Nachrichten hintanstellt, den Chronikteil und die Motorsport-Beilage stattdessen vor- zieht, im Weiteren nach dem Stück Ananas und der kandierten Kirsche an seinem Cocktailglas greifen will und plötzlich, unerwartet, einem felligen Äffchen an den Steiß fasst, das, jetzt sieht er es!, doch tatsächlich seine kleinen Greifhände um die beiden Obststücke gekrallt hat und so, mit unmissverständlicher Geste, die neuen Besitzverhältnisse deutlich macht.

Wollte der Reisende, über diesen bescheidenen Vor- fall zuerst erheitert, dann zunehmend verärgert, seinen Blue Curaçao mit den frischen Eiswürfeln und dem schwarzen Trinkhalm zurückerobern, »es handelt sich doch bloß um ein kleines Äffchen, das verscheucht gehört, besser noch erschlagen!«, so wird er sich im Verlauf dieses Vorhabens die sprichwörtlichen Zähne an seinem Gegner ausbeißen.

Er wird seine Zeitung fallen lassen, wird beim Sich- danach-Bücken die Sonnenbrille verlieren und wird sich beim Aufrichten den Kopf an der Tischplatte stoßen. Das Äffchen wird sich trollen, nämlich vom Tisch weg und an den Rand des Pools, erst verschreckt, stets jedoch Ananas und Kirsche fest umschlossen. Der Reisende, jetzt ehrgeizig geworden und sich von den anderen Hotelgästen beobachtet wissend, wird dem dreisten Dieb hinterher hechten, er wird dabei freilich, freilich!, auf den vom Äffchen gerade fallen gelassenen Obststücken ausrutschen, er wird so, unter dem lachenden Beifall der Schaulustigen, in den Pool stürzen, wird erst unter- und dann, mit hochrotem Kopf, an der Wasseroberfläche wieder auftauchen, gerade zur rechten Zeit. Zur rechten Zeit nämlich, um beobachten zu können, wie das Äffchen seinen Platz an der Sonne einnimmt, genussvoll die internationale Tageszeitung in der linken, den Cocktail in der rech- ten Hand, den schwarzen Trinkhalm grinsend bereits zwischen die blitzenden Zähne gesteckt.

Nun, bei unserem Schimmi liegt der Fall nicht ganz so wie bei jenem Äffchen. Der Schimmi nämlich mag beispielsweise überhaupt kein frisches Obst und Gemüse. Er würde den Blue Curaçao trinken, ohne sich um die Ananas zu balgen, und er würde die Eiswürfel dazu lutschen. Er würde vielleicht noch versuchen, durch den schwarzen Trinkhalm in der Waagrechten hindurchzuspucken.

Bei alldem bliebe der Schimmi doch ein Mensch, mit Dollars in der Hose und einem Hemd dazu, das er aufgeknöpft trägt bis zur Brust, wo ein beachtliches Stück Fell zum Vorschein kommt.

Fell? Nein, sehr helles Brusthaar, das, zu manchen Tageszeiten, rot glänzt. Das Gras wächst, die Vögel fliegen, und Wellen schlagen ans Ufer, sagt man. Und was macht der Schimmi währenddessen? Er lacht, und seine Zähne blinken, nein schimmern so golden aus seinem Mund.

(S 5-7)

© Göttingen: Wallstein Verlag 2016

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