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Gerhard Streminger: Die Fremde


Leseprobe:

Im Rückblick, liebe Enya, ist man immer geneigt, die Bedeutung einzelner Erlebnisse zu sehr in den Vordergrund zu rücken und auf anderes Wichtiges im Leben zu vergessen. Dennoch glaube ich, dass diese langen Wanderungen durch das Moor mit Joy, zumeist auf den von Schafen ausgetretenen Pfaden, für meine persönliche Entwicklung von besonderer Bedeutung waren. Das Moor war für mich ein Ort voller Möglichkeiten. Sich seiner Einsamkeit, seiner Schönheit, aber auch seinen Gefahren bewusst zu werden und sich ihnen zu stellen, bedeutete für mich so etwas wie ein Goldklumpen verdichteten Lebens.
Manchmal ruhte ich mich nicht nur auf einem Baumstumpf sitzend aus, sondern ich legte mich auch am Ufer eines Tümpels nieder und schlief ein wenig, während Joy nicht von meiner Seite wich und mich bewachte. Ich genoss es, wenn einige Atemzüge vor dem Einschlafen mein Körper ganz ruhig und schwer wurde und mit der Erde zu verschmelzen schien. Meine bevorzugten Schlafstellen im Moor waren kleine Kieselbänke. Denn Steine waren zu hart, Torf und Moosteppiche zu nass, und Sand drang in die Haut ein und schmerzte wie Schleifpapier. An der Küste sind die Sandkörner rund geschliffen, aber im Landesinneren waren sie eckig. Manches Mal, wenn es längere Zeit nicht geregnet hatte, legte ich mich einfach auf den borstigen Teppich aus Heidekraut. Wenn die Pfade um das Moor nicht zu nass waren, zog ich meine Schuhe aus und rannte barfuß über die Heide. Sobald irgendwo einige niedere, abgerundete Felsen zu sehen waren, musste ich dorthin, um auf den Steinen zu balancieren und dann, wenn ich das Gleichgewicht gefunden hatte, von einem zum nächsten zu hüpfen. Ich fühlte mich dabei so federleicht, wie eine Tänzerin sich fühlen mag.

(S. 62, 63)

© 2016 Braumüller Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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