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Elisabeth Reichart: Frühstück bei Fortuna.


Leseprobe:

Mir war nicht schlecht, obwohl das noch kommen konnte. Meine Zellen waren in Alarmbereitschaft, ich ließ das Auto auf den Pannenstreifen rollen, ein paar Meter vor den auf dem Boden kauernden, müden Menschen. Andere schleppten sich noch vorwärts. Erik starrte durch die Windschutzscheibe, rief die Polizei an, holte das Pannendreieck aus dem Kofferraum, stellte es mitten auf die Autobahn. Endlich konnte ich wieder reagieren, nahm die Warnwesten und ging damit zu Erik. Zum Glück waren keine Raser unterwegs, konnten wir die Fahrer zur Seite winken.
Als alle gerettet waren, fuhr Erik weiter. Ich zitterte vor Dankbarkeit, dass nichts passiert war. Wie hätte ich weiterleben sollen als Tötende, Verletzende? Zu Hause schenkte uns Erik von dem mitgebrachten Cognac ein, umarmte mich und wollte wissen, wie ich die Menschen sehen konnte, er hätte sie erst wahrgenommen, als wir auf dem Pannenstreifen hielten.
Ich habe sie nicht gesehen. Meine Zellen haben sie gesehen. Ich bin so geübt, Zellen zu sehen, dass sich diese Fähigkeit anscheinend verselbstständigt hat.
Er sah mich verwundert an. Was sollte er sagen? Ich wusste auch nicht mehr. Nur, dass wir seit diesem Sommer neue Gedanken haben, nie zuvor gedachte: Ein abgestellter Kleinlaster oder Kastenwagen warf die Frage auf: Sind darin Flüchtlinge eingesperrt?

(S. 25-26)

© 2016 Otto Müller Verlag, Salzburg

 

 

 

 

 

 

 

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