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Lukas Meschik: Über Wasser


Leseprobe:

Er blätterte in sich, fand sich aber leergelebt. Er war sich alt. Er hatte eine Leere in sich, die nur alles hätte füllen können. Alles auf einmal zugleich. Er war Hinauszögerer einer Tat. Die Leere führte zu nichts, doch aus dem Nichts ergab sich etwas: Er dachte einen Raum, den nur der betreten durfte, der es wirklich wollte. Raum, der einem den innigsten Wunsch erfüllte. Er dachte, sein innigster Wunsch wäre, diesen Raum zu betreten, um zu erfahren, was es damit auf sich hatte. Und er dachte sich in den Wunschraum hinein, in dem er keinen Wunsch mehr frei hatte, weil er ihn dafür verbraucht hatte, den Raum zu betreten, und was es damit auf sich hatte, würde er niemals erfahren. Er dachte bei offenem Fenster und offener Tür, um einen Luftzug zu spüren, der vielleicht etwas herantrug oder hinfortblies. Er spielte, in einem Durchgangszimmer zu sitzen, in das jederzeit einer hereinpoltern und ihn mit einer Sache überfallen konnte. Er wünschte sich in den Wunschraum, erinnerte einen gudrunhaften Körper dazu und spielte sich dort mit ihm ab. Er war müde und fragte sich, was er war, kam sich vor, als sei er jemandem unterlaufen, was nur heißen konnte, dass er ein Fehler war. Er fühlte und dachte und lebte gedämpft, dachte er, aber nicht aus freien Stücken oder edlem Verzicht, sondern weil er kein anderer war und es gar nicht hätte sein können. Derjenige, der er war, wollte kein anderer sein, um keinen Preis, nein, ums Verrecken nicht, und bevor ein anderer, lieber gar keiner sein. Deckel drauf und gut. Er schob sich auf.

(S. 78)

© 2017 Limbus Verlag, Innsbruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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