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Andrea Stift-Laube: Die Stierin.

Leseprobe:

Die Dichter wurden herbeigerufen und befragt, ob sie die Geschichte der Maeve in ihrer Gesamtheit erzählen konnten. Und alle gaben zu, dass sie nur Bruchstücke davon wussten.
(Nach dem Book of Leinster, um 1160)


WIR BEHAUPTEN EINFACH, WIR SEIEN DER CHOR.

Wir sehen eine rothaarige Frau vor uns, sie ist groß, schlank und vielleicht um die fünfzig Jahre alt. Ihr Gesicht ist sehr hübsch, doch der Ausdruck darauf abwesend. Nicht von hier. Ihr schlanker Körper hat gefällige Ausbuchtungen. Vorne und hinten ist alles da, was man so braucht – zumindest glauben wir das, denn wir können es nicht so genau erkennen. Das liegt an ihrer Kleidung. Die Kleidung passt nicht ins gefällige Gesamtbild dieser Frau, wir sind damit ganz und gar unglücklich. Oben herum trägt sie eine viel zu weite, locker fallende Seidenbluse. Beige, mit altmodischem, braunem Muster. Unten herum eine Karottenhose, die ebenfalls braun und äußerst unvorteilhaft geschnitten ist. Die Fußknöchel der Frau lugen spitz daraus hervor. Ihre Füße stecken in klobigen, schwarzen Schuhen, es könnten Männerschuhe sein. Wir sehen und erkennen diese Frau das erste Mal in einem Käseladen im alten Teil unserer Stadt. Sie fuhrwerkt hinter der für sie viel zu hohen Theke und versucht, unsere Wünsche zu erfüllen. Graukäse, zehn Deka bitte, und Fonduekäse für drei Personen. Ja, die Hausmischung. Sie setzt ihre Hände vorsichtig, aber nicht unsicher ein. Wir gehen mit dem Käse nach Hause. Abends werden wir zusammen essen. Wir behaupten einfach, wir seien der Chor.

(S. 9-10)

© 2017 Kremayr & Scheriau, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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