logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Stefan Soder: Simonhof.

Leseprobe:


Not und Wendigkeit

Am Anfang war die Arbeit.
Wenn man auf die Zeit nach dem ersten großen Krieg zurückschaut, lässt sich kaum begreifen, was Arbeit damals bedeutete, wie unmittelbar sie mit dem eigenen Überleben und dem der Familie zu tun hatte. Für die meisten Arbeitstauglichen gab es keine echte Freizeit, so wurden die weniger anstrengenden Tätigkeiten zum Vergnügen und zur Erholung.
Simon war ein schmächtiger Bursche von vierzehn Jahren, der, seit er nicht mehr zur Schule ging, für seine Mutter einmal pro Woche vom elterlichen Bergbauernhof ins Dorf hinunterlief, um einzukaufen. Während sein älterer Bruder beim Vater, bei der Arbeit bleiben musste, genoss Simon das Privileg, sich alleine und unbeaufsichtigt auf den Weg zu machen. Als er den Wald hinter sich gelassen hatte, rastete er, blickte über die tief verschneiten Felder ins Dorf hinab, darüber hinaus ins Tal, wo es sich öffnete, bevor es ins nächste, breitere Tal führte, in eine unbekannte Welt, die er nie betreten hatte. Eine Welt, in die er sich voller Neugierde hineinträumte, bis er sich wieder seiner Aufgabe besann und weitermarschierte.
Nachdem er im Dorf beim Krämer eingekauft hatte, lauschte er am Fenster des Wirtshauses den sentimentalen Kriegsliedern eines invaliden Ziehharmonikaspielers, der sich mit seiner Musik Essenreste und Alkohol verdiente, seit er ohne Beine aus dem Krieg heimgekehrt war. Dabei beobachtete Simon die Kartenspieler, gebrechliche oder versehrte Männer, die einzigen, die tagsüber im Wirtshaus saßen.
Wenn Simon sich endlich losreißen konnte, beeilte er sich mit geschulterter Kraxe auf dem schmal durch den Tiefschnee gestapften Pfad zum Hof seiner Eltern. Seine Schuhe passten ihm nicht, weil er sie stets erst dann bekam, wenn sie seinem um zwei Jahre älteren Bruder Vitus zu klein geworden waren. Mit der Kleidung war es das Gleiche, seine Mutter kam mit dem Stopfen der vielen Löcher, dem Annähen von Knöpfen an seinem ausrangierten Gewand kaum nach. Zu Hause brüllte immer zumindest eines der Kleinen.

( S. 9-10)

© 2017 Braumüller Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Super LeseClub mit Diana Köhle & Didi Sommer

Mo, 24.09.2018, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Wir treffen uns...

Küche der Erinnerung – Essen & Exil

Mi, 26.09.2018, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation mit Lesung &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...