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Peter Waldeck: Die 67 enttäuschendsten Sexfilme aller Zeiten.

Leseprobe

Marvin Latsko meinte, es wäre doch wohl klar gewesen, was wir uns für die Kolumne ausgemacht hatten. Jede Woche ein Bericht über einen enttäuschenden Kurzfilm. Eine bissige Beschreibung. Ein kleiner Kommentar meinerseits, mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. 500 Wörter, kurzum: eine runde Sache. Die eine oder andere Überziehung wäre natürlich kein Problem, aber meine Berichte würden seit ein paar Wochen prinzipiell den ausgemachten Rahmen um ein Vielfaches sprengen. Und das sei ja gar nicht das größte Problem, sondern das größte Problem sei, dass es immer weniger um das quotenträchtige Thema Sexfilm ginge, sondern um langwierige Einsichten in mein privates Leben, und das sei wie gesagt in einem gewissen Rahmen auch mehr als okay, aber dieser gewissse Rahmen sei nun endgültig ausgereizt und, was ihn von diesen Problemen am allermeisten fertigmache, sei die Tatsache, dass er mich schon mehrfach telefonisch und per E-Mail um Unterlassung gebeten habe, und ich nicht auf ihn gehört, ihn nicht respektiert hätte, und er wisse natürlich, was für ein großartiger Schriftsteller ich sei, und dass es ja eben genau er gewesen war, der sich so für mich eingesetzt hätte, und dass ich ihn da so im Regen stehen lassen würde, sei eine ungeheure Enttäuschung, aber irgendwann seien auch dem größten Bewunderer alle Hände gebunden, er müssen eben ein Online-Magazin herausgeben, das in der werberelevanten Zielgruppe ein gutes Standing habe, da gehe es nicht nur um Geschmack, da stünden ja auch Arbeitsplätze auf dem Spiel, und zwar auch nicht wenige, zum Glück, aber dieses Glück bedeute auch eine große Verantwortung und so weiter und so fort. Kurz zusammengefasst: Er werde erst wieder einen Text veröffentlichen, wenn er in das ausgemachte Konzept passt.
Als er fertig war, strahlte er über das ganze Gesicht, weil er sich getraut hatte, mir das alles in dieser Deutlichkeit so reinzusagen. Ich schlug ihm die Zigarette aus dem Mund und ging mit meinem Hund die Straße entlang. Sollte er doch lernen, sich die Verträge gut durchzulesen, bevor er sich in einer solch spontanen Situation bis auf die Knochen blamierte. Nein, ich musste gar nichts sagen.

(S. 68–69)

© 2017 Milena Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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