Judith Nika Pfeifer: Violante.


Leseprobe

violante, untröstlich

Marcello Capecce folgt mit den anderen Höflingen seiner Herrin in die Verbannung. Die sieht sich nur noch von einfachen Bauern umgeben. Fühlt sich angestaunt und angegafft. Am Land schaut man eben anders. Das Staunen erinnert sie wieder und wieder an ihren Absturz. Wie der Verlust von Ruhm, Macht und Einfluss die Menschen verändert. Die Herzogin ist untröstlich. Der Papst, ihr Schwiegeronkel, ist so alt, dass ihn wahrscheinlich der Tod überraschen wird, bevor er seine Neffen und sie nach Rom zurückrufen kann. Und das Schlimmste: Die drei Carafa-Brüder reden nicht mehr miteinander.

The past grows gradually around one, like a placenta for dying.
                                                                         (John Berger)

     Ich denke schon, dass sie auch glücklich waren.
     Hoffen wir, dass es gut ausgeht.

Herzog fickt Herzogin. Und sie fickt zurück. Jemand klopft auf Glas, eine Rede. Jemand klopft auf Holz.

(S. 58)

© 2017, Czernin Verlag, Wien.