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Andreas Tiefenbacher: Der Liebesdilettant.

Leseprobe

Wenzel nahm sich vor, solange im Bett zu bleiben, bis er eine für sich richtige und dem Freund annehmbare Antwort gefunden hätte.
An den Seiten der heruntergezogenen Rollläden tröpfelte etwas Tageslicht herein. Kleine Schattenkegel zeigten sich im Wandweiß. Er musste, was ihn verwunderte, nicht einmal aufs Klo. Darum hatte er auch heute noch keinen Fuß auf den Boden gesetzt, während er seinem Hirn bereits Schwerarbeit zumutete, es sich in diversen auseinanderstrebenden Ideen kräftig verhaspeln, von einer Vorstellung in die andere stolpern, Gedanken hin- und herschieben ließ wie Teile eines Puzzles, die irgendwie nicht und nicht ineinanderpassen wollten. Doch er wähnte sich nahe am Ziel. Er spürte es. Jetzt aufzugeben wäre das Allerdümmste gewesen.
Sei vernünftig, dachte er. Bleib im Bett, bis du am Ziel bist und über eine Antwort verfügst. So zog Wenzel seine Überlegungen doch noch fort, obwohl er am Vorabend mit sich eine Abmachung getroffen hatte. Er wollte nämlich keine Zeit verlieren und sich (was ab einem gewissen Alkoholspiegel immer so ausschaut, als sei es ganz leicht zu realisieren) in Hinkunft früher als sonst vom Morgen und seiner Geschäftigkeit gefangen nehmen lassen. Daher hing ihm das schlechte Gewissen schon kuhschwanzlang nach wie im Bubenalter die Angst, beim Doktorspielen erwischt zu werden. Er wollte es ein für alle Mal vertreiben.
Während er mit Stani getrunken hatte, war er fest entschlossen gewesen. Doch wenn er es sich recht überlegt, wer brauchte ihn da draußen, jetzt? Er hatte keinen Termin, keine Verabredung. Noch war seine Galgenfrist nicht verstrichen. Und bliebe er sparsam, würde er mit seinem Geld noch ein halbes Jahr über die Runden kommen. Aber andererseits brauchte er auch eine Wohnung.
Wenzel fing an, sich im Bett herumzuwälzen. Unbehagen kam auf und ein bisschen Angst, seine Denkkondition würde nicht groß genug sein, nachlassen und versiegen. Oder versteifte er sich bloß auf etwas, das von vornherein ohne Aussicht und völlig sinnlos war, weil undurchführbar: eine Antwort finden auf die Frage, für die es gar keine Antwort gab, ja, gar keine geben konnte!?
Es schnürte ihm den Hals zu. Er hatte das Bedürfnis, mehrmals hintereinander zu schlucken. Und irgendwie bröckelte sein Vorhaben bereits ab. Wenzel spürte es schon. Es kam ihm vor wie Verputz auf zu alt gewordenen Wänden. Das Bild von einem Sumpf tauchte auf, in den er geraten war, rein zufällig und irgendwie, aber in dem er nun drohte, wehrlos zu versinken. Der Sumpf schaute genauso aus wie die Edtau in Stambach. Wasserlöcher befanden sich dort und morastige Wiesen, mit hunderten Disteln, die weit über armlang und kerzengerade herauswuchsen jedes Jahr. Ein Paradies, das Stieglitze anlockte, Zeisige. Ohne Gummistiefel ging da gar nichts. Als Bub hatte sich Wenzel dort nie recht hineingetraut.

(S. 118 ff)

© 2017 Verlag Wortreich, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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