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Eva Schörkhuber: Nachricht an den Großen Bären.

Leseprobe

»Das ist deine einzige Chance gewesen«, habe ich ihm gesagt und ihn gefragt, ob er mitkommen wolle zu Zora, in ihr Atelier. »Sie ist auch Malerin. Sie malt schon seit Jahren die Auswüchse der Angst in der Stadt. Ihre Bilder werden immer … immer ...«
Er hat mich angesehen und gelächelt. »Dunkler, sagen wir doch einfach – dunkler. Ich komme gerne mit zu Zora, ich möchte ihre Bilder sehen.«
Ich habe ihm die Adresse von Zoras Atelier gegeben. Er könne nicht einfach durch die Straßen spazieren, hat er mir erklärt, er müsse andere Wege nehmen. Welche, das hat er mir nicht verraten, aber wir haben bei Zora einen sehr schönen Abend verbracht. Wir haben über Zoras und seine Bilder gesprochen und über Europa, über jenes Europa, an das wir uns – nein, nicht dunkel, sondern etwas heller noch – erinnern, und über das Europa, in dem wir heute leben, das dunkle, das zerklüftete, das zerrissene. Er hat von den Zonen C und D erzählt, von dem Lager, der Zwangsarbeit und der totgeschlagenen Zeit. Er hat gesagt: »Nicht nur in diesen Lagern sind wir Vogelfreie, eingesperrt in einen riesigen Käfig, in dem wir uns gegenseitig zerfleischen.« Seinen Namen hat er uns nicht nennen wollen. Er hat gemeint, wir müssten ihm einen Namen geben, bei jeder Begegnung einen neuen.

(S. 48)

© 2017 edition atelier, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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